Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Die Subventionierung des Orchesters basel sinfonietta für die Jahre 2004-2006 | |
| vom: | 11. November 2003 | |
| Nr.: | 2003-276 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
3. Das Orchester der basel sinfonietta - ein Porträt
3.1. Künstlerisches Profil
Das Orchester der basel sinfonietta wurde 1980 von jungen Musikerinnen und Musikern ins Leben gerufen mit dem Ziel, zeitgenössische Musik, Unbekanntes sowie bekannte Werke in neuen Zusammenhängen einem Publikum zu vermitteln, das sich offen zeigt für ungewöhnliche und experimentelle Klänge. Mit diesem Blick auf das Unkonventionelle und Provokative hat sich die basel sinfonietta als grosses Sinfonieorchester international einen Namen geschaffen.
Das Orchester verwirklichte in seiner Geschichte neben traditionellen Sinfoniekonzerten zahlreiche grenzüberschreitende Produktionen im Bereich Jazz, Tanz, Performance sowie diverse Stummfilm- und Multimediaprojekte. Die basel sinfonietta erteilt regelmässig Kompositionsaufträge. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem "Europäischen Musikmonat 2001" kam es beispielsweise zur Uraufführung der Auftragswerke "Atemlos" von Carola Bauckholt und "Decasia" von Michael Gordon. Einladungen zu Festivals wie beispielsweise Lucerne Festival, Biennale di Venezia, Musica Strasbourg, Tage für Neue Musik Zürich, Festival d'Automne a Paris oder auch Klangspuren Schwarz/Tirol ergänzen die vielfältigen Konzertproduktionen. Die basel sinfonietta darf heute wohl mit Recht als eine der innovativen Formationen im Bereich der Sinfonieorchester der CH-Musikszene bezeichnet werden.
Das Orchester arbeitet mit international tätigen Gastdirigenten zusammen, die je nach Stil und Inszenierung angefragt werden: u.a. Emilio Pomarico, Muhai Tang, Kasper de Roo, Matthias Bamert (Künstlerischer Direktor Europäischer Musikmonat 2001), Jürg Wyttenbach, Olaf Henzold, Jürg Henneberger (BL Kulturpreisträger 2000), Johannes Kalitzke, Reinbert de Leeuw, Peter Rundel, Lothar Zagrosek. a Höhepunkte 1999-2002 /2003/04 (Anhang 1).
In der Zeit von 1999-2002 wurden fünf CD-Einspielungen getätigt (u.a. bei Mode Records, New York; Cantaloupe Records, New York). Im gleichen Zeitraum fanden prominente Auftritte statt an internationalen Festivals (Innsbruck/Bolzen; Paris; Zagreb. Luzern) sowie eine Orchestertournee in Spanien.
3.2. Regionale Einbindung / Funktion
Das Orchester basel sinfonietta hat sich seit seiner Gründung immer als ein Orchester mit einem starken Bezug zum musikalischen Leben der Region definiert. Was sich in den Anfangsjahren durchaus als programmliche und organisatorische "Konkurrenz" zu den grossen Orchestern der Basler Orchestergesellschaft (BOG) und des Radio Sinfonieorchesters (RSO) definiert hat, leistet heute eine ergänzende und eigenständige Funktion in der Region. Ohne die basel sinfonietta wäre die Musikszene nicht nur von der Vielfalt her ärmer, sondern zahlreiche Programme und Veranstalter/innen könnten gar nicht mehr stattfinden resp. müssten ihren Betrieb einstellen.
Zusammen mit dem Basler Kammerorchester, das künstlerisch eine mehr kammermusikalische Ausrichtung hat, engagiert sich die basel engagiert in regionalen Projekten und Programmen mit Chören und Laien auf vorbildliche Art und Weise. Nicht wenige davon finden im Baselbiet statt; u.a. mit der Kantorei St. Arbogast, Muttenz, Regio Chor, Binningen, Gymnasium Liestal/Münchenstein, Lehrergesangsverein, Opernprojekte in Brüglingen, Münchenstein. Das Orchester geniesst dank seiner Kooperationsfähigkeit (Termine, Kosten) und künstlerischen Reputation einen sehr guten Ruf bei den regionalen Partner/innen (Anhang 2).
3.3. Professionalisierung / Organisation / internationale Perspektiven
Die Mitglieder der basel sinfonietta sind neben dieser Orchesterarbeit freie Musikerinnen und Musiker in zahlreichen Ensembles und Kammermusikformationen tätig. Das Modell der Selbstverwaltung bietet den Orchestermitgliedern grosse Mitsprachemöglichkeit in künstlerischen und organisatorischen Fragen und fördert eine lebendige und frische Orchesterkultur .
