Vorlage an den Landrat
| Geschäfte des Landrats || Parlament | Hinweise und Erklärungen |
Vorlage an den Landrat |
|
| Titel: | Beitrag des Kantons Basel-Landschaft an die Tram- und Busdepoterweiterung Hüslimatt der BLT Baselland Transport AG, Oberwil | |
| vom: | 21. September 2004 | |
| Nr.: | 2004-233 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
3. Begründung des Depotbedarfs
3.1 Ausgangslage
Die BLT verfügt heute über zwei Tramdepots und eine Busgarage:
- Hauptdepot Hüslimatt in Oberwil (Erstellungsjahr: 1983)
- Depot Ruchfeld in Münchenstein (Erstellungsjahr: 1994)
- Busgarage in Oberwil (Erstellungsjahr: 1994)
Die beiden Tramdepotanlagen Hüslimatt und Ruchfeld sind heute bereits überbelegt. Die Depotkapazitäten reichen seit längerem nicht mehr aus, die Fahrzeuge gedeckt unterzustellen. 14 Gelenktriebwagen werden im Depot Ruchfeld regelmässig im Freien abgestellt und müssen mit aufwändigen Manövern frühmorgens zu Kompositionen zusammen gestellt werden. Im Winter müssen sie vor dem Einsatz aufgeheizt werden. Öfters werden die im Freien abgestellten Tramfahrzeuge von Vandalen und Sprayern beschädigt. Die heutige Unterkapazität zur Remisierung der Fahrzeuge wird dadurch aufgefangen, dass 8 Fahrzeuge auf den Umfahrungsgleisen, in den Waschanlagen oder in den alten Remisen abgestellt werden. Diese Remisen werden in den nächsten 5 - 10 Jahren infolge der kommunalen Planungen aufgehoben.
In der Planung des Tramdepots Ruchfeld wurden ursprünglich Abstellreserven für Taktverdichtungen der Linien 10 und 17 eingerechnet. Diese wurden in den letzten zehn Jahren durch die Übernahme von 30 Gelenkwagen der Linie 11 von den BVB, den Einbau von 31 zusätzlichen Niederflurteilen ("Sänften"), den Ersatz der alten B3-Anhänger durch längere B4-Anhänger und durch die Übernahme von 7 Düwag-Trams von den BVB zur Verstärkung der Linie 11 mit der Einsatzlinie E11 aufgebraucht.
Einerseits ist es hoch erfreulich, dass die eingeplanten Kapazitätsreserven in den Depots so schnell sinnvoll und produktiv genutzt werden konnten, auf der anderen Seite fehlen deshalb heute Einstellflächen für die nötige BLT-Tramersatzbeschaffung und anstehenden Taktverdichtungen aufgrund des anhaltenden Fahrgastwachstums.
Zunahme der Transportleistungen der BLT (1995-2002):
| BLT-Tramlinie | beförderte Fahrgäste 1995 | beförderte Fahrgäste 2002 | Zuwachs in % |
| Linie 10 Rodersdorf-Dornach | 10'970'188 | 14'157'041 | 29 |
| Linie 11 Aesch- Basel St. Louis Grenze | 13'159'083 | 19'220'180 | 46 |
| Linie 17 Ettingen-Basel Wiesenplatz | 1'925'504 | 2'254'709 | 17 |
Auch das 1994 erbaute Busdepot am gleichen Standort in Oberwil ist bereits zu klein. Die Übernahme der Buslinie 37 von den BVB im Herbst 1999 und das im 4. Generellen Leistungsauftrag 2001 - 2005 stark ausgebaute Busangebot mit der neuen Tangentialbuslinie 60 sowie Taktverdichtungen auf der Linie 64 haben den Bedarf an Garageraum ansteigen lassen. So müssen bereits heute in der Nachbarschaft vier ungedeckte Busabstellplätze zugemietet werden.
