Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Konkordat über die Errichtung und den Betrieb einer Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch | |
| vom: | 22. Juni 2004 | |
| Nr.: | 2004-149 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
2. Situation der Polizeiausbildung in der Schweiz
2.1 Polizeilandschaft Schweiz
Die Durchsetzung und Erhaltung der inneren Sicherheit ist eine Aufgabe der politischen Behörden. Als Mittel steht ihnen dafür u.a. die Polizei zur Verfügung. In den einzelnen kantonalen und städtischen Polizeigesetzen sind deren Pflichten, Rechte und Organisation geregelt. In einer Generalklausel ist jeweils allgemein die polizeiliche Kernaufgabe wie folgt festgehalten:
"Die Kantons(Stadt-)polizei sorgt für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Sie ergreift Massnahmen, um unmittelbar drohende Gefahren für Menschen, Tiere und Umwelt abzuwehren und eingetretene Störungen zu beseitigen".
Die einzelnen Polizeikorps basieren auf der föderalistischen Struktur der Schweiz. Je nach Bedarf und Wunsch der einzelnen Kantone und Städte sind sie oft auf unterschiedliche Art organisiert, ausgerüstet und auch ausgebildet. So existieren heute schweizweit rund 26 kantonale Organisationen, diverse Stadtpolizeikorps und viele Gemeindepolizeien. Zudem arbeiten die Strafverfolgungsbehörden mit unterschiedlichen Strafprozessordnungen. Die fehlende Einheitlichkeit führt insbesondere bei kantons- und/oder stadtgrenzenüberschreitenden Einsätzen oder bei der korpsübergreifenden Zusammenarbeit vermehrt zu Schwierigkeiten.
Ergänzt werden die kantonalen und kommunalen Polizeiorgane durch das Bundesamt für Polizei und dessen Bundeskriminalpolizei. Vermehrt ist auch von der Armee, dem Grenzwachtkorps und insbesondere auch von privaten Unternehmungen ein nachhaltiges Expansionsbestreben im Bereich der inneren Sicherheit feststellbar.
2.2 Speziell die Situation der Polizeiausbildung
Die Grundausbildung und die Weiterbildung der Polizeiangehörigen erfolgt heute in der Schweiz weitgehend korpsintern. Das bedeutet, die meisten Polizeikorps unterhalten eine eigene Ausbildungsinfrastruktur und eigene Instruktorenteams. Nur das Zentralschweizer Polizeikonkordat führt eine gemeinsame Polizeischule (ZSPS). Die Stärken der heutigen Polizeiausbildung sind der gute Praxisbezug, die hohe Flexibilität bei der Reaktion auf Entwicklungen in der Sicherheitslage und die ausgezeichnete regionale Verankerung. In der Regel wird die Grundausbildung mit einer Diplomprüfung abgeschlossen.
Das heutige, mehrheitlich dezentrale Ausbildungssystem weist aber auch gravierende Mängel auf. Zu erwähnen sind insbesondere folgende Aspekte:
| - | Für die Polizeiausbildung in der Schweiz fehlt ein bildungspolitisches Gesamtkonzept. |
| - | Die Koordination mit dem allgemeinen Bildungssystem ist mangelhaft. |
| - | Innerhalb der Polizeiausbildung sind keine vernetzten Lehrpläne vorhanden. |
| - | Die didaktische und methodische Professionalität ist teilweise gering. |
| - | Die Ausbildungsinfrastruktur genügt den Ansprüchen teilweise nicht mehr. |
| - | Die pädagogische und didaktische Qualifikation des Lehrkörpers ist nicht immer vorhanden. |
| - | Die für die Polizeiausbildung verbindlichen Standards sind nicht definiert. |
| - | Eine aussagekräftige Qualitätskontrolle fehlt in der Regel. |
| - | Die Bereiche Forschung und Entwicklung fehlen gänzlich. |
| - | Die Ausrichtung auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Bereich der öffentlichen Sicherheit ist aufwändig. |
2.2.1 Polizeikonkordat Nordwestschweiz
Die fünf kantonalen Korps des Polizeikonkordats Nordwestschweiz und die Stadtpolizei Bern unterhalten für die polizeiliche Grundausbildung je eine eigene Ausbildungsinfrastruktur. Die Schulinstruktoren stammen mehrheitlich aus den entsprechenden Organisationen. Im Rahmen dieser korpsspezifischen Polizeilehrgänge mit unterschiedlicher Dauer und oft auch abweichenden Lerninhalten werden die Anwärter/innen auf den Polizeiberuf vorbereitet. Die Ausbildungsverantwortlichen der Korps sind für die Vorbereitung und die Durchführung der Schulen verantwortlich.
