Vorlage an den Landrat

3. Das Objekt: Schloss Birseck


Als Bischof Lüthold von Basel 1239 den Hof des Klosters Niedermünster in Arlesheim mit all seinen Besitzungen aufkaufte, wechselte auch der markante Felsen oberhalb des Dorfes seinen Besitzer. Bereits damals dürfte dort eine Burg gestanden haben, wie indirekte Quellen bezeugen. Die neuen Untersuchungen im Jahre 2004 an der Nord- und Südmauer haben zudem gezeigt, dass die ältesten erhaltenen Mauern zahlreiche verbrannte Steine enthalten, die von einem offenbar gänzlich abgetragenen, brandzerstörten Vorgängerbau stammen müssen.


Wie wichtig Schloss Birseck für die Kontrolle des unteren Birstals war, zeigt die Reaktion des wichtigsten Kontrahenten des Bischofs von Basel, des Grafen Ludwig von Frohburg, der den Gütertransfer sogleich anfocht. Erst 1245 gab er seine Ansprüche auf die Birseck auf. Der Bischof hatte in der Zwischenzeit jedoch bereits ganze Arbeit geleistet: Die Analysen der in der Südmauer erhalten gebliebenen Gerüsthölzer haben gezeigt, dass schon im Winter 1243/44 dieses Bauholz gerüstet worden war und man mit umfangreichen Maurerarbeiten begonnen hatte. Der heutige Grundriss der Anlage geht auf diese Zeit zurück. An der Südfassade ist Bischof Lütholds Bau - erkennbar an grossen, zum Teil etwas unförmigen Quadern aus lokalem Korallenkalk - noch über 10 m hoch erhalten. Auch der Mörtel wurde teilweise aus dem Kalkstein des Burgfelsens gebrannt. Zum Teil stammt er - Verunreinigungen zufolge - aber offenbar aus Kalkbrennöfen in der Nähe des Dorfes Arlesheim, die mindestens einen Kilometer entfernt lagen.


In der Folge diente die mächtige Anlage zeitweilig als Bischofsresidenz. Als Lütholds Nachfolger Heinrich von Neuenburg vor dem Papst erscheinen sollte, lud er diesen gar im Gegenzug zu sich auf Schloss Birseck ein. Die Zerstörungen durch das Erdbeben von Basel im Jahre 1356 erschwerten schliesslich das Leben auf der Burg. Zwar lassen sich bis heute keine Spuren direkt mit dem Ereignis in Verbindung bringen, aber vielleicht gehen mehrere fast vertikale Risse in der Südfassade darauf zurück. Auch Teile der Ostfassade scheinen damals zu Schaden gekommen zu sein. Wie so oft bei Erdbeben könnten aber die Zerstörungen durch nachfolgende Feuersbrünste verheerender gewesen sein, denn fast die Hälfte der anschliessend wieder verwendeten Bausteine weisen deutliche Brandspuren auf.


Nach dem Erdbeben fehlte das Geld für eine nachhaltige Sanierung. Man versuchte sich zeitweilig mit Verpfändungen zu helfen. Erst aus dem 15. Jahrhundert sind wieder Baumassnahmen fassbar, die auf Bischof Friedrich zu Rhein zurückgehen könnten. Damals scheinen vor allem die zinnenbekrönten Obergeschosse neu aufgeführt worden zu sein, so wie sie auf der ältesten Darstellung der Schlacht von Dornach im Jahre 1499 überliefert sind. Zu neuer Blüte gelangte Schloss Birseck schliesslich zu Beginn des 17. Jahrhunderts: Im Jahre 1610 wurden die Toranlage vergrössert und der Wohntrakt an der Südmauer von zwei auf drei Geschosse erhöht. Diese Erhöhung ist an den schlankeren Mauern und den grossen Fensteröffnungen - zum Teil mit erhaltenen Gewänden aus Buntsandstein - noch heute deutlich ablesbar. Die Mauersteine sind zudem kleinteiliger und stammen mehrheitlich nicht mehr vom Schlossfelsen selber, sondern vermutlich von einem Steinbruch etwas oberhalb des Schlosses.


Weitere Veränderungen wie der Bau der Schlosskapelle im Jahre 1626 oder der Ersatz der Zugbrücke durch die heutige steinerne Bogenbrücke um 1763 folgen. Doch die Geschichte von Schloss Birseck ist damit nicht zu Ende. Im Jahre 1793, am Ende des "Ancien Régime", plünderten Bauern die Birseck und steckten sie in Brand. Danach wurde sie zum "Nationalgut" erklärt und diente als Steinbruch. Auch diese Ereignisse hinterliessen am Mauerwerk deutliche Spuren. Erst Conrad von Andlau, Sohn des letzten Landvogts, und Domherr Heinrich von Ligertz setzten dem Treiben ein Ende, indem sie die Anlage kauften, Turm und Schlosskapelle im romantisch-neogotischen Stil wieder instand setzten und den westlichen Bering mit Zinnen und Wehrgang versahen. Auch die Südfassade im Bereich des abgebrannten Wohnhauses erhielt einen Zinnenkranz. 1812 schliesslich wurde die so "gepflegte" Ruine in den bestehenden Landschaftsgarten Ermitage integriert. Gerade dieses kunstvolle Ineinandergreifen von be-stehender mittelalterlicher Ruine und der historisierenden Neugestaltung zu Beginn des 19. Jahrhunderts macht Schloss Birseck als sinngebendes Zentrum des Landschaftsgartens zu einem bedeutenden und repräsentativen Vertreter der "Ritterromantik".


Aufgrund der grossen kulturgeschichtlichen Bedeutung des Landschaftsgartens Ermitage und von Schloss Birseck besteht ein erhebliches öffentliches Interesse an der längerfristigen Erhaltung dieses einzigartigen Kulturgutes.



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