3.2. Beschaffungskonzept für Schienenrollmaterial
Die bestehenden BLT-Trams wurden zwischen 1971 und 1979 beschafft. Im Laufe der Jahre wurde dieses Rollmaterial durch verschiedene Massnahmen, wie Einbau von Niederflurteilen, Ausrüstung mit einem Fahrgastinformationssystem und Aufwertung des Innenausbaus, auf modernem Stand gehalten und durch verschiedene, günstige Occasionszukäufe (Düwag, Tramanhänger) ergänzt. Die technische Lebensdauer des BLT-Rollmaterials wird bald erreicht sein. Der BLT-Verwaltungsrat hat deshalb Ende 2003 ein Beschaffungskonzept erarbeitet und verabschiedet.
Das BLT-Tramneubeschaffungs-Konzept deckt einen Zeithorizont von 30 Jahren ab. Die BLT geht davon aus, dass die Verkehrszunahme im Leimen- und Birstal anhalten wird. Das zusätzliche Fahrgastaufkommen kann mit einer Taktverdichtung der Tramlinien 10 und 17 von 10 Minuten auf 71/2 Minuten auf den heutigen Trassen bewältigt werden. Daraus ergibt sich folgende Beschaffungs-Philosophie:
- Hauptlinien (Einsatz täglich 20 Stunden):
Auf den Hauptlinien 10 und 11 werden im Zeitraum 2010 - 2017 nach vierzig Betriebsjahren die alten Trams durch neue Niederflurtrams ersetzt.
- Einsatzlinien (Einsatz täglich 4 - 6 Stunden):
Auf der Vorortslinie 17 und der Einsatzlinie E11 verkehren bis ca. 2030 weiterhin die Schindler-Trams der Serie 200 mit Niederflurteil. Die Gesamtlebensdauer dieser Fahrzeuge wird durch geeignete Revisionsarbeiten auf 50 Jahre verlängert.
Für die Ausführung der zu erbringenden Transportleistungen werden gemäss Beschaffungskonzept 68 Tramkompositionen (a 47 m) benötigt.
| Linie | Intervall | Anzahl |
| 10 | 7 1/2 | 18 |
| 11 | 7 1/2 | 16 |
| E11 | 7 1/2 | 10 |
| 17 | 7 1/2 | 11 |
| Betriebsreserve | 4 | |
| Fahrschule / Extrafahrten | 1 | |
| Service BLT | 4 | |
| externe Revision | 4 | |
| Total | 68 |
3.3 Erforderliche Depotkapazität und die Klärung der Standortfrage
Der Fahrzeugbestand der BLT beträgt heute 88 Gelenktriebwagen und 12 Anhängewagen, welche in 50 Tramkompositionen, teils als Doppeltraktion, teils als Zugfahrzeug mit Anhänger, im Einsatz sind. In der Regel befinden sich immer 2 Kompositionen in der externen Revision und müssen bei der BLT nicht remisiert werden. Die beiden Tramdepots der BLT wurden aber nur für 42 Doppeltraktionen konzipiert. Erschwerend kommt hinzu, dass das Depot Hüslimatt auf eine Kompositionslänge von 40 m ausgelegt wurde. Durch den Einbau von 6 m langen Niederflurteilen und den Kauf von 14 m langen Anhängewagen können deshalb die Abstellgeleise nicht mehr optimal ausgenützt werden. Es fehlen dadurch zusätzlich 6 Einstellplätze.
Unter Berücksichtigung der oben dargestellten Bedarfsplanung wird eine Abstellgeleiselänge von total 3'368 m (inkl. Dienstfahrzeuge und Reserve) benötigt. In den beiden bestehenden Tramdepots kann die folgende Anzahl Kompositionen remisiert werden (vgl. Tabelle, nächste Seite).