1999 hat die basel sinfonietta die Professionalisierung des Orchestermanagements beschlossen und somit die Weichen für eine signifikante Entwicklung des Orchesters gestellt (Anhang 3). Durch den Entscheid, einen vollamtlichen Geschäftsführer einzusetzen, konnte die basel sinfonietta den seit Jahren anwachsenden Betrieb in neue Bahnen lenken. Diese Professionalisierung führte zu einem markanten Quantensprung im Auftritt, in der Vermarktung und im Sponsoring (Verdreifachung der Einnahmen). Grundlegende Veränderungen zeigten sich auch in der Planung der Orchestertätigkeiten. Durch frühzeitiges Disponieren wurde einerseits eine hohe Kosteneffizienz erreicht, andererseits konnten aber auch hervorragende Dirigenten und Solisten sowie externe künstlerische Impulse wahrgenommen werden. Dies äusserte sich bald in internationalen Co-Produktionen (u.a. Paris: Festival d'automne; Innsbruck: Klangspuren) und in der Zusammenarbeit mit erstklassigen Dirigenten (Lothar Zagrosek; GMD Oper Stuttgart).
Im 2002 führte die basel sinfonietta eine Reorganisation durch. Strukturen wurden überdacht und neu festgelegt. Auch wurde die Geschäftsstelle erweitert, wo ab Januar 2003 neben dem Geschäftsführer, eine Person vorwiegend für die Öffentlichkeitsarbeit und eine andere um die Konzertorganisation besorgt sein wird. Trotz dieser weiteren Professionalisierungen wird der ursprüngliche Charakter des Orchesters sichergestellt durch eine nach wie vor starke und massgebende Mitarbeit eines Vorstandes aus Mitgliedern des Orchesters.
Im Herbst 2002 erfolgte die Konstitution eines überregionalen Fördervereins u.a. mit namhaften Vertreter/innen des öffentlichen Lebens aus dem Baselbiet : Claude Janiak (Nationalrat), Paul Schär, Urs Baumann (Landrat).
3.4. Finanzielle Situation / öffentliche Subventionen / Quersubventionierungen
Das Orchester der basel sinfonietta generiert gemäss Rechnung 2001/02 einen Umsatz von CHF 1'952'818.-- (Anhang 4).
Für Eigenproduktionen wurden CHF 1'265'787.-- und für Engagements CHF 321'286.-- aufgewendet. Das Orchester weist mit den Einnahmen aus Eintritten und Engagements in der Höhe von CHF 1'015'248.-- (52%) und Sponsorenerträgen (Firmen, Stiftungen) von CHF 385'276.-- (20%) einen sehr guten Eigenfinanzierungsgrad aus. Die Verwaltungs- und Organisationskosten sind mit CHF 290'000.-- (15%) veranschlagt.
Die Subventionen von Basel-Stadt betragen CHF 305'000.-- (Subventionsvertrag) und Basel-Landschaft CHF 50'000.-- plus ein einmaliger Sonderbeitrag von CHF 33'000.--( Kulturvertragspauschale); weitere Beiträge der öffentlichen Hand (BE, ZH) machen CHF 37'800.-- aus. (total 22%).
Mit diesen Mitteln realisiert das Orchester 16 Projekte und Engagements an 34 Terminen; die Hälfte davon finden in der Region Basel, je ein Viertel in der Schweiz resp. im Ausland (Anhang 5).
Auffällig ist, dass das +/- 80 köpfige Orchester - keine eigentlichen Angestellten kennt; d.h. alle Musiker und Musikerinnen sind bei "ihrem Orchester" projektorientiert engagiert, ein grosser Teil für die ganze Konzertsaison. Die Mitglieder des Orchesters "subventionieren" ihre Eigenproduktionen, indem sie auf einen Teil ihrer Gage verzichten. Für einen Orchesterdienst werden normalerweise +/- CHF 160.-- veranschlagt; ausbezahlt werden in der Regel aber CHF 110.-- (plus Spesen). Die Differenz geht in die Orchesterkasse zur Finanzierung der Eigenproduktionen (Dirigate, Solisten/innen, Transfers und Werbung). Diese Praxis darf als vorbildlich bewertet werden.
Das Orchester der basel sinfonietta ist ein schlanker, effizient verwalteter künstlerischer Betrieb, in welchen die "Eigentümer/innen" sehr viel selber investieren, was einen wesentlichen Teil des Profils und Erscheinungsbildes des Orchesters kreiert. Der Kanton Basel-Landschaft stärkt damit ein starkes Projekt, das sich durch einen überdurchschnittlich hohen Kostendeckungsgrad an selbst erwirtschafteten Mitteln auszeichnet.
3.5. Projekte und Publikum
Die basel sinfonietta wird immer wieder für Sonderprojekte und -produktionen engagiert; d.h. sie ist offen für neue Konstellationen und ungewöhnliche Orte/Räume. Sie leistet mit dieser Bereitschaft einen wichtigen Beitrag nicht nur zur musikalischen Vielfalt des regionalen Musiklebens sondern sie erschliesst dadurch immer wieder auch neues Publikum mit unterschiedlichsten Erwartungen und Ansprüchen.
Man darf annehmen, dass die basel sinfonietta zwar nicht das zahlenmässig grösste Publikum aber sehr wohl das breiteste Auditorium in der Region hat, sowohl was das Alter, die Herkunft und die Treue betrifft.
Fortsetzung >>>
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