Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Postulat 2003-020 vom 23. Januar 2003 von Sabine Pegoraro betreffend besserer Vernetzung bei der Bekämpfung von Jugendgewalt und Jugendkriminalität | |
| vom: | 12. Oktober 2004 | |
| Nr.: | 2004-251 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
1. Ausgangslage
Wie im Postulat zurecht festgehalten wird, ist Jugendgewalt und Jugendkriminalität ein vielschichtiges Problem, welches auf verschiedenen Ebenen angegangen werden muss. Jugendkriminalität und Jugendgewalt liegen nicht nur entwicklungspsychologische, soziale und kulturelle, sondern auch gesellschaftspolitische Komponenten zugrunde. In mancherlei Hinsicht spiegelt sich in den Problemen Jugendlicher die Welt der Erwachsenen, in der in den letzten Jahren auch eine kontinuierliche Zunahme von Gewalt festzustellen ist. Allerdings ist es gerade im Bereich der Jugenddelinquenz sehr schwierig, deren effektive Entwicklung genau festzustellen. Einerseits hat die Medienpräsenz des Themas einen hohen Stellenwert eingenommen, so dass diese Problematik wesentlich stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt ist, als dies noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Daneben ist es kaum möglich, die tatsächliche Entwicklung der Jugendgewalt festzustellen. Das Anzeigeverhalten hat sich inzwischen - nicht zuletzt dank diesbezüglicher Bemühungen der Jugendanwaltschaft - positiv verändert. Die Geschädigten werden vermehrt dazu angehalten, Straftaten zu beanzeigen. Generell besteht in der heutigen Gesellschaft zunehmend die Tendenz, bei Konflikten staatliche Stellen einzuschalten. Gleichzeitig wurden in den letzten Jahren die polizeilichen Anstrengungen in diesem Bereich durch die Schaffung der Jugendsachbearbeiterstellen wesentlich intensiviert, so dass auch mehr und mehr Straftaten von Minderjährigen aufgeklärt werden. Je mehr aber Straftaten von Jugendlichen aufgeklärt werden und diesbezügliche Erfolgsmeldungen in den Medien präsentiert werden, desto mehr bleibt in der Bevölkerung das Gefühl zurück, dass die Jugendkriminalität stetig ansteige und man dagegen je länger desto mehr machtlos sei.
Jugendkriminalität hat vielfache Ursachen, wobei staatliche Fachstellen die Entstehung von deviantem, d.h. massiv von der sozialen Norm abweichendem Verhalten nur bedingt verhindern können.
1.1. Wirtschaft und Gesellschaft
Es ist offensichtlich, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen einen spürbaren Einfluss auf die Entwicklung von Jugendkriminalität haben. Die in den letzten Jahren steigende Zahl der Arbeitslosen und jener jungen Menschen, die Mühe haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, hat dazu beigetragen, dass Delikte Minderjähriger zugenommen haben. Obwohl dies aufgrund unseres ausgebauten Sozialstaates kaum auf effektive wirtschaftliche Notsituationen zurückzuführen ist, hat diese Entwicklung doch insofern spürbare Auswirkungen auf Jugendliche, als deren Selbstwertgefühl und Zukunftseinschätzungen aus ihrer subjektiven Sicht besorgniserregend angeschlagen sind. Diese "No future-Stimmung", verbunden mit einer auch vielfach negativen Stimmung in ihrem Umfeld, lässt manche Jugendliche vermehrt Zuflucht in Gewaltausbrüchen oder Drogenkonsum finden. Vollbeschäftigung, wirtschaftliches Wachstum, eine optimistische, zukunftsorientierte Grundstimmung in der Gesellschaft dürften sich auch in der Entwicklung von deliktischem Verhalten Minderjähriger und Erwachsener positiv auswirken.
1.2. Elternhaus
Die Hauptverantwortung für das Verhalten unserer Kinder und Jugendlichen tragen - neben den Betroffenen selber - hauptsächlich ihre Eltern als engste Bezugspersonen und Inhaber der elterlichen Sorge. Diese Kernverantwortung kann von den Eltern nicht an staatliche Stellen resp. die Schulen abgetreten werden. Die Liebe und Zuwendung der Eltern zu ihren Kindern, ihre Präsenz und ihre Erziehungsverantwortung, zu dem auch das Setzen von Grenzen und Leitplanken gehört, legt die Basis für alles spätere Verhalten. Dieser Verantwortung sollten sich die Väter und Mütter bewusst sein, und dabei auch die Zeit einsetzen, die es braucht, um Kinder zu begleiten.
