Vorlage 1998-211: Neubau Dreifachsporthalle Kaserne Liestal, Baukreditvorlage
| Landrat / Parlament || Vorlage 1998-211 vom 20. Oktober 1998 |
| Neubau Dreifachsporthalle Kaserne Liestal Baukreditvorlage |
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3 Begründung
3.1 Einbindung in Gesamtkonzept Sanierung und Ausbau Kaserne Liestal
Konzeption und Eigenschaften der Anlagen und Gebäude von Kasernen müssen die Ausbildung und die Erziehung der Angehörigen der Armee begünstigen. Um dies zu erreichen, sind die Waffenplatzanlagen nach Funktionen in Sektoren zu unterteilen:
- Ausbildung und Verwaltung
- Sport und Freizeit
- Unterkunft und Verpflegung
Für den Sektor Sport und Freizeit verlangt das Raumprogramm des Bundesamtes für Betriebe des Heeres (BABHE) vom 30. Oktober 97 für den Bereich Sport neben Spielfeldern und Konditionsanlagen auch den Bau einer Mehrzweckhalle mit den betriebsnotwendigen Nebenräumen, jedoch ohne Garderobeneinrichtungen, die für eine reine militärische Nutzung nicht notwendig sind.
Mit dem hier vorgestellten Projekt für eine Dreifachsporthalle (Mehrzweckhalle) sollen dringend benötigte Sporträume nicht nur der Armee, sondern auch der Handelsschule des Kaufmännischen Vereins zur Verfügung gestellt werden. Neben dem Sportunterricht dient der Armee diese Halle auch als Versammlungslokal, für Zwecke der militärischen Ausbildung und zur Durchführung von Truppenrapporten.
Auf den Bau einer zusätzlichen Normturnhalle zugunsten des Kaufmännischen Vereins BL, wie es das abgelehnte Projekt für eine Stadthalle Liestal neben dem Bau einer Mehrzweckhalle für die Bedürfnisse von Stadt und Armee vorgesehen hatte, kann verzichtet werden.
In intensiven Gesprächen zwischen Waffenplatzkommando (Benutzer: Kdo Ter Inf RS) und Kaufmännischem Verein (Benutzer: kaufmännische Berufsschule) konnte erreicht werden, dass es durch geschickte Koordination und Stundenplanlegung möglich ist, beide Nutzergruppen konform in einer einzigen Dreifachsporthalle unterzubringen.
Damit diese Nutzungsverdichtung möglich ist, wird das von der Armee vorgegebene Raumprogramm durch Räume wie Garderoben, Duschen, WC-Anlagen für Schüler und Schülerinnen, Lehrergarderoben und -aufenthalt ergänzt. Damit verbessert sich das Raumangebot auch für die Nutzung der Einrichtungen abends durch die Vereine.
Die Ergänzung des Raumprogrammes um einen Krafttrainings- und Gymnastikraum dient zur Abdeckung von Restlektionen für die Berufsschülerinnen und -schüler und zur Kombination von Sportunterricht mit Lektionen in der Grosshalle.
Im weiteren kann dieser Raum durch die Armee für das Nahkampftraining verwendet werden.
Als Bundesbeitrag steht für die Erstellung einer Mehrzweckhalle ein Kredit von Fr. 4,6 Mio. zur Verfügung.
Soll der bereits festgelegte Bundesbeitrag seine Rechtsgültigkeit nicht verlieren, muss spätestens im Jahre 1999 mit dem Bau der Dreifachsporthalle (Mehrzweckhalle) begonnen werden.
Um diese Frist einhalten zu können, schlägt der Regierungsrat vor, eine Dreifachsporthalle abgestimmt auf die Bedürfnisse von Armee und kaufmännischem Verein als erste Etappe des Projektes Sanierung und Ausbau der Kaserne Liestal (siehe Vorprojektvorlage Sanierung und Ausbau Kaserne Liestal) vorzuziehen.
Die Selbständigkeit dieser Bauvorlage ist mit den Sanierungs- und Ausbauplänen der Kasernenanlage sowohl baulich wie betrieblich koordiniert und sichergestellt. Mit dieser Lösung wird ein grosser Mangel der bestehenden Kasernenanlage vorzeitig behoben, und es kann der Truppe und ebenfalls dem KV BL endlich zeitgemässer Sportraum zur Verfügung gestellt werden.
