Vorlage an den Landrat


7. Individualverkehr

7.1 Organisation und Zuständigkeit


Der Bund sieht seine Rolle im Verkehrsbereich vor allem im Bereich der Koordination. Bezüglich Vorgaben und Ziele möchte sich der Bund auf jene Bereiche beschränken, bei denen übergeordnete, nationale Interessen im Zentrum stehen. Im Bereich des motorisierten Individualverkehrs geht es in erster Linie um Orientierungs- und Leitsysteme, PW-Parkierung und Car-Management. Das Verkehrsmanagement auf den Hochleistungsstrassen muss unter der Federführung des Bundesamts für Strassen (ASTRA) erfolgen, damit beispielsweise grossräumige Umleitungen in Staulagen auf dieser Stufe geschaltet werden können.


Wie unter 5.1 aufgeführt ist der Bereich Individualverkehr seit August 2006 in den übergeordneten Fachbereich Sicherheit unter der Leitung eines Projekt- und Gesamteinsatzleiters der Kantonspolizei Basel-Stadt integriert. Die Federführung für den Individualverkehr liegt aber nach wie vor bei der Verkehrspolizei Basel-Landschaft.




7.2 Strategie


Der motorisierte Individualverkehr soll möglichst vom Stadion und den übrigen Veranstaltungsorten in der Innenstadt und in den Gemeinden fern gehalten werden, um unnötige Verkehrsbewegungen in diesen ohnehin stark belasteten Bereichen zu verhindern. Zu diesem Zweck werden möglichst dezentrale Parkflächen ausserhalb des Stadion- und Stadtperimeters angelegt, bewirtschaftet und signalisiert. Ziel ist es, die Verkehrsströme der mit dem motorisierten Individualverkehr anreisenden Gäste auf kürzesten Wegen, direkt von der Autobahn und den Hauptverbindungsachsen zu den bezeichneten Parkflächen zu führen und eine Vermischung mit weiterem "EURO-Verkehr" und dem "normalen" Verkehr zu verhindern. Damit der Parksuchverkehr (oftmals über Navigationssysteme geleitet) in Stadionnähe verhindert, und die Rettungsachsen freigehalten werden können, werden um den Stadionperimeter in unterschiedlichen Abständen Kontrollpunkte gelegt, welche die Zufahrtsberechtigungen (Anwohner, EURO 2008 Beauftragte, Blaulichtorganisationen etc.) überprüfen. Geplant ist, dass nur diejenigen Personen, ab einem bestimmten Zeitpunkt vor den Spielen, Zugang zu diesem Perimeter haben sollen, welche dort arbeiten, wohnen oder mit der EURO 2008 direkt zu tun haben.


Eine Trennung der anreisenden Fangruppierung auf verschiede Parkflächen, wie ursprünglich verlangt, ist kaum praktikabel und konsequent durchsetzbar.


Die Verkehrssicherheit muss jederzeit gewährleistet sein und die Rettungsachsen frei gehalten werden. Bei der Steuerung des grossräumigen Verkehrsflusses sind die regionalen Gegebenheiten und Interessen zu berücksichtigen.




7.3 Ziele


Das oberste Ziel besteht in einer sicheren und effizienten Abwicklung der Verkehrs- und Besucherströme während der EURO 08 ohne wesentliche Einschränkung des "normalen" Verkehrs, prioritär des Durchgangsverkehrs auf den Hochleistungsstrassen. Eine zusätzliche Belastung des untergeordneten Netzes (Kantons- und Gemeindestrassen) ist nicht auszuschliessen, soll aber minimiert werden. Ebenso sollen während der EURO 2008 alle wesentlichen Rettungsachsen frei gehalten werden können.


Der Parksuchverkehr im Umkreis des Stadions und der übrigen Veranstaltungsorte soll durch ein angepasstes Angebot an dezentralen Parkmöglichkeiten verhindert werden. Die Kosten für die Parkflächen und das P+R-Angebot sollen so weit als möglich durch Parkgebühren abgedeckt werden.




7.4 Massnahmen und Kosten


7.4.1 Ausgangslage / Mengengerüst


Für den Austragungsort Basel wird pro Spiel mit folgendem Mengengerüst für das Verkehrsaufkommen gerechnet [ Erwartetes Aufkommen der verschiedenen Verkehrsträger (Hochrechnung basierend auf dem Bericht INFRAS Stand April 06, erste Schätzung, exkl. Bedürfnisse UEFA) ]:
Busse: 350
Personenwagen: 8'000
Zweiräder: 500-1'000


Diese Angaben basieren auf Erfahrungswerten der Polizei BL sowie den Hochrechnungen und Vergleichen mit den Werten der WM 06. Eine überarbeitete Version des Mengengerüstes wird, gestützt auf die Erfahrungswerte der WM 06, durch die Firma INFRAS im Auftrag des Bundes erstellt und bis Ende Dezember 2006 vorliegen.


