Vorlage an den Landrat


3. Leistungsprofil UKBB

3.1 Leistungsvereinbarung als Grundlage


Die Trägerkantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt haben die kinder- und jugendmedizinische Spitalversorgung für ihre Einwohnerinnen und Einwohner sicherzustellen. Sie übertragen diese Aufgabe im Rahmen einer Leistungsvereinbarung 1 mit dazugehörigem Leistungsbeschrieb 2 und Leistungsauftrag 3 an das UKBB. Rechtliche Grundlage für diesen Schritt bilden die Spitalgesetze der beiden Kantone und der Staatsvertrag zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt über das UKBB vom 16.2.1998 (Kinderspitalvertrag).


Im Februar 2005 haben der Landrat (24.02.05) und der Grosse Rat (23.02.05) die im November 2004 von den beiden Regierungen genehmigten Globalbeiträge für die Jahre 2005 und 2006 inkl. Leistungsauftrag zugestimmt.


Im Hinblick auf die Realisierung eines Neubaus UKBB sind der langfristige Bedarf nach kinder- und jugendmedizinischer Spitalversorgung v.a. in den beiden Kantonen und die im Interesse der Kinder notwendigen Positionierung des UKBB zu berücksichtigen.


Der derzeit aktuelle Leistungsbeschrieb gibt bereits in hohem Masse die langfristig zu verfolgenden Ziele und Aufgaben des UKBB wieder. Die hauptsächlichen Ergänzungen aus der langfristigen Perspektive sind die Aufhebung der beiden Standorte zugunsten eines Neubaus in Basel und die erweiterten Kooperationen mit dem USB (vgl. dazu Ziff. 5).




3.2 Langfristige Änderungen im Leistungsauftrag


Das UKBB wird auch in Zukunft ein selbständiges Spital (öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit) mit eigenem Leistungsauftrag sein. Der langfristige Leistungsauftrag wird sich vom geltenden Leistungsauftrag beim Leistungsumfang (Anzahl Pflegetage, Anzahl Behandlungen usw.) und bei den Kooperationen unterscheiden. Nur punktuelle Änderungen sind dagegen beim Leistungsangebot zu verzeichnen.


Langfristig sind hauptsächlich folgende Änderungen im Leistungsangebot vorgesehen:




3.3 Leistungsumfang in der stationären Versorgung


3.3.1 Leistungsdaten der stationären Versorgung


In den letzten vier Jahren wies die stationäre Versorgung folgende Leistungsdaten aus:




Nachdem in den beiden ersten Jahren 1999 und 2000 des UKBB ohne Berücksichtigung der Rehabilitation rund 33'000 Pflegetage erbracht wurden (vgl. Parlamentsvorlage zum Vorprojekt-Kredit), erhöhte sich diese Zahl sukzessive in den darauf folgenden Jahren. Als bisheriger Höhepunkt wurden im Jahre 2004 knapp 39'500 Pflegetage ohne den Bereich Rehabilitation gezählt.


Diese Werte bringen klar zum Ausdruck, dass sich das UKBB nach einer schwierigen Anfangsphase in den ersten zwei bis drei Jahren inzwischen etabliert hat. Erwähnenswert ist zudem, dass alle medizinischen Bereiche an diesen Zuwachs beigetragen haben. Die mittlere Aufenthaltsdauer der stationär behandelten Fälle konnte in den letzten Jahren nicht weiter gesenkt werden und pendelte sich bei einer Grösse von etwa 6,75 Tagen ein.


Die folgenden Tabellen zeigen für die Jahre 2001 (Basis für die Planung in der Parlamentsvorlage zum Vorprojekt-Kredit im Jahre 2002) und 2004 auf, woher die im UKBB stationär behandelten Patientinnen und Patienten stammen und wie die entsprechende Bettenverteilung aussieht:




In den beiden beobachteten Jahren deckten die Trägerkantone BS und BL rund 72% der Fälle ab. In der Vergleichsperiode hat der Anteil der Pflegetage für Baselbieter Patientinnen und Patienten von 43% auf 39% abgenommen. Dies ging einher mit einer erheblichen Zunahme der Anteile Pflegetage der Patientinnen und Patienten aus den restlichen Kantonen der Nordwestschweiz und aus dem Ausland.