2.2.2 Zentralschweizer Polizeikonkordat
Das Zentralschweizer Polizeikonkordat betreibt seit 35 Jahren im Kanton Luzern eine gemeinsame Polizeischule (ZSPS), die in den letzten drei Jahren aufgrund der gestiegenen Ausbildungsbedürfnisse doppelt geführt werden musste. Die Schulleitung gehört zum Korps der Kantonspolizei Luzern. Die Kommandanten der beteiligten Korps bilden eine Aufsichtskommission. Der Bereich Weiterbildung ist nicht im Auftrag der Schule enthalten und wird deshalb auch in der Zentralschweiz mehrheitlich dezentral durchgeführt. Um den künftigen Ausbildungsbedarf decken zu können, müssten in Sempach organisatorische und infrastrukturelle Anpassungen erfolgen. So ist momentan eine dreiklassige Lehrgangsführung infolge der hohen Ausbildungsbestände zwingend notwendig.
2.3 Kommende Herausforderungen, Ausblick
Die Anforderungen an die Polizistinnen und Polizisten sind heute schon enorm und werden in Zukunft noch steigen. Die Diskussion um die öffentliche Sicherheit ist schon seit längerem entbrannt und wird heute verstärkt geführt. Die Meinungsbildung unterliegt insbesondere dem subjektiven Sicherheitsempfinden der Bevölkerung. Forderungen an die Polizei werden mit Nachdruck gestellt und oft auch auf zwiespältige Art in der Öffentlichkeit breitgeschlagen. Dazu kommen vermehrte Ansprüche von Seiten der Behörden, welche als Verantwortliche für die innere Sicherheit diesem Druck ebenfalls unterliegen. Aber auch die in den Kantonen laufende oder bereits abgeschlossene Einbindung der Polizei in das System des Bevölkerungsschutzes steigert die Ansprüche an die Korps. Zudem wird schweizweit die Berufsanerkennung als Polizistin/Polizist durch das Bundesamt für Bildung und Technologie (BBT) angestrebt.
Folgende Aspekte sind für die zukünftigen Herausforderungen der Polizei zentral:
| - | Die lokale Sicherheit gewinnt zunehmend an Bedeutung (Sicherheit in Wohngebieten, Quartieren, community policing, Verkehrsprobleme). |
| - | Der Umgang mit den polizeirelevanten Kunden und ethnischen Minderheiten wird laufend schwieriger. |
| - | Die Polizei wird sich vermehrt mit Gewalt und Aggressionen konfrontiert sehen. |
| - | Interkantonale Einsätze zu Gunsten von Grossanlässen werden die Regel (Sportveranstaltungen, WEF, G8-Gipfel, Expo 02). |
| - | Die externe wie auch die interne Kommunikation erlangt für die Polizeikorps grosse Wichtigkeit. |
| - | Der Anstieg der Fallbearbeitungen verlangt im operativen Bereich auch international nach verstärkter Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Justiz. |
| - | Die Kriminalitätsentwicklung (Organisierte Kriminalität, Internet-Kriminalität, Wirtschaftskriminalität, Häusliche Gewalt), verbunden mit dem immensen technischen Fortschritt (weltweite Kommunikationsmittel) und der Öffnung der Grenzen, bleibt nicht stehen und verlangt nach neuen Formen der Verbrechensbekämpfung. Dabei wird die korpsübergreifende Zusammenarbeit immer wichtiger. Diese muss auf einem einheitlichen polizeilichen Verständnis und einer gemeinsamen Einsatzdoktrin basieren, wie sie nur mit einer gemeinsamen Grundausbildung und Weiterbildung erzielt werden können. |
| - | Insgesamt steigt der Ressourcenbedarf für die öffentliche Sicherheit weiter an. |
Diese zukünftigen Entwicklungen im Bereich der öffentlichen Sicherheit und die beabsichtigte Berufsanerkennung verlangen ein grundlegendes Überdenken der polizeilichen Grundausbildung und Weiterbildung. So müssten in naher Zukunft sicher auch die vorhandenen Ausbildungsinfrastrukturen und die Schulorganisation in der Nordwest- wie auch in der Zentralschweiz überprüft und angepasst werden. Aus dieser Entwicklung können für die Ausbildung folgende Konsequenzen abgeleitet werden:
| - | In der Grundausbildung sollen die zukünftigen Polizistinnen und Polizisten zu möglichst selbstständigen, breit ausgebildeten Allrounder/innen geschult werden. Der Einsatz von Generalisten und Generalistinnen bewahrt davor, bei jeder neuen Aufgabe die Organisation umkrempeln zu müssen. |
| - | Dabei darf die gezielte Persönlichkeitsförderung nicht vernachlässigt werden (sicheres Auftreten, gewandte Umgangsformen, Kommunikationsverhalten, Stressresistenz und Stressbewältigungsmöglichkeiten). |
| - | Die Ausbildung muss mit Hilfe von neuen Lehrtechnologien noch praxisorientierter vermittelt werden. |
| - | Im Rahmen der Weiterbildung sind Fach- und Spezialwissen auf- und auszubauen. Dabei ist zu beachten, dass die zunehmende Spezialisierung auch ein vermehrtes korpsübergreifendes Zusammenarbeiten erfordert. |
| - | Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit muss innerkantonal, interkantonal und international laufend verbessert werden. Die Grundlagen dazu sind in der gemeinsamen Grund- und Weiterausbildung bestens sichergestellt. |
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