Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Verpflichtungskredit für die Planung, Organisation und Durchführung der UEFA Fussball-Europameisterschaft 2008 in der Region Basel | |
| vom: | 9. Januar 2007 | |
| Nr.: | 2007-001 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
6. Öffentlicher Verkehr
6.1 Organisation und Zuständigkeit
Innerhalb des Teilprojektes Verkehr öffentliche Hand wird die nationale Koordination und Steuerung durch das Bundesamt für Verkehr vorgenommen. Hierzu erstellt der Bund ein nationales Gesamtverkehrskonzept für die EURO 2008 in der Schweiz, um einerseits den nationalen und internationalen Fans einheitliche Abläufe für den Flug-, Schienen- und Strassenverkehr in beiden Ländern und in sämtlichen Host Cities zu gewähren und andererseits die Bedürfnisse, Anforderungen und Massnahmen innerhalb der Schweiz (Bund, Kantone, Gemeinden) zu koordinieren und zu erfüllen. Die vier Schweizer Host Cities sind mit ihren Teilprojektleitern Verkehr in dieses Projekt integriert, um einerseits ihre Bedürfnisse im nationalen Projekt zu vertreten und andererseits die entsprechenden Massnahmen umsetzen zu können. Zusätzlich haben sich die vier Schweizer Host Cities auch im Bereich Verkehr zusammengeschlossen und sind in regem Austausch.
Das Bundesamt für Verkehr hat eine Arbeitsgruppe organisiert, die aus Vertretern der Gesamtprojektleitung und des Teilprojekts Sicherheit, Vertretern der vier Host Cities, Vertretern der Euro 2008 SA, Vertretern der Transportverantwortlichen (SBB, Flughäfen) sowie weiteren Vertretern von involvierten Bundesstellen (ASTRA, BAZL, EZV) besteht. Diese Arbeitsgruppe dient als Koordinationsorgan, in welchem die einzelnen Themen kommuniziert, diskutiert und weiter entwickelt werden.
Die Leitung des Bereichs Öffentlicher Verkehr in der Projektorganisation EURO 08 Basel liegt bei der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft (BUD). Die Konzepte werden in einer Arbeitsgruppe bearbeitet, in der sowohl das Wirtschafts- und Sozialdepartement des Kantons Basel-Stadt (WSD) als auch die Verkehrsbetriebe SBB, BVB und BLT vertreten sind. Die Arbeitsgruppe steht unter der Leitung der Abteilung öffentlicher Verkehr der BUD.
6.2 Strategie
Die EURO 08 bietet die Gelegenheit, den öffentlichen Verkehr im Raum Basel als valable und gut funktionierende Alternative zum Individualverkehr zu präsentieren. Den Besucherinnen und Besuchern soll ein positives Image eines funktionierenden öffentlichen Verkehrs vermittelt werden, welches sie dazu animiert, auch bei zukünftigen Grossveranstaltungen auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen.
6.3 Ziele
Das Ziel ist, während der EURO 08 einen hohen Modal Split zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs zu erreichen. Gemäss den Zielvorgaben des Bundes sollte der Anteil des ÖV beim 'Hauptanreiseweg' am Spieltag bei den zahlenden Besuchern (d.h. ohne Offizielle, etc.) mindestens 55% betragen. Im Nahverkehr rund um das Stadion soll ein Modalsplit von mindestens 80% erreicht werden (inkl. Shuttles).
6.4 Massnahmen und Kosten
Grundsätzlich müssen die Transportvorgänge 'Matchbesuch' und 'Fanbesuch' unterschieden werden. Der Transportvorgang 'Matchbesuch' beinhaltet Massnahmen für einen reibungslosen An- und Abtransport der Besucher auf Matchbeginn zum Stadion und nach Matchende von Stadion weg. Der Transportvorgang 'Fanbesuch' beinhaltet das betriebliche Mehr-Angebot, das für die gesamte Dauer der EURO 08 in der Region Basel zur Bewältigung der auswärtigen Besucher ohne Matchticket und generell für alle Besucher in den Public Viewing Zonen in der Stadt und im Umland notwendig ist.