3.3.2 Szenarien


Bereits in der ersten Parlamentsvorlage für den Vorprojekt-Kredit wurde anhand einer Szenario-Methode versucht, den langfristigen Bedarf an Bettenkapazitäten zu bestimmen. Dafür wurden verschiedene Annahmen über die künftige Entwicklung getroffen. Die wesentlichen Einflussfaktoren für die Anzahl Fälle und Pflegetage sind insbesondere die demografische Entwicklung, die medizinische Entwicklung mit ihrem Einfluss auf die mittlere Aufenthaltsdauer im Spital, die Konzentration der Dienstleistungen an zentraler Lage, die Anziehungskraft eines Neubaus sowie die Verlagerung der stationären auf die teilstationären und ambulanten Behandlungen.


Die genannten Faktoren können sich - je nach Entwicklung - auf die Anzahl stationär behandelter Fälle und Anzahl Pflegetage verstärkend (nach unten oder nach oben) oder gegenseitig kompensierend auswirken. Deshalb wurde in der Planung mit Szenarien gearbeitet, um den künftigen Bedarf abschätzen zu können. In der letzten Parlamentsvorlage wurde die künftige Entwicklung in drei möglichen Szenarien abgebildet:


Das Szenario Wachstum ging davon aus, dass sich alle Einflussfaktoren dermassen entwickeln, dass sie sich mengenmässig positiv auf die Anzahl Fälle und Pflegetage auswirken würden.


Beim Szenario Schrumpfung lauteten die Annahmen, dass die Entwicklung aller Einflussfaktoren zu einer erheblichen Abnahme der Anzahl Fälle und Pflegetage führen würde.


Das Szenario moderate Entwicklung stellte einen möglichen Mittelweg zu den beiden anderen eher extremen Szenarien dar. Dieses Szenario entsprach mit seinen Annahmen am ehesten den erwarteten Entwicklungen. Die prognostizierten Entwicklungen wurden wie folgt festgelegt:


Szenario `Moderate Entwicklung`: Erwartete langfristige Entwicklungen

Im Jahre 2002 ging die Planung bei den drei verschiedenen Szenarien von folgenden Entwicklungen bei der Anzahl Pflegetage gegenüber 2001 aus: Das Szenario Moderate Entwicklung wies in der langen Frist rund 5'000 stationäre Fälle und rund 32'000 Pflegetage für das UKBB aus. Dies entsprach einer Abnahme von etwa 15% bei den Pflegetagen gegenüber 2001. Im Vergleich dazu resultierte beim Szenario Wachstum ein Nullwachstum und beim Szenario Schrumpfung eine Reduktion von 30% bei den Pflegetagen gegenüber 2001.


Die effektive Entwicklung in den darauffolgenden Jahren 2002 bis 2004, also in der mittleren Frist, übertraf jedoch sogar die Annahmen des Szenarios Wachstum deutlich. Statt einer kontinuierlichen Abnahme der Anzahl Pflegetage - bis 2009 sollte es gemäss den Szenarien Moderate Entwicklung und Schrumpfung zu einer Abnahme der Anzahl Pflegetage von 15 bis 30% kommen - erfolgte im 2004 eine prozentuale Zunahme von über 12% gegenüber 2001.


Diese Entwicklung lässt den Schluss zu, dass das UKBB in der Zwischenzeit als Kompetenzzentrum für die Kindermedizin in der Region und darüber hinaus anerkannt ist und deshalb auch bedeutend weniger Kinder als früher in Erwachsenenspitälern stationär behandelt werden. Das UKBB weist auch ohne Neubau heute schon eine hohe Anziehungskraft auf, sogar über die Kantonsgrenzen hinaus. Es bleibt jedoch zu beachten, dass die Szenarien auf Annahmen über Entwicklungen basieren, die erst langfristig, d.h. ab 2010, sich verstärkt auf die Anzahl Pflegetage auswirken werden. Insbesondere die demografische Entwicklung (abnehmende Kinderzahlen in der Nordwestschweiz) und die zunehmende Möglichkeit von teilstationären und ambulanten Behandlungen werden langfristig den Bedarf an stationärer Versorgung senken.




