Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Beteiligung des Kantons Basel-Landschaft am Bau eines geothermischen Heiz-Kraftwerks (DEEP HEAT MINING) | |
| vom: | 31. August 2004 | |
| Nr.: | 2004-188 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
3.6. Risikofaktoren
3.6.1. Geologisches Risiko
Die substantiellen Risiken, welche zu einem Scheitern des Projekts führen können, sind ausschliesslich geologischer Natur. Das heisst, dass unerwartete geologische Verhältnisse die Realisierung des Kraftwerks verhindern können.
Das grösste geologische Risiko ist, dass nach Abteufung zweier benachbarter Tiefbohrungen keine genügende Zirkulation von Wasser erreicht werden kann, und dass die dazu benötigten Drücke einen wirtschaftlichen Betrieb verunmöglichen würden. Um dieses Risiko in verantwortbaren Schritten sukzessive abbauen zu können, wurde ein Vorgehensplan mit klar definierten Zwischenzielen erarbeitet.
3.6.2. Betriebsrisiko
Die Betriebrisiken beschränken sich auf bekannte technische Probleme konventioneller Geothermie-Kraftwerke. Dies sind insbesondere Ausfällungen und Korrosion als Folge stark mineralisierter Zirkulationswässer. Die Probleme sind weitgehend bekannt, technische Lösungen sind vorhanden. Geothermische Kraftwerke gelten als zuverlässige Anlagen mit den höchsten Kapazitätsfaktoren.
3.6.3. Umweltrisiko
Das Gefahrenpotential von Hot-Fractured-Rock Bohrungen ist klein. Verschiedentlich geäusserte Befürchtungen, man könnte radioaktive Stoffe aus dem Untergrund lösen, entbehren jeder Grundlage. Die Radioaktivität der gelösten Stoffe ist vergleichbar derjenigen in Quellwasser aus kristallinem Gestein.
Induzierte Seismizität (künstliche Erschütterungen) durch das Hot-Fractured-Rock Verfahren ist messbar. Die Mikroseismizität ist für die räumliche Erfassung des unterirdischen Wärmespeichers sogar essentiell. Diese Erschütterungen sind energetisch jedoch um mehrere Zehnerpotenzen geringer als das kleinste spürbare Erdbeben und können keine Schäden an der Oberfläche verursachen. Sie könnten im schlimmsten Falle natürlich aufgestaute Spannungen vorzeitig lösen. Die bekannten Erdbebenherde im Raum Basel befinden sich in minimal 15, meist jedoch in rund 30 Kilometern Tiefe, liegen also wesentlich tiefer als Bohrungen bis 5 Kilometer.
Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat sich mit dem Regierungsprogramm 2004 - 2007 zur Nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Es ist daher zu beurteilen, inwiefern jede Vorlage an den Landrat die Nachhaltigkeit unterstützt oder behindert.
Bekanntlich unterscheidet man drei gleichwertige Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung, nämlich die ökologische, die wirtschaftliche und die gesellschaftliche Dimension. Eine Beurteilung und Überprüfung von Vorhaben muss daher auch diese drei Nachhaltigkeitsbereiche abdecken.
Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit existiert ein Nachhaltigkeitskompass. Dieser erlaubt es, in einem einfachen Beurteilungsraster die Tendenzen eines Projektes bezüglich Nachhaltigkeit zu beurteilen. Der Nachhaltigkeitskompass ist kein streng wissenschaftliches Instrument, sondern eher ein unterstützendes Hilfsmittel zur Erkennung der richtigen Richtung.
Die Beurteilung des Projektes DEEP HEAT MINING mittels Nachhaltigkeitskompass bestätigt eindeutig die Förderung der nachhaltigen Entwicklung durch das Vorhaben.