Das Budget ÖV beinhaltet folgende Elemente:
| - | Fahrgast-Lenkung: Massnahmen zur Bewältigung der Besuchermassen beim Ein- und Ausstieg an den Haltestellen |
| - | Fahrgast-Information: Massnahmen zur Sicherstellung der Information der Fahrgäste an den Haltestellen |
| - | Zusatzaufwendungen ÖV: Die Betriebs-Mehraufwendungen zur Beförderung der Fanbesucher ohne Matchticket werden zu einem Teil durch Billet-Einnahmen TNW und einem noch zu definierenden Besucher-Ticket abgegolten. Die Betriebs-Mehraufwendungen zur Beförderung der Match-Besucher (mit Matchticket) werden durch das Kombi-Ticket, bzw. die Beiträge der Euro 2008 SA, des Bundes und der SBB abgegolten. |
| - | P+R-Betrieb: Betriebs-Aufwendungen für den P+R-Betrieb (Betrieb Shuttle-Busse und temporäre Haltestellen-Einrichtungen an den P+R-Parkplätzen). |
6.4.1 Fahrgast-Lenkung und -Information
Um die grossen Besuchermassen beim Ein- und Ausstieg an den Haltestellen bewältigen zu können, sind folgende temporäre Massnahmen notwendig:
| - | Tramhaltestelle St. Jakob (Linie 14): Portionierung des Einsteigenden-Stroms mittels Zugangs-Schleusen, damit es keine Versperrung der Trambahn durch unkontrollierten Einsteigerandrang gibt. |
| - | Bushaltestellen St. Jakob (Linien 36 und 37): Pro Fahrtrichtung muss eine zusätzliche temporäre Haltekante vor der Gellertbrücke eingerichtet werden, damit die Einsteigenden auf zwei Haltepunkte aufgeteilt werden können und dadurch die Massierung an einer Haltekante reduziert werden kann. |
| - | Tramhaltestelle Dreispitz Richtung Aesch (Linie 11): Das Halteperron muss auf Kosten einer Fahrspur temporär verbreitert werden, damit die Trambahn nicht aufgrund ungenügender Perron-Kapazität durch Personen versperrt wird. |
| - | Fussgängerführung Dreispitz (SBB L10, 11, 36, 37): Beschilderung ab Dreispitz damit die Fussgänger so geleitet werden, dass sie via rechter Gehwegseite der Brüglingerstrasse zum St. Jakob gelangen (via Unterführung) und nicht via Walkenweg. |
| - | Bahnhaltestelle Basel St. Jakob (SBB): Um einen reibungslosen An- und Abtransport der Matchbesucher über die Bahnhaltestelle Basel St. Jakob gewährleisten zu können, muss in der Wartezone und auf dem Perron eine temporäre Lautsprecheranlage installiert werden. |
Die Kosten für diese Massnahmen belaufen sich gemäss Schätzung der Verkehrsbetriebe auf rund CHF 320'000.
Der Entscheid seitens UEFA, in welchem Ausmass die SBB-/BVB-Haltestellen beim St. Jakob Park während den Spielen überhaupt genutzt werden können, steht noch aus. Ohne deren Nutzung kann allerdings nicht sichergestellt werden, dass die benötigten Transportkapazitäten in der geforderten Zeit gestellt werden können.
6.4.2 ÖV-Betrieb Matchbesucher
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben mit Unterstützung des Bundes (CHF 4 Mio.) und der UEFA (zwischen CHF 2 Mio. und CHF 4 Mio.) ein Kombi-Ticket realisiert, welches die Besucherinnen und Besucher der Spiele mit einer gültigen Eintrittskarte berechtigt, am Spieltag sowie am Vormittag des folgenden Tages (36 Stunden) sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel in der ganzen Schweiz zu benutzen. Das Modell wurde gemeinsam mit der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) entwickelt, die Realisierung in Österreich ist noch offen. Mit dem Fernstrecken- Kombi-Ticket setzt die EURO 2008 neue Massstäbe für die Förderung des öffentlichen Verkehrs bei Sportgrossveranstaltungen.
Aus dem Budget für das EURO 08 Kombi-Ticket wird der Betriebsaufwand für das Regelangebot und die Mehrleistungen für Matchbesucher finanziert. Die Mehrleistungen des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) werden nach Schätzungen der SBB mit CHF 795'000 abgegolten. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einem Einnahmeausfall von CHF 357'000 sowie zusätzlichen Produktionskosten von CHF 438'000 und wird nicht über das Budget EURO 08 Basel, sondern direkt zwischen dem Bund und dem TNW abgerechnet.
6.4.3 ÖV-Betrieb Rahmenprogramme
Die Erfahrung der WM 06 in Deutschland hat gezeigt, dass es nicht genügt, wenn das ÖV-Angebot nur auf die Matchbesucher ausgerichtet wird. Die Perspektive muss eine breitere sein und sämtliche Aktivitäten im Rahmen der EURO 2008 umfassen. Dazu gehören insbesondere die verschiedenen Fanzonen in der Stadt Basel und in der Region, welche während der gesamten Dauer betrieben und besucht werden.