3.3.3 Einzuplanende Bettenkapazitäten


Die bisherige Planung, basierend auf dem Szenario Moderate Entwicklung, ging von einer notwendigen Bettenkapazität - bei Verzicht auf die Rehabilitation - von insgesamt 116 Betten aus:

Die Neonatologie-Station wurde zusammen mit der Sanierung des Klinikums 1 West des USB bereits erstellt und ist seit April 2003 in Betrieb. Die 16 Betten der Neonatologie sind somit nicht im Raumprogramm des Neubaus zu berücksichtigen.


In den Jahren 2002 bis 2004 betrug im UKBB die durchschnittliche Bettenauslastung ohne Berücksichtigung der Rehabilitation 85% 5 . Dieser Wert ist für ein Kinderspital besonders hoch, da es für ein Kinderspital aus folgenden Gründen schwierig ist, eine ähnliche durchschnittliche Bettenauslastung wie ein Erwachsenenspital erzielen zu können:

Ausgehend von der aktuellen Situation - mit 129 Betten, einer mittleren Anzahl von 38'600 Pflegetagen und somit mit einer mittleren Bettenauslastung von rund 85% für die Jahre 2002 bis 2004 - liessen sich beim Szenario Moderate Entwicklung mit 116 Betten noch 35'800 Pflegetage erbringen, was einer prozentualen Lücke zu heute von 7,3% entspricht. Diese leichte Unterversorgung ist aus heutiger Sicht akzeptierbar, da wie unter Ziff. 3.3.2 dargelegt wurde, noch gewisse Entwicklungen (Demographie und Verlagerung in die teilstationäre und ambulante Versorgung) zu erwarten sind, welche den Bettenbedarf langfristig senken werden.


Die aktuelle Entwicklung fordert jedoch eindeutig eine Orientierung der Bauplanung am Szenario Moderate Entwicklung. Eine stationäre Versorgung am UKBB mit weniger als 116 Betten insgesamt bzw. 100 Betten im Neubau hätte gewichtige nachteilige Konsequenzen:

Falls sich mittel- bis langfristig entgegen den Erwartungen die Notwendigkeit eines Ausbaus ergeben würde, wäre eine Erweiterung des Gebäudes mit einem zusätzlichen Geschoss möglich. Diese Option wurde im statischen Konzept berücksichtigt (vgl. Ausführungen unter Ziff. 6.3.5).




3.4 Leistungsumfang in der teilstationären Versorgung


Wie in verschiedenen Bauplanungen für Kinderspitäler im In- und Ausland ist die teilstationäre Versorgung ein Bestandteil des integralen Behandlungskonzeptes auch in der Neubauplanung des UKBB. Ziel ist es, dass für die Behandlungen optimale personelle und infrastrukturelle Bedingungen vorliegen. Dabei ist es aus folgenden Gründen zwingend, dass eine tagesklinische Einrichtung in unmittelbarer Nähe zu einer stationären Einheit liegt:

Es bestehen gesellschaftliche und ökonomische Forderungen nach mehr teilstationären Behandlungen. So ist es für die ganze Familie von grosser Erleichterung, wenn das behandelte Kind noch am selben Tag nach Hause gehen kann. Zudem wird die medizinische und medizintechnische Entwicklung künftig dazu beitragen, dass medizinische Eingriffe vermehrt nur noch einen kurzen Spitalaufenthalt nach sich ziehen. Es kann daher grundsätzlich von einer teilweisen Verlagerung von den stationären zu den teilstationären Behandlungen ausgegangen werden.


Aktuell werden im UKBB rund 2'000 tagesstationäre Behandlungen jährlich erbracht und teilweise aus räumlichen Gründen auf den Stationen untergebracht. Wie die folgenden Tabellen über die Berichtsjahre 2001 und 2004 aufzeigen, hat sich die erwartete Entwicklung zur steigenden Anzahl tagesstationärer Behandlungen noch nicht in Zahlen niedergeschlagen. Auch die Verteilung der Fälle nach dem Wohnort unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen den Berichtsjahren.