3.2 Heutige Situation Armee
Die heutige Militärhalle, im Jahre 1904 als Reithalle erstellt, hat während vieler Jahrzehnte neben der militärischen Nutzung auch immer wieder Raum für die vielfältigsten sportlichen und kulturellen Anlässe von Vereinen und Organisationen geboten. Bedingt durch den unzweck-mässigen Zustand der Halle kann in der militärischen Nutzung nur noch sehr eingeschränkt Sportunterricht vermittelt werden (Halle nicht heizbar). Hingegen werden die Waffeninspektionen, Besuchstage und bei schlechtem Wetter auch teilweise nicht platzgebundene Ausbildungslektionen darin durchgeführt. Die unbeheizte Militärhalle ist sowohl baulich und funktionell völlig ungenügend.
Der Sportunterricht und die Nahkampfausbildung in den Territorial-Infanterieschulen umfasst bei einer Schulgliederung von 3 Unteroffiziersklassen und 12 Rekrutenzügen (2x pro Jahr) im Minimum 1 556 Lektionen. In diesen Lektionen ist der Bedarf der zusätzlich stattfindenen militärischen Kurse nicht berücksichtigt.
Diese Ausbildung muss heute dezentral in verschiedenen Turnhallen der Stadt Liestal, in Retablierungsräumen und Gängen der Kaserne durchgeführt werden.
Weil die Liestaler Turnhallen ohnehin schon alle überbelegt sind (Schulturnen und Vereine) muss der militärische Sport als "Lückenfüller" und zu ausserordentlichen Zeiten wie zum Beispiel bereits vor 07.00 Uhr eingeplant werden. Für Turnlektionen während den normalen Tagesstunden bleibt keine Belegungsmöglichkeit übrig. Durch diese stets ändernden Belegungsverhältnisse entstehen grosse Auflagen an die Truppe und an das verantwortliche Kader. Eine zuverlässige Planung ist nicht mehr möglich und die Improvisation ist deshalb zum Normalfall geworden.
3.3 Heutige Situation Handelsschule KV
Ist-Zustand
Die Handelsschule KV Baselland Liestal führt im Auftrag des Kantons die Berufsschulen im kaufmännischen Bereich und im Detailhandel sowie die Handelsmittelschule (HMS) und die Kaufmännische Vorbereitungsschulen. Sie ist verpflichtet, obligatorischen Sportunterricht durchzuführen.
Für die HMS sind drei Wochenlektionen Sportunterricht vorgeschrieben, für die Berufsschulen je Schultag eine Wochenlektion.
Im Schuljahr 1998/99 beträgt die Gesamtzahl der erteilten Sportlektionen (pro Woche):
Mittelschule (inkl. Kaufmännische Vorbereitungsschule): 54 Lektionen (18 Klassen)
Berufsschulklassen mit 2 Wochenlektionen: 56 Lektionen (28 Klassen)
Berufsschulklassen mit 1 Wochenlektion: 10 Lektionen (10 Klassen)
Insgesamt: 120 Lektionen oder auf 40 Unterrichtswochen gerechnet: 4800 Lektionen
Die Handelsschule KV Baselland verfügt über einen Mehrzwecksaal (KV-Saal), der als Turnraum genutzt werden kann, aber nicht mehr den Anforderungen des heutigen Sportunterrichts genügt.
Der KV-Saal ist im Schuljahr 1998/99 mit 42 Lektionen belegt. Die übrigen 78 Lektionen werden extern gehalten:
In kantonseigener Halle: 2 Lektionen
In gemeindeeigenen Hallen: 60 Lektionen
In privaten Sportstätten: 16 Lektionen
Die Handelsschule kann in diesen Hallen aber nur jene Stunden belegen, die nicht von den Stammschulen belegt sind. Das sind Mittagsstunden, Stunden am Spätnachmittag und am schulfreien Mittwochnachmittag.
Der Mangel an geeignetem Turnraum hat die Handelsschule veranlasst, ihren Sportunterricht so zu organisieren, dass die freien Hallenzeiten durch Parallelbelegung optimal genutzt werden können. Sie bietet das Turnprogramm in Teilen in Form von semesterweisen obligatorischen Wahlfachsportkursen an, was die Nutzung weiterer externer Sporträume (Badminton- und Fitness-Center) erlaubt.
