Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaftszone: Fortführung für die Jahre 2004 bis 2008; Verpflichtungskredit | |
| vom: | 25. November 2003 | |
| Nr.: | 2003-292 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
2. Einleitung
2.1. Was ist ökologischer Ausgleich
Ausgleich heisst: Gleichgewicht schaffen. In unserem dicht besiedelten und intensiv genutzten Raum gibt es Gebiete, in denen viele wild lebende Tiere und Pflanzen nur noch erschwert oder gar nicht mehr leben können. Dies liegt meist daran, dass ihre Lebensräume verarmt, verschwunden oder zu sehr voneinander isoliert sind: Es herrscht - ökologisch betrachtet - ein Ungleichgewicht.
Ziel und Auftrag im Naturschutz ist, den einheimischen Artenbestand in überlebensfähigen Populationen zu erhalten und zu fördern. Der Schutz ihrer Lebensräume - soweit noch vorhanden - ist dazu unerlässlich.
Wo hingegen weniger naturnahe Flächen vorhanden sind, als für das Überleben der einheimischen Tier- und Pflanzenarten erforderlich, bezweckt der ökologische Ausgleich, isolierte Biotope miteinander zu verbinden, nötigenfalls neue zu schaffen und damit die einheimische Artenvielfalt zu fördern.
Ökologischer Ausgleich will also Zerstörungen und Defizite in der Natur kompensieren. Zusammen mit dem Schutz bestehender Biotope wird damit die Gesamtbilanz der naturnahen Lebensräume verbessert. Und dies ist die Voraussetzung, dass unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt langfristig erhalten werden kann.
In der Praxis redet man von 'ökologischen Ausgleichsflächen'. Unter diesen Begriff fallen sowohl bestehende, als auch neu geschaffene naturnahe Lebensräume: Blumenwiesen, Magerwiesen und -weiden, Hecken, Streuobstbestände, Buntbrachen. Zusammen bilden sie ein Lebensraumnetz, in dem sich unsere Tiere und Pflanzen aufhalten, bewegen und verbreiten können.
2.2. Warum ökologischer Ausgleich nötig ist
Wild lebende Tiere und Pflanzen lassen sich nicht in Geldwerten messen. Sie sind - wie Boden, Wasser und Luft - Teil unserer natürlichen Umgebung. Teil also des gesamten Ökosystems, das uns umgibt und von dem wir selbst leben.
Vergleichbar einem Mobile, ist dieses Ökosystem umso stabiler, je reichhaltiger und vielfältiger es ist. Beispielsweise sind artenreiche Laubmischwälder - wie sie im Baselbiet vorherrschen - weit weniger krankheits- und schädlingsanfällig als standortsfremde Nadelholz-Reinbestände; blumenreiche Wiesen schützen in Hanglagen viel wirksamer vor Bodenerosion als einseitige Kunstwiesen oder Ackerflächen.
Hoher Artenreichtum trägt so dazu bei, unser Ökosystem stabil, im Gleichgewicht, zu halten. Ökologischer Ausgleich ist also eine Massnahme mit hohem Nachhaltigkeitseffekt. Darum hat er hohe Priorität.
Ökologischer Ausgleich ist nicht zuletzt auch deshalb elementar, weil wild lebende Tiere und Pflanzen zu uns Menschen gehören, weil wir uns nur in einer belebten Welt wohl fühlen, und weil wir auch künftig in einer vielfältigen, intakten Natur leben wollen - Nachhaltigkeit auch auf der seelischen Ebene.
2.3. Wo stehen wir, und wo wollen wir hin
Das kantonale Naturschutzprogramm 'Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft' existiert seit 15 Jahren: Im Jahre 1989 konnten erste blumenreiche Magerwiesen durch Bewirtschaftungsverträge mit Landwirten geschützt werden. Mittlerweile beteiligen sich rund 80 % aller Landwirte an diesem erfolgreichen Programm. Das Netz von ökologischen Ausgleichsflächen konnte sukzessive aufgebaut und erweitert werden. Heute (31.12.02) sind auf diese Weise rund 2'100 naturnahe Lebensräume mit einer Gesamtfläche von 1'650 ha vertraglich geschützt; das entspricht etwa 8 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Wie die Erfolgskontrollen zeigen, konnte in diesen Flächen der Naturschutzwert - gemessen an der Artenvielfalt - erhalten, ja vielfach noch gesteigert werden. Dies dank der fachgerechten Nutzung und Pflege durch die Landwirte, welche dafür eine entsprechende Abgeltung erhalten.
Das Ziel 'Schutz, Ergänzung und Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen' ist noch nicht überall erreicht. Beispielsweise steht die Umsetzung des Bundesinventars der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW) an. Vor allem in den vorrangigen Ackerbaugebieten sind wir noch weit von der erwünschten Lebensraumvielfalt und Biotopvernetzung entfernt. In den nächsten Jahren wird dies einen Schwerpunkt des Naturschutzprogramms 'Ökologischer Ausgleich in der Landwirtschaft' bilden.
Angestrebt wird - je nach Region und Landschaftstyp - ein Flächenanteil von rund 10 - 20 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche, das sind rund 2'550 Hektaren. Hauptkriterium ist dabei nicht das reine Flächenmass, sondern die Gewissheit, dass ökologische Ausgleichsflächen in ihrer räumlichen Anordnung und in ihrer Ausprägung ein Optimum an naturschützerischer Wirksamkeit entfalten. Um dies sicher zu stellen, verfügt der Kanton über ein kantonales 'Vernetzungskonzept ökologischer Ausgleich'. Dieses weist den Handlungsbedarf nach Region, Naturraum und Gemeinde detailliert aus. Die Realisierung des ökologischen Ausgleichs orientiert sich streng an diesem Vernetzungskonzept.
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