Es sind folgende Vorgaben berücksichtigt:
| - | Für die max. 47 m langen Kompositionen werden Einstellplätze von je 48 m benötigt; |
| - | Im Depot Ruchfeld stehen 7 Kompositionen im Freien; |
| - | Die Waschanlagen in beiden Depots werden in der Nacht als Abstellplätze genutzt; |
| - | Der letzte einfahrende Tramkurs bleibt in beiden Depots auf dem Durchfahrtsgleis stehen; |
| - | Nur je eine Wartungsgrube wird nicht zur Abstellfläche gezählt; |
| - | Mindestens 2 Kompositionen befinden sich immer in externer Revision. |
Bereits während der mehrjährigen Ablieferungsphase der neuen Fahrzeuge werden zusätzliche Abstellflächen benötigt bis die alten Fahrzeuge ausgemustert werden können. Zudem stellt die neue Tramgeneration neue Anforderungen an die Depotinfrastrukturen. So werden beispielsweise im Reinigungs- und Unterhaltstrakt Hocharbeitsbühnen, längere Gruben und spezielle Besandungseinrichtungen sowie Lagerräume für neue Ersatzteile benötigt. Für diese Umbauten werden vorübergehend ebenfalls bestehende Abstellflächen absorbiert.
| Tramdepot | Anzahl Kompositionen, gedeckt abgestellt | Anzahl Kompositionen, ungedeckt abgestellt | Anzahl abgestellte Kompositionen, total | Benötigte Abstellgleislänge in m |
| Benötigte Gesamtkapazität Dienstfahrzeuge Reserve Total |
68* | 3'168 100 100 3'368 |
||
| Hüslimatt | 24* | 24* | 1'056 | |
| Ruchfeld | 13 | 7 | 20 | 960 |
| Vorhandene Kapazitäten, total | 35 | 7 | 42 | 2'016 |
| Kapazität für benötigte Depoterweiterung Dienstfahrzeuge Reserve Benötigte Kapazität der Tramdepot-Erweiterung |
24 | 24 | 1'152 100 100 1'352 |
*) 2 Fahrzeuge jeweils in externer Revision (für benötigte Abstellgleislänge nicht einberechnet)
Der Anbau an das bestehende Busdepot bietet 12 Normbussen Platz und wird Räumlichkeiten des Bahndienstes beinhalten. Der heutige Standort des Bahndienstes im bestehenden Tramdepot wird für die Bereitstellung von Ersatzteillager-, Abstell- und Unterhaltsflächen der neuen Tramgeneration benötigt
Nachdem die Frage der Dimensionierung des Depots feststeht, musste die BLT die Frage des Depotstandorts klären. Dazu wurden verschiedene alternative Depotstandorte, wie "Dreispitz" - Basel, "Wyden" - Münchenstein und "Schindler-Areal" - Pratteln untersucht. Bestimmend für die Standortwahl sind die Kosten und technisch-betriebliche Gründe. Beim Standort "Schindler-Areal" (z.B.) wären lange Einsetzfahrten der Fahrzeuge notwendig, was zu wiederkehrenden, hohen Kosten führt. Zusätzlich müssten an einem dritten Depotstandort (nach "Hüslimatt" und "Ruchfeld") für Tageswartungen und Kleinreparaturen eigene Infrastrukturen, wie Ersatzteillager, Wartungsplatz, Sandsilo, Waschanlage usw., gebaut und das notwendige Depotpersonal für Reinigung und Wartung vorgehalten werden.
Die Erweiterung am schon bestehenden Depotstandort "Hüslimatt", welcher an der Stammlinie 10/17 liegt, bietet die Möglichkeit, die bestehende Service-Infrastruktur mit zu nutzen. Dieser Standort erwies sich in der Evaluation klar als kostengünstigste und betrieblich beste Variante.
3.4 Spezialfrage: Weshalb müssen Tramfahrzeuge gedeckt remisiert werden?
Die Tramfahrzeuge müssen zur Schonung vor Witterung und Umwelteinflüssen, zum Schutz vor Vandalismus, zur Verbesserung der Sicherheit und aus Kostengründen gedeckt remisiert werden.