Die oben genannten Zahlen sind als erste Schätzung zu verstehen. Entscheidenden Einfluss werden die Spielpaarungen haben. Erst dann lässt sich abschliessend und genauer festlegen, mit welchem ungefähren Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. Bis anhin wird auf eine Fantrennung (Parkierung der unterschiedlichen Fangruppierungen in unterschiedlichen Gebieten) verzichtet, da dies kaum konsequent realisierbar wäre. Dies v.a. auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass sich die Gruppierungen auf dem Weg ins Stadion nicht abschliessend trennen lassen.




7.4.2 Mannschaftsaufgebot


Um die Verkehrssicherheit gewährleisten zu können, müssen sowohl an den Spieltagen als auch an den Tagen zwischen den Spielen zusätzliche Mannschaftsbestände eingesetzt werden, welche auch von Mitarbeitern der Kapo Basel-Stadt und Angehörigen der Armee unterstützt werden. Im Gegensatz zum Ordnungsdienst ist die Risikostufe des Spiels für den Verkehrsdienst nicht von sehr grosser Bedeutung, kann aber im Einsatz relevant werden.


Für die Spieltage wird generell von einem Extraaufgebot von 200 Einsatzkräften ausgegangen. Insgesamt werden während der gesamten Dauer der EURO 08 zusätzliche 22'400 Einsatzstunden geleistet werden müssen. Davon können 13'000 mit den Mannschaftsbeständen der Kantone BS und BL abgedeckt werden, die restlichen 9'400 Stunden werden durch IKAPOL-Kräfte oder Armeeangehörige geleistet.


Unter Annahme der gleichen Berechnungsansätze wie im Sicherheitsbereich resultieren daraus für beide Kantone Mehrkosten von insgesamt CHF 650'000, wobei CHF 235'000 auf Basel-Stadt und CHF 415'000 auf Basel-Landschaft fallen. Die externe Unterstützung durch IKAPOL und Armee kann mit CHF 564'000 beziffert werden.




7.4.3 Parkraum- und Verkehrsmanagement


Parkflächen für Personenwagen (PW)
Die mittels Individualverkehr anreisenden Gäste werden infolge mangelnder Parkflächenangebote ihre Fahrzeuge nicht in der Nähe des Stadions abstellen können. Die in der unmittelbaren Nähe des Stadions vorhandenen Parkräume werden wie bereits erwähnt hauptsächlich von der UEFA/ Euro 2008 SA und von den Blaulichtorganisationen genutzt. Zudem müssen aus Sicherheitsgründen die Zufahrten für die Blaulichtorganisationen frei bleiben. Es werden deshalb mehrere dezentrale Parkplätze eingerichtet, von denen aus die Besucherinnen und Besucher entweder mit speziell eingerichteten Shuttles oder über bestehende ÖV-Linien zum Stadion gebracht werden. Damit die Verkehrsströme aus verschiedenen Richtungen frühzeitig kanalisiert und vom Zentrum fern gehalten werden können, müssen die Parkräume idealerweise rund um die Stadt an geografisch unterschiedlichen Zufahrtswegen angelegt werden.
Als dezentrale Parkräume für Personenwagen sind Grundstücke in Aesch und Pratteln in der näheren Evaluation.


Parkflächen für Busse
Das Shutteln von Besucherinnen und Besuchern, welche mit dem Reisebus ankommen ist wenig sinnvoll. Hier wird teilweise auf die bestehenden Möglichkeiten zurückgegriffen. Bereits das beidseitige Abstellen von Bussen in der St. Jakobstrasse (der Perimeter wäre für den normalen Verkehr gesperrt) kann bereits zu grossen Teilen den Bedarf decken. Im Weiteren sind Flächen in Muttenz und Birsfelden in Abklärung.
Eine Nutzung des Areals der provisorisch erweiterten Autobahn-Zollanlage (PEZA) erscheint nur kurzfristig als sinnvoll. Bei einem hohen Bedarf an Abstellflächen für Busse könnte es sinnvoll sein, die PEZA als "Zwischenparking" zu nutzen, was bedeuten würde, dass die Gäste vor dem Spiel in der Stadt oder in Stadionnähe abgesetzt würden.


Flächen für Camping und Wohnmobile
Die WM 06 hat gezeigt, dass es absolut wichtig ist, dass den Bedürfnissen des Campings und den notwendigen Abstellflächen für Wohnmobile Rechnung getragen wird, will man verhindern, dass diese sich "wild" und unkoordiniert niederlassen. In der derzeitigen Planung kann man davon ausgehen, dass im Bereich der Grossparkräume Aesch ein ausreichend grosser Bereich für Camping und Wohnmobile ausgeschieden werden kann.


