Vorlage an den Landrat


4. Teilziele der Faktor 4-Initiative sind richtig: sie können aber nicht im kantonalen Alleingang erreicht werden

Die Initiative enthält in Ziffer 1 zwei konkrete quantitative Endenergieverbrauchsziele für die Jahre 2010 und 2050:


Würden nach Ablauf der festgelegten Fristen die Ziele nicht erreicht, bestünden keine Sanktionsmöglichkeiten. Die von der Initiative vorgegebenen Ziele wären höchstens für den Gesetzgeber und den Regierungsrat eine politische Verpflichtung.


Auf diese zwei Ziele sei hier kurz eingegangen:


Die letzte publizierte kantonale Energiestatistik 1990-2000, die eidgenössischen Energiestatistiken und die letzten kantonalen Energieprognosen zeigen, dass der Endenergieverbrauch auch in unserem Kanton immer noch zunimmt. Für das Jahr 2000 betrug gegenüber 1995 die Zunahme 2,3%, gegenüber 1990 +6,5%. Die Zunahme hat sich damit in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gegenüber der ersten Hälfte der 1990er Jahre abgeschwächt. Dazu hat aber massgeblich das im Jahr 2000 mildere Klima beigetragen.


Die im Zehnjahresvergleich höchsten Zuwachsraten sind bei den Treibstoffen (+16%) und bei der Elektrizität (+11%) zu verzeichnen. Der Verbrauch von Brennstoffen aller Art für die Erzeugung von Wärme hat demgegenüber nur moderat um 0,9% zugenommen. obwohl der Gebäudebestand - und damit der Bedarf an Wärme - in den betrachteten 10 Jahren um rund 12% grösser geworden ist. Durch die Massnahmen im Bereich Energieeffizienz der Bauten gelang es, den Wärmeverbrauch also bei vergrössertem Volumen fast konstant zu halten.


Vom gesamten Bruttoenergieverbrauch (Wärme, Elektrizität, Treibstoffe) im Kanton Basel-Landschaft von 8'203 GWh im Jahr 2000 beträgt der Anteil an erneuerbaren Energien 17,3%. (Zum Vergleich: der gesamte erneuerbare Anteil am schweizerischen Energieverbrauch betrug im Jahre 2003 16,3%.) Von den 17,3% stammen 9,4% aus der von ausserkantonalen Quellen bezogenen Elektrizität aus Wasserkraft und 7,9% aus 644 kantonalen Produktionsanlagen.


In die weiteren Betrachtungen werden aber nur die im Kantonsgebiet selbst genutzten resp. umgewandelten erneuerbaren Energien einbezogen.


Insgesamt wurden im Jahr 2000 (neuere Zahlen liegen nicht vor) um 189 GWh mehr erneuerbare Energieträger genutzt als 10 Jahre zuvor. Dies entspricht einer prozentualen Steigerung von 41,5%.


In absoluten Zahlen am gewichtigsten ist der Mehrertrag der Wasserkraftwerke von 98 GWh, also die Hälfte des gesamten Mehrertrags. Auch die Nutzung der Holzenergie wurde in den vergangenen 10 Jahren kontinuierlich ausgedehnt, so dass im Jahr 2000 37 GWh mehr Energie aus diesem Energieträger gewonnen wurden.


Die prozentual höchsten Steigerungsraten sind bei den übrigen erneuerbaren Energieträgern, deren Nutzung sich erst in der jüngsten Vergangenheit zu entwickeln begonnen hat, zu beobachten. Ihr Anteil am Gesamtverbrauch erneuerbarer Energien bleibt zwar gegenüber den zuvor erwähnten Energieträgern Wasserkraft und Holz bescheiden, er hat sich aber in den letzten 10 Jahren von 6,9% auf 13,3% fast verdoppelt. Der gewichtigste dieser Energieträger ist mittlerweile die Umweltwärme, die mittels Wärmepumpen gewonnen wird. Deren Ertrag hat sich in den betrachteten 10 Jahren von 20 GWh auf 48 GWh mehr als verdoppelt. Mehr als vervierfacht hat sich die direkte Nutzung der Sonnenenergie, die zum überwiegenden Teil mit Kollektoren zur Gewinnung von Wärme praktiziert wird. Ihr Beitrag bleibt aber mit einer Jahresausbeute von 9 GWh bescheiden, er beträgt nur gerade 1% der Gesamtnutzung der erneuerbaren Energien. Sowohl bei den Wärmepumpen als auch bei den Sonnenkollektoren ist aber das vorhandene Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, so dass weiterhin mit hohen Wachstumsraten zu rechnen ist.


Klär- und Deponiegas schliesslich tragen 4% zur Nutzung erneuerbarer Energien bei. Sie werden zur Erzeugung von Wärme, in geringerem Umfang auch von Elektrizität, eingesetzt.


Die oben genannten Teilziele der Initiative werden voraussichtlich nicht erreicht, vor allem deshalb, weil der Treibstoff- und Elektrizitätsverbrauch von den Fortschritten auf eidgenössischer und europäischer Ebene beeinflusst wird.



Fortsetzung >>>
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