Übereinstimmend mit dem generellen medizinischen Trend zur vermehrten teilstationären Behandlung wird im UKBB langfristig mit einer substantiellen Erhöhung von 1'000 tagesklinischen Behandlungen gegenüber heute gerechnet. Deshalb wird im Neubau Raum geschaffen für rund 3'000 teilstationäre Behandlungen. Im Verhältnis zur zahlenmässig bedeutsamen Entwicklung der zunehmenden teilstationären Versorgung, die beispielsweise in anderen europäischen Ländern und in den USA klar erkennbar ist, stellt sich diese prognostizierte und geplante Zunahme beim UKBB als moderat dar.




3.5 Leistungsumfang in der ambulanten ärztlichen Versorgung


Wie bei der teilstationären wird künftig auch bei der ambulanten Versorgung mit einem hohen Bedarf gerechnet: Die medizinische Entwicklung dürfte zahlreiche ambulante Behandlungen anstelle der stationären Versorgung ermöglichen.


Es bestehen gute Gründe für die räumliche Integration der ambulanten Versorgung in einem Spital. Als Zentrumsspital für die Kindermedizin deckt das UKBB mit Topspezialisten medizinische Spezialgebiete ab, die sonst in der Region nicht angeboten würden. Die Patientenzahlen in diesen Spezialgebieten fallen jedoch in hohem Masse im ambulanten Bereich an und diese tragen dazu bei, die hohe Qualität in den einzelnen Spezialgebieten zu sichern.


Auch betriebswirtschaftlich macht die Integration von Polikliniken in Spitälern Sinn. Die vorhandenen ärztlichen und infrastrukturellen Ressourcen können und sollen bestmöglich - sowohl für die stationäre als auch für die teilstationäre und ambulante Versorgung - genutzt werden. Die ambulanten Leistungen sind zudem in einem hohen Grade steuerbar. Mit einem guten Management, einer optimalen Raumanordnung und optimalen Arbeitsprozessen tragen diese Leistungen wesentlich zu einem guten Betriebsergebnis bei.


Vor drei Jahren ging die langfristige Planung gemäss der Parlamentsvorlage für den Vorprojekt-Kredit von rund 70'000 ärztlichen Konsultationen pro Jahr aus. Entsprechend ist das Raumprogramm für den Neubau für die Erbringung von rund 70'000 Konsultationen pro Jahr konzipiert. Im Jahre 2004 wurden rund 62'000 ärztliche Konsultationen erbracht, wobei der Trend auf eine weitere Zunahme für die nächsten Jahre hinweist. Im Jahre 2001 wurden ebenfalls rund 62'000 ärztliche Konsultationen geleistet; eine Gliederung nach Wohnort der behandelten Kinder ist für das Jahr 2001 wegen fehlendem statistischem Material nicht möglich.


Ambulante ärztliche Leistungen im Jahre 2004


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Fussnoten:


1 Die Leistungsvereinbarung regelt die Beziehungen zwischen den Trägerkantonen und dem UKBB. Zu diesem Zwecke enthält sie Grundsätze über die Leistungspflicht, die Finanzierung und Leistungsabgeltung durch die beiden Trägerkantone, die Investitionen und Investitionsbeiträge der Trägerkantone, die Tarifierung u.a.


2 Im Leistungsbeschrieb werden die Unternehmensziele des UKBB, die Versorgungsstufe (Grundversorgung / zentrumsmedizinische Versorgung / spitzenmedizinische Versorgung), die Aufgaben, die Strukturen sowie die Prozesse und das grobe Leistungsangebot beschrieben.


3 Im Leistungsauftrag werden das Leistungsangebot detailliert aufgelistet und nähere Angaben zur Versorgungsstufe, zum Leistungsumfang (Anzahl Pflegetage, Anzahl Behandlungen usw.) und zu Kooperationen gemacht.


4 Baselbieter Kinder mit einer Schwerstbehinderung können in das Sonderschulheim eintreten, da eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Basel-Landschaft besteht. Innerkantonal platziert BL ähnliche Fälle im Zentrum auf der Leiern (Gelterkinden) und im Sonnenhof (Arlesheim).


5 Berechnung Bettenauslastung = Anzahl Pflegetage / Anzahl betriebene Betten ohne Rehabilitation / 365 Tage