Kosten und Gebühren
Die Kosten für die Bereitstellung der Parkräume inklusive Signalisation und Ausrüstung betragen rund CHF 1'200'000. Darin enthalten sind die Kosten für Mieten, Pachtentschädigungen, Ersatzzahlungen für Ertragsausfall, Erschliessung, Schutz der Oberfläche, Rückbau, sanitäre Anlagen, Abschrankungen, Abfallentsorgung sowie Bewachung und Betreuung. Hinzu kommen Reinigungskosten an den sechs Spieltagen von CHF 100'000 sowie bauliche Anpassungen der Zufahrtswege im Umfang von ca. CHF 500'000.
Hinsichtlich Preisgestaltung für die Parkgebühren erwarten die Host Cities Empfehlungen seitens des Bundes und der Euro 2008 SA. Im Sinne eines einheitlichen Auftritts sollten möglichst an allen acht Austragungsorten, mindestens jedoch in der Schweiz einheitliche Parkgebühren erhoben werden. Ausgehend von der provisorischen Annahme, dass die Gebühr für einen PW CHF 20 und für einen Car CHF 50 beträgt, ist bei voller Auslastung mit einem Ertrag aus den Parkgebühren von ca. CHF 1'120'000 zu rechnen. Wenn ein internationaler, oder nationaler Abgleich nicht möglich sein sollte, so muss auf jeden Fall eine möglichst hohe Kostendeckung angestrebt werden.


Perimeter St. Jakob
Damit kein Parksuchverkehr in Stadionnähe entstehen kann, müssen verschiedene Verkehrszonen um das Stadion herum angelegt werden. Zutrittsberechtigt ist am Spieltag bzw. 5-6 Stunden vorher nur, wer im Perimeter wohnt, arbeitet oder direkt etwas mit der Veranstaltung selber zu tun hat. Die entsprechenden Planungen laufen aber noch. Die genauen Perimeter sind noch nicht festgelegt. Entscheidend ist hierbei eine frühzeitige und umfassende Information der Betroffenen.




7.4.4 Verkehrsinfrastruktur, Signalisationsmaterial und weitergehende Beschaffungen


Die eigenen Fahrzeuge der Verkehrspolizei BS und BL reichen nicht aus, um die zusätzlichen Aufgaben für die EURO 08 zu erfüllen. Es müssen deshalb weitere Fahrzeuge zugemietet oder anderweitig gestellt werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf ca. CHF 200'000.


Damit die Verkehrsströme auch zielgerichtet auf die entsprechenden Flächen geleitet werden können, muss eine weitgehende und grossräumige Signalisation erstellt werden. Diese muss auf den Hochleistungsstrassen (Vorgaben Bund) wie auch auf den Kantonsstrassen und dem untergeordneten Netz vorhanden sein. Besonders gilt hier zu beachten, dass eine einheitliche Signaletik erstellt wird, so dass nach Möglichkeit der Gast von Wien bis Basel immer auf die selben Symbole und Wegweisungen trifft. Die Anschaffungskosten hierfür belaufen sich auf ca. CHF 300'000.


Um das Parkierungskonzept umsetzen zu können ist damit zu rechnen, dass auch ausserhalb der Grossparkräume vereinzelte bauliche Korrekturen an der bestehenden Strasseninfrastruktur (Trottoirkorrekturen etc.) und den bestehenden Parkplätzen (z.B. Anpassung von Parkbuchten) notwendig sein werden. Die einzelnen Massnahmen sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht bekannt, da zuerst die gesamte Allokation der verschiedenen Nutzungen im Raum St. Jakob abgeschlossen sein muss und zudem die Anforderungen an die Verkehrsführung für die Rahmenveranstaltungen noch nicht bekannt sind. Die Kosten für die Infrastrukturanpassungen werden vorläufig auf CHF 250'000 veranschlagt.




7.5 Finanzierung und Beiträge Dritter


Da es sich bei der EURO 08 um einen Sportanlass von gesamteuropäischer Bedeutung handelt, ist der Bund bereit, sich an den Planungsaufgaben und bestimmten Kosten zu beteiligen. Allerdings ist die Rolle des Bundes nicht mit jener während der Expo.02 zu vergleichen, bei der der Bund selbst (Mit-)Initiant und Organisator der Veranstaltung war und damit die Gesamtverantwortung für die Veranstaltung innehatte. Deshalb hat der Bund bei der EURO 08 im Verkehrsbereich im Unterschied zur Expo.02 hauptsächlich eine unterstützende und koordinierende Rolle. Allenfalls ist im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere für Infrastrukturanlagen in der Nähe der Hochleistungsstrassen, noch mit Beiträgen des Bundes zu rechnen. Diese stehen jedoch zur Zeit noch nicht fest. Gleiches gilt für den Einsatz von Armeefahrzeugen, welche den Aufwand für die Miete von Fahrzeugen entsprechend reduzieren würde.


Im Bereich der Verkehrssicherheit leisten externe IKAPOL- und Armeekräfte nicht verrechnete Leistungen im Umfang von CHF 564'000. Der Bund übernimmt darüber hinaus im Rahmen des Leistungskatalogs für Sicherheitsleistungen (s. 5.4) gewisse Material- und Logistikkosten der Verkehrssicherheit.


Ein Teil der Kosten für die Parkräume kann über die Einnahmen aus der Erhebung von Gebühren für den P+R-Betrieb in der Höhe von ca. CHF 1'120'000 abgedeckt werden.




7.6 Übersicht Budget Individualverkehr



Fortsetzung >>>
Back to Top