Mängel, Schwachstellen
Pädagogische Probleme:
Die Lektionszeiten, die der Handelsschule zur Verfügung stehen sind für den Sportunterricht zum Teil sehr ungünstig. Der Turnunterricht der Handelsmittelschule findet fast ausschliesslich über Mittag statt (12.15-13.45 Uhr).
Die örtliche Verzettelung des Turnunterrichts erschwert die Zusammenarbeit der Turnlehrkräfte.
Organisatorische Probleme:
Die Turnhallen sind zum Teil weit vom Schulhaus entfernt. Die Anfangszeiten der Schulen, in deren Hallen die Handelsschule Turnunterricht abhält, weichen von ihren Anfangszeiten ab. Das erschwert die Integration des Turnunterrichts ins Gesamtpensum.
Die Handelsschule ist zum Teil gezwungen, eigenes Turn- und Sportmaterial in den verschiedenen Hallen zu benützen. Sie verfügt deshalb in einzelnen Hallen nur über eine minimale Grundausstattung und ist überdies gezwungen für eine geringe Auslastung dasselbe Material mehrfach bereitzustellen.
3.4 Künftige Situation und Ziele Armee
Der Sportunterricht als Körperertüchtigung und die Nahkampfausbildung als militärischer Unterricht bilden einen wesentlichen Bestandteil der Ausbildung der Territorial-Infanterie-Schulen. Der Unterricht erfordert geeignete Räume und Anlagen, analog den Bedingungen die heute für die Erteilung von zivilem Sportunterricht Gültigkeit haben, so dass eine Dreifachsporthalle mit einem Gymnastik- und Kraftraum diesen Anforderungen Rechnung tragen würde. Die Inbetriebnahme einer Dreifachsporthalle kann den Raumbedarf und den Bedarf an notwendigen Sporteinrichtungen für
· das Fitnesstraining aller Angehörigen der Armee,
· den Sportunterricht der Kaderschulen und Territorialzüge,
· den Nahkampfunterricht in den Territorialformationen und
· den Wahlfachsport der dienstleistenden qualifizierten Sportler in den Schulen und Kursen abdecken.
In der Grundbelegung werden durch die Ter Inf Rekruten- und Unteroffiziersschulen pro Woche mindestens 60 Lektionen vermittelt. Diese Belegung ist zusätzlich noch zu ergänzen durch Sportunterricht im Rahmen militärischer Truppenkurse.
Die Halle wird in der militärischen Belegung auch als Mehrzweckhalle verwendet.
So werden das Einrücken in der Rekrutenschule, Informationsveranstaltungen und kulturelle Anlässe für Kader und Rekruten, Verpflegung von Besuchern am Tag der Angehörigen und Waffeninspektionen in der Halle durchgeführt. Sie dient auch als gedeckter Ausbildungsplatz für die Sanitäts-, AC- und Übermittlungsausbildung.
Die Dreifachsporthalle ist im übrigen der einzige Raum auf dem Waffenplatz, in dem eine ganze Rekrutenschule versammelt werden kann.
Bei der Festlegung der Grundbelegungen der Mehrzweckhalle zwischen Tuppe und KV BL hat der Bund (Truppe) Belegungspriorität. Die Anliegen des KV sind angemessen zu berück-sichtigen.
Die neue Dreifachsporthalle schafft ferner die Möglichkeit, dass in Liestal wieder grosse sportliche und militärische Anlässe durchgeführt werden können. Von militärischer Seite sind insbesonders die Rapporte von grossen Verbänden, wehrsportliche Veranstaltungen, Truppenbesuchstage, Entlassungsfeiern zu nennen.
3.5 Künftige Situation und Ziele Handelsschule KV
Anzustrebendes Nutzungskonzept:
Der Neubau soll den unterschiedlichsten Nutzungen dienen. Während die Dreifachsporthalle tagsüber durch das Militär und die Handelsschule des KV belegt ist, kann die Halle abends und an den Wochenenden für Veranstaltungen im kommerziellen und kulturellen Bereich sowie für Vereinsanlässe zur Verfügung gestellt werden.
Die Handelsschule KV Baselland wird mit der Inbetriebnahme der Dreifachsporthalle Kaserne ihren Raumbedarf in Kombination mit der Nutzung des eigenen Saales und zu speziellen Zwecken (Wahlfachsport) von gemeindeeigenen Turnhallen decken können.
Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der zu erteilenden Sportlektionen sich langfristig im unter 3.3. beschriebenen Rahmen halten wird:
Zu erteilende Lektionen: 120 Lektionen
Klassenturnen ergänzt um Wahlfachsport im eigenen Saal: 40 Lektionen
Wahlfachsport in gemeindeeigenen Hallen: 30 Lektionen
Klassenturnen ergänzt um Wahlfachsport in Halle Kaserne: 40 Lektionen
5 Kurse Wahlfachsport in Gymnastikraum/Kraftraum Kaserne: 10 Lektionen
Im Rahmen der zwischen Armee und KV abzuschliessenden Nutzungsvereinbarung wird der Truppe Belegungspriorität eingeräumt.
Für die Nutzung der geplanten Dreifachsporthalle besteht ein vorerst grobes Betriebskonzept. Die Benützungsplanung wird zwischen dem Waffenplatz und der Handelsschule KV jährlich vorgenommen. Neben den Grundbenützungszeiten des Militärs und der Handelsschule KV steht der Truppe tagsüber 1/3 der Sporthalle stets zur Verfügung. In dieser Planung müssen ebenfalls die Bedürfnisse der Rekrutenaushebung berücksichtigt werden.
Anforderungen räumliches Konzept:
Das Konzept Dreifachsporthalle entspricht den vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie erlassenen Richtlinien über die Erstellung oder Erweiterung von Anlagen und die Beschaffung von Sportgeräten für den Turn- und Sportunterricht.
3.6 Bisheriges Vorgehen
Am 29. März 1988 unterzeichnen Bund, Kanton und die Stadt Liestal eine Grundsatzerklärung zum Waffenplatz Liestal in welcher die zukünftige Gestaltung des Inf Waffenplatzes von Liestal und dessen Betrieb geregelt wird.
Am 17. Februar 1993 bewilligt der Einwohnerrat Liestal einen Kredit für die Erteilung von Studienaufträgen an vier Architekturbüros für die Erlangung von Lösungsmöglichkeiten für den Bau einer Stadthalle sowie einen weiteren Kredit für die Erarbeitung eines nachfolgenden Bauprojektes.
Aus den eingereichten Projekten wird am 17. November 1994 das Projekt der Architekten Erny und Schneider, Basel zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen.
Der beantragte Baukredit von Fr. 14,9 Mio. für eine Stadthalle (Mehrzweckhalle) unter Mitbeteiligung von Bund, Kanton und Kaufmännischem Verein wird am 2. März 1997 durch die Stimmbürger von Liestal verworfen.
Unabhängig von diesem Entscheid ist die Notwendigkeit nachgewiesen, dass zum Betrieb einer Kaserne entsprechende Sport- und Mehrzweckanlagen erforderlich sind.
Es ist nun Sache des Kantons im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für die Sanierung und den Ausbau der Kaserne Liestal ebenfalls eine Sport- und Mehrzweckhalle zu realisieren, jedoch reduziert auf die Bedürfnisse von Armee und Berufsschule des Kaufmännischen Vereins.
Um verschiedene Lösungsmöglichkeiten für diese anspruchsvolle Aufgabe prüfen zu können, und um eine Evaluation in konzeptioneller, gestalterischer, technischer und wirtschaftlicher Hinsicht vornehmen zu können, hat sich der Regierungsrat mit Entscheid Nr. 2975 vom 16. Dezember 1997 zur Durchführung eines Projektwettbewerbes "Dreifachsporthalle, Sanierung und Ausbau Kaserne" mit 12 Planungsteams entschieden.
Durch die von der Auftraggeberin eingesetzte Jury wurde am 4. Juni 1998 das Projekt der Vischer AG, Architekten und Planer, Basel als sowohl funktional, städtebaulich wie ökonomisch beste Lösung dem Regierungsrat zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen.
Mit Beschluss Nr. 1238 vom 16. Juni 1998 folgte der Regierungsrat diesem Antrag.
Neben dem Ausarbeiten einer Vorprojektvorlage für die Sanierung und den Ausbau der Kaserne Liestal soll mit dieser Baukreditvorlage der Neubau einer Dreifachsporthalle (Mehrzweckhalle) dem Landrat als 1. Etappe des Sanierungs- und Ausbaukonzeptes der Kaserne zur Realisierung beantragt werden.