Witterung
Moderne, mehrgelenkige Niederflur-Strassenbahnfahrzeuge haben die Ausrüstungen vorwiegend auf dem Dach montiert. Ein Fahrzeug von max. 47 Metern Länge hat sechs Gelenkpartien mit Faltenbälgen. Sind die Fahrzeuge ruhend dem Schneefall ausgesetzt, so setzt sich dieser in den Faltenbälgen fest und blockiert bei Kurvenfahrt die Gelenkpartie bzw. beschädigt die Faltenbälge. Auch können Lüftungsöffnungen von Apparatekästen auf dem Dach verschneit werden. Der Stromabnehmer wird durch Schnee und/oder Vereisungen beschwert und nach unten gedrückt. Eine Befreiung des Schnees vor der Ausfahrt jedes Kurses ist zu aufwändig.
Weiter sind die Fahrzeuge im Freien auch der Kälte ausgesetzt und müssten vor Inbetriebnahme geheizt werden. Dies bedingt Personalaufwand und zusätzliche Energie.
Extreme Kälte/Hitze und generell Temperaturschwankungen beeinträchtigen die Verlässlichkeit der heutigen Technik mit viel Elektronik und Sensoren.
Umwelteinflüsse
Das Geleisefeld verfügt über ca. 30 Weichen mit elektrischen Antrieben. Sind diese im Gebäude integriert, kann auf die Installation von Weichenheizungen verzichtet werden. Dies reduziert den Energieverbrauch und den Unterhaltsbedarf.
Die Gebäudehülle verhindert auch die Ausbreitung des Fahrlärms beim Befahren der Weichenanlagen während dem Ausfahren bzw. dem Einstellen der Kurse (morgens ab ca. 04.30 Uhr, nachts bis ca. 02.00 Uhr ) und verbessert die Wohnqualität für die Anwohnerschaft.
Vandalismus
Im Freien abgestellte Tramfahrzeuge werden immer wieder von Vandalen verschmiert (diverse Vorfälle im Depot Ruchfeld und an Bussen in Oberwil). Die Reinigung ist aufwändig und je nach verwendeten Farben nur mit giftigen Substanzen erfolgreich. Der Farbaufbau leidet und je nach Stärke des Schadens muss ein teurer Neuanstrich erfolgen.
Sicherheit
Das offene Geleisefeld müsste stark ausgeleuchtet sein, damit bei Dunkelheit und schlechter Witterung der sichere Zu- und Weggang des Fahrpersonals sichergestellt ist. Bei Schneefall müssen die Zugangswege zu allen Fahrzeugen geräumt werden. Im witterungsgeschützten, geschlossenen Depotgebäude fühlen sich auch Frauen nachts beim Abstellen der Fahrzeuge sicherer als auf freiem Feld.
Kosten
Beim Wegfall der Halle entstehen zusätzliche Kosten:
| - | Alle Weichen müssen mit einer Weichenheizung ausgerüstet werden. Ein im Projekt in der Halle platzierter Raum für die Bahnsicherungs- und Weichensteuerungsanlage ist zwingend. Ohne Halle müssten diese Anlagen in einem separaten, neu zu erstellendem Gebäude untergebracht werden. |
| - | Die an der Halle befestigte Fahrleitungsanlage müsste an separaten Fahrleitungsmasten mit den notwendigen Fundamente aufgespannt werden. |
| - | Eine offene Geleiseanlage lässt keine Drittnutzung zu. Im Projekt ist das Hallendach und die Fundamente so aufgebaut, dass die Dachfläche eine spätere Drittnutzung zulässt ( Gewerbe- und Büroräume). |
| - | Diverse Zusatzinstallationen, wie Besandungsanlage, Hocharbeitsplätze, Verlegung der Waschanlage usw., welche durch die neue Niederflurfahrzeugtechnik bedingt sind, setzen einen geschlossenen Raum voraus. |
Die durch den Verzicht der Depothalle erzielbaren Einsparungsmöglichkeiten sind im Verhältnis zu den dargelegten Zusatznutzen der Depothalle gering.
Fortsetzung >>>
Back to Top