Zur Bewältigung der zu erwartenden Menge Besucher ohne Matchticket wird im TNW-Raum für die sechs Spieltagen mit ÖV-Zusatzleistungen in der Grössenordnung eines Fasnachtstags (Zusatzkosten CHF 230'300 pro Tag) mit Betriebszeiten bis 03.00 Uhr geplant. Für die übrigen 17 Tage, an denen in Basel kein Spiel stattfindet, die Fanzonen aber trotzdem geöffnet sind und bespielt werden, wird von ÖV-Zusatzleistungen in der Grössenordnung eines 31. Juli/Bundesfeier (Zusatzkosten CHF 111'000 pro Tag) mit Betriebszeiten bis 01.00 Uhr ausgegangen. Dies ergibt über die 23 Tage während der EURO 2008 Zusatzaufwendungen von CHF 3'268'800.
Da Fans erfahrungsgemäss für den städtischen Raum selten Einzeltickets lösen, wird für Fan-Besucher von ausserhalb des TNW-Raums die Einführung von speziellen "Besuchertickets" geprüft, mit einer räumlich und zeitlich begrenzten Gültigkeit analog des Kombitickets. Der Preis für das „Besucherticket" wird in Abstimmung mit den andern Host Cities und der SBB festgelegt werden. Für Fan-Besucher aus dem TNW-Raum wird ein entsprechendes TNW-Ticket entwickelt. Aus diesen Ticket-Einnahmen könnte eine Kostendeckung der Zusatzaufwendungen ÖV von maximal 40% erreicht und zugleich ein touristisch interessantes Produkt angeboten werden. Somit belaufen sich die Zusatzkosten auf rund CHF 1'960'000.
Da zwar der Spielplan bekannt ist, nicht aber die Spielpaarungen, welche unmittelbare Auswirkungen auf den Besucherverkehr haben werden, steht der genaue Umfang der ÖV-Zusatzleistungen noch nicht fest. Ebenso bestehen bei den Bedürfnissen im grenzüberschreitenden Verkehr noch Unwägbarkeiten. Die obigen Berechnungen können daher zum heutigen Zeitpunkt noch nicht verifiziert werden und müssen je nach der effektiv zu erwartenden Nachfrage an den Spieltagen angepasst werden. Welche kostenmässigen Auswirkungen dies haben könnte, ist Gegenstand weiterer Abklärungen des Bundes, der Kantone und aller beteiligten Transportunternehmungen. Erst auf der Grundlage von Offerten lassen sich hierzu genauere Angaben machen.
6.4.4 Park & Ride Betrieb
Für die Einrichtung eines Park & Ride Betriebes von den dezentralen Parkräumen ins Stadion und in die Eventzonen sind folgende Aufwendungen notwendig:
| - | Einrichten von P+R-Haltestellen an den P+R-Parkplätzen, |
| - | Einrichten P+R-Haltestellen beim Stadion St. Jakob, |
| - | Betriebs-Aufwendungen P+R-Shuttles zwischen P+R-Parkplatz und Stadion bzw. Eventzonen. |
Diese Aufwendungen verursachen geschätzte Kosten in der Höhe von CHF 615'000.
6.5 Finanzierung und Beiträge Dritter
Das Kombiticket wird durch den Bund, die UEFA/Euro 208 SA und die SBB finanziert. Die Host City Basel wird durch die entsprechenden Beiträge an den TNW um ca. CHF 795'000 entlastet.
Beim Besucherticket bzw. den Zusatzkosten für die Besucherinnen und Besucher der Rahmenprogramme ohne Matchticket wird von einem Kostendeckungsgrad von 40% ausgegangen, was einem Betrag von CHF 1.3 Mio. entspricht.
6.6 Übersicht Budget Öffentlicher Verkehr
| Kosten in Tsd. CHF | Reale Zusatzkosten/-erträge | Anteil BS |
Anteil BL |
Kommentar | ||
| 2007 | 2008 | Total | ||||
| Aufwand | ||||||
| Kategorie B (gemeinsam) | ||||||
| Vorbereitungskosten | 38 | 45 | 83 | 55 | 28 | Auslagen Projektleitung und Transportunternehmungen |
| Fahrgastlenkung- und Information | 320 | 320 | 213 | 107 | ||
| ÖV-Betrieb Rahmen-programme | 1.960 | 1.960 | 1.307 | 653 | Nettokosten (Kostendeckung 40%) | |
| P+R Betrieb | 615 | 615 | 410 | 205 | ||
| Total Aufwand | 38 | 2.940 | 2.978 | 1.985 | 993 | |
| Ertrag P+R-Gebühren beim Individualverkehr aufgeführt, Beiträge der UEFA/Euro 2008 SA und des Bundes an das EURO 08 Kombi-Ticket und die Erträge aus einem Besucher-Ticket sind im Betrag für den ÖV-Betrieb bereits eingerechnet. |
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| Nettoaufwand | 38 | 2.940 | 2.978 | 1.985 | 993 | |
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