Familien können aufgrund von vorübergehenden oder permanenten Belastungen in Krisen geraten, welche unter anderem das Gewalt- und Suchtpotenzial der Familienmitglieder erhöhen können. Die finanzielle Knappheit im Familienhaushalt kann zu psychischen Belastungen der Eltern und zu Spannungen in der Partnerschaft führen. In Bezug auf die Erziehungsaufgaben der Eltern kann eine geringe Ansprechbarkeit der Eltern und mangelnde Unterstützung der Kinder resultieren.
Dort, wo die familiären Ressourcen geschwächt sind oder nicht genügen, soll es - im Rahmen der vorhandenen finanziellen Ressourcen - auch möglich sein, notwendige Unterstützungen von aussen zu erhalten. Dies beginnt bei der Elternberatung, an Mittagstischen, in der Gesundheitsförderung im Frühbereich, bei der Unterstützung von Tagesplätzen für Kleinkinder sowie bei der Bereitstellung von Angeboten für eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit. Unterstützung und Entlastung umfassen den ganzen Bereich der Familienpolitik.
Die Fachstelle für Familienfragen hat das Gesamtkonzept "Familienfragen Basel-Landschaft" erstellt, welches das Leitbild sowie die Handlungsfelder der kantonalen Familienpolitik beinhaltet. Das Gesamtkonzept mit den darin empfohlenen Massnahmen ist am 21. September 2004 vom Regierungsrat genehmigt worden.
Junge Menschen orientieren sich weitgehend am Verhalten ihrer Umwelt, insbesondere ihrer engsten Bezugspersonen. Wir alle müssen uns demzufolge unserer eigenen Wirkung als Vorbild - im Guten wie im Schlechten - bewusst sein. Die Welt der Jugendlichen ist in vielfacher Hinsicht ein Spiegelbild der Erwachsenenwelt. Viele Kinder und Heranwachsende leiden in den Familien unter den Problemen ihrer Eltern und Umgebung, seien dies Beziehungsprobleme, Trennungserfahrungen, Sucht- oder Schulprobleme oder Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt.
Eine der schwierigsten Herausforderungen für Behörden ist es "an die Eltern heran zu kommen". Viele Dinge ereignen sich in einem privaten Umfeld, welches äusserem Einblick und äusserer Einflussnahme weitgehend entzogen bleibt. Was bleibt ist die Schaffung von Informations-, Beratungs-, und Unterstützungsangeboten für Erziehende sowie das behördliche Eingreifen in Fällen von akuten Krisen. Im Bereich der Jugenddelinquenz sind vielfach kommunale Vormundschaftsbehörden und Schulen, wo in aller Regel der erste Kontakt des Kindes zur Aussenwelt erfolgt, involviert. Im Suchtbereich wurden in den letzten Jahren, insb. im Zusammenhang mit der immer dramatischer sich auswirkenden Cannabisproblematik, von der Drogenberatung Baselland zusätzliche Beratungsangebote für Eltern und ihre Kinder geschaffen. Im Gewaltbereich gibt es neben den Hilfestellungen und Interventionen der Jugendanwaltschaft und der JugendsachbearbeiterInnen Beratungsangebote der Opferhilfestellen sowie der Kinderschutzgruppe. Im vergangenen Jahr schuf die Jugendanwaltschaft Baselland die erste Homepage (www.jugendanwaltschaft.bl.ch) der Schweiz zum Thema "Jugendkriminalität und die damit verwandten Themen", um ihre Arbeit sowie die Unterstützungsangebote möglichst vielen zugänglich zu machen.
1.3. Schulen
Neben dem Elternhaus ist die Schule der Ort, an welchem Kinder ihre ersten sozialen Erfahrungen sammeln und dort die meiste Zeit mit Erwachsenen und Gleichaltrigen verbringen. Hier sind die bereits bestehenden Aktivitäten der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) in Richtung der gesundheitsfördernden Schulen von wesentlicher Bedeutung. Obwohl die Vermittlung von Wissen weiterhin die Hauptaufgabe der Schule darstellt, besteht auch ein klares Bekenntnis eines Erziehungsauftrages für die Schulen in unserem Kanton. Es ist das Ziel, die Schüler und Schülerinnen zu sozial verantwortlich handelnden Menschen zu erziehen. Dabei können auch die neu geschaffenen Schulsozialdienste einen wesentlichen Beitrag leisten. Ein Ausbau dieser Dienste wird angestrebt, so dass künftig alle Schulen von dieser Institution profitieren können.
Fortsetzung >>>
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