Beurteilung mit dem Nachhaltigkeitskompass
| Umwelt: | Die positivste Wirkung ist erst langfristig zu erwarten. Bei erfolgreicher Realisierung des Projektes eröffnet sich die Perspektive einer unabhängigen und klimaschonenden Energieerzeugung. Aber auch kurzfristig ergibt sich eine Verbesserung der Luftbelastung durch den Einsatz von Geothermie anstelle von Erdgas zur Erzeugung von Fernwärme im IWB-Netz. |
| Wirtschaft: | Das Projekt DEEP HEAT MINING könnte den Grundstein legen für weitere derartige Projekte in der Region. Aus wirtschaftlicher Sicht steht die Schaffung von "sauberen" Arbeitsplätzen in wertschöpfungsstarken Unternehmen und die Förderung von Forschung und Entwicklung im Vordergrund. Ebenfalls hervorzuheben ist die Erhöhung der regionalen Zusammenarbeit. |
| Gesellschaft: | Das Projekt DEEP HEAT MINING wird weit über die Landesgrenzen hinaus beachtet, was sich positiv auf die überregionale und internationale Zusammenarbeit auswirkt (z.B. mit europäischem Forschungsprogramm in Soultz-sous-Forets). Die Erkenntnisse aus der praktischen Anwendung dieser neuen Technologie können auch das Angebot höherer Bildungsstätten bereichern. |
Träger des Projekts ist die am 4. Februar 2004 gegründete "Geopower Basel AG" mit Sitz in Liestal. Die Projektgesellschaft ist Bauherr und Besitzer der zu entwickelnden Anlage. Die Projektgesellschaft ist eine privatwirtschaftlich organisierte Aktiengesellschaft. Die Aktienverhältnisse ergeben sich aus den Finanzierungsbeteiligungen.
Die Gesellschaft finanziert das Projekt mit eigenen und fremden Mitteln wie Darlehen, Subventionen und evtl. Sponsorenbeiträgen. Sie erteilt Aufträge an ausführende Gesellschaften und bindet die Know-How-Träger vertraglich. Die Projektgesellschaft sichert den Betrieb, die Energieabnahme und die Vergütung der produzierten Energie. Sämtliche Rechte an der Nutzung des erworbenen Wissens verbleiben in der Gesellschaft.
Der Verwaltungsrat der Projektgesellschaft wird von den Aktionären bestimmt und ist für strategische Entscheidungen verantwortlich.
Abbildung 3: Projektorganisation
Abbildung 4: Organigramm Phase Exploration
Die Aufgaben der Projektgesellschaft sind:
| - | Planung, Projektierung und Bau des geothermischen Heiz-Kraftwerks |
| - | Kommunikation des Projekts gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit |
| - | Sicherstellung und Kontrolle der Finanzen. |
Zur Finanzierung der 40 Mio. Franken für die risikobehaftete Explorationsphase wird ein Eigenkapital von 32 Mio. Franken benötigt. Dies soll in Form eines Rahmenkredits aus dem Anlagevermögen der IWB erbracht werden. Der Anteil der IWB an den 32 Mio. Franken Aktienkapital verringert sich um den Betrag, der von Dritten in das Projekt investiert wird. Die restlichen 8 Mio. Franken werden als nichtamortisierbare Investition aus der im Kanton Basel-Stadt erhobenen Förderabgabe bezahlt.
Nach der Explorationsphase sind die massgeblichen geologischen Risiken und deren Auswirkungen auf die Möglichkeiten eines wirtschaftlichen Betriebs bekannt. Die nachfolgende Ausbauphase mit dem Bau der vorwiegend oberirdischen Energieumwandlungsanlagen bis zur Produktionsaufnahme entspricht der gängigen bewährten Technik konventioneller Geothermiekraftwerke in vulkanischen Regionen wie Island oder Italien. Nach erfolgreichem Abschluss der Explorationsphase kann davon ausgegangen werden, dass die Ausbauphase mittels Darlehen, also ohne Eigenkapital, finanziert werden kann. Das heisst, es sind für die Ausbauphase keine weiteren Beiträge der Aktionäre vorgesehen.
| Explorations- Phase |
Ausbau- Phase |
Total | ||||
| Mio. Fr. | Anteil | Mio. Fr. | Anteil | Mio. Fr. | Anteil | |
| Investition Total* | 40 | 40 | 80 | |||
| Darlehen | 0 | 0% | 40 | 100% | 40 | 50% |
| Eigenkapital | 32 | 80% | 0 | 0% | 32 | 40% |
| aus Förderabgabe BS | 8 | 20% | 0 | 0% | 8 | 10% |
| kapitalisiert | 32 | 80% | 40 | 100% | 72 | 90% |
| nicht kapitalisiert | 8 | 20% | 0 | 0% | 8 | 10% |
Tabelle 1: Finanzierungsmodell
Eine genaue Berechnung der Wirtschaftlichkeit ist erst möglich, wenn alle Beteiligungen bekannt sind und definitive Zusagen vorliegen. Bisherige Abschätzungen gehen von folgenden Energiegestehungskosten aus:
| Wärmeabgabe: | 146 GWh pro Jahr zu 2,3 Rp. pro kWh |
| Stromabgabe: | 17.7 GWh pro Jahr zu 15 Rp. pro kWh |
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