Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Gesetz über die Förderung des Tourismus (Tourismusgesetz) | |
| vom: | 29. April 2003 | |
| Nr.: | 2003-101 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
3. Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
3.1 Tourismus als nachfrageorientierter heterogener Wirtschaftszweig
Der Tourismus ist keine Industrie oder Branche. Dieses Phänomen kann nur über die Nachfrage bestimmt werden. Sie wird aufgrund der Frequenzen (Anzahl Tagesausflügler und übernachtende Gäste) und der Ausgaben der in- und ausländischen Besucher (Umsätze der Unternehmungen) eines bestimmten Gebietes erfasst. Als Besucher gilt, wer eine Reise macht und ausserhalb seines Wohn- und Arbeitsortes Geld ausgibt. Dazu gehören Tagesausflügler und übernachtende Touristen. Als Tourismus zählt gemäss offizieller, international geltender Statistik der Freizeitverkehr und die Ferienaufenthalte sowie der Geschäftstourismus.
Der Tourismus ist ein heterogener Wirtschaftszweig. Dazu gehören die für den Tourismus als charakteristisch betrachteten Branchen des Gastgewerbes, des Personenverkehrs, der Reisebüros oder des Bereichs Unterhaltung, Kultur und Sport. Sie werden in der Statistik als touristische Leistungsträger bezeichnet. Von den Ausgaben der Besucherinnen und Besucher profitieren aber auch Branchen, welche in der öffentlichen Meinung nicht als touristisch betrachtet werden. Beispiele sind etwa der Detailhandel oder die Landwirtschaft.
Diese volkswirtschaftliche Sicht des Tourismus wird von der Statistik gestützt. Die UNO hat ein Konzept für ein Satellitenkonto "Tourismus" der "Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung" genehmigt, welches gegenwärtig in der Schweiz vom Bundesamt für Statistik (BFS) und vom Staatssekretariat für Wirtschaft seco erarbeitet wird. Aufgrund dieser Arbeiten kann festgestellt werden, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus oft unterschätzt wird. Der Anteil der zusammengefassten tourismusabhängigen Branchen am Bruttoinlandprodukt und die von diesem Phänomen ausgelösten Beschäftigungswirkungen sind höher als vermutet.
Tatsächlich fliessen die Ausgaben der Besucher in eine Vielzahl von Unternehmungen und Branchen einer Volkswirtschaft. Der Tourismus hat als Querschnittsaufgabe eine volkswirtschaftliche Bedeutung. Er bringt auch dem Staat zusätzliche Einnahmen in Form von Steuern und Abgaben. Die touristischen Impulse tragen auch zur Verstetigung der Beschäftigung bei, da sie zusätzliche Arbeit für Neu- und Quereinsteiger und für in anderen Wirtschaftszweigen freigesetzte Arbeitnehmer schafft. In den ländlichen Gebieten, gibt es kaum wertschöpfungsstärkere Entwicklungsalternativen. Auch der aussenwirtschaftliche Beitrag des Tourismus wird häufig vernachlässigt. Sofern die Besucher von ausserhalb eines Landes oder eines Kantons kommen, haben ihre Ausgaben in einer gegebenen Volkswirtschaft Exportcharakter und lösen eine Multiplikatorwirkung aus.
3.2 Schweiz als Tourismusland
Die Schweiz ist weltweit bekannt als Tourismusland. Das starke Image beruht auf der Tatsache, dass innovative Hotel- und Bergbahnunternehmer bereits vor über hundert Jahren den modernen Tourismus erfanden. Sie verkauften Träume, indem sie die alpine Landschaft als Paradies auf Erden darstellten. Sie inszenierten für die Gäste touristische Erlebnisse, welche einzigartig waren. Das moderne Destinationsmanagement oder die Freizeitparks haben diese Grundideen des touristischen Geschäftsprozesses übernommen.
Die langjährige touristische Spezialisierung der Schweiz drückt sich im Anteil der tourismusabhängigen Wertschöpfung am Bruttoinlandprodukt (BIP) aus. Das BIP gibt den von einer Wirtschaft im Laufe einer bestimmten Periode geschaffenen Brutto-Wertzuwachs an (inklusive Abschreibungsaufwendungen abzüglich Vorleistungen). Aufgrund der neuesten Berechnungen beträgt der Anteil der direkt von den Ausgaben der in- und ausländischen Besucher stammenden touristischen Wertschöpfung rund 4% des BIP. Dieser Anteil nahm aufgrund der bestehenden Wachstumsschwäche des Schweizer Tourismus und des massiven konjunkturellen Einbruchs in den letzten zehn Jahren um rund ein Prozent ab. Er ist im Vergleich zu anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften noch immer sehr hoch.
Übersicht 2
Grafik: Beitrag des Tourismus an das BIP der Schweiz in %
Quelle: Berechnungen aufgrund von Betriebszählung nach Arbeitsstättenebene und Produktionskonto 1998 des BFS, Berechnungen / Schätzungen seco
Gesamtschweizerisch erzielt der aggregierte Tourismussektor eine ähnlich hohe Bruttowertschöpfung wie der Bereich "Chemie und Pharmazie" oder das Baugewerbe. Er ist grösser als der Sektor "Maschinen und Fahrzeuge" (Übersicht 2). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die direkt von tourismusabhängigen Branchen erzielte Wertschöpfung nur bedingt ein guter Indikator ist. Der Tourismus kann nur aufgrund einer statistischen Abstraktion als Sektor begriffen werden. Er ist und bleibt Nachfrage oder Konsum. So betrachtet, müssten auch die indirekten Wirkungen der touristischen Ausgaben auf die Vorleistungs- und Investitionsnachfrage der tourismusabhängigen Unternehmen sowie die Einkommenseffekte berücksichtigt werden. Nimmt man die direkt und indirekt von den touristischen Ausgaben ausgelöste Bruttowertschöpfung, beträgt diese für die Schweiz 6,4%.
Die direkten und indirekten Beschäftigungsanteile des Tourismus sind höher als die BIP-Anteile. Der Grund liegt darin, dass der grössere Teil der tourismusabhängigen Branchen eine niedrigere Arbeitsproduktivität als die Industrie und der Dienstleistungssektor aufweist. Ein Teil der touristischen Dienstleistungen im Bereich der individualisierten Betreuung von Gästen oder der Beherbergung oder Verpflegung kann nicht beliebig wegrationalisiert werden. Aus diesem Grund weist der Tourismus interessante Beschäftigungsmöglichkeiten für praktisch begabte und sozial kompetente Menschen auf, welche in einer immer kopflastigeren Arbeitsgesellschaft oft keine passende Stelle finden. Der in Vollzeitäquivalenten berechnete direkte touristische Beschäftigungseffekt beträgt in der Schweiz 175'000 bis 190'000 Stellen, was 5,5% bis 6% des Totals der schweizerischen Beschäftigung ausmacht. Dieser Anteil erhöht sich um 80'000 bis 90'000 Arbeitsplätze, wenn die indirekten Beschäftigungseffekte berücksichtigt werden.
Die Ausgaben der in- und ausländischen Besucher sind regional ungleich verteilt. Es gibt Kantone und Landesteile, welche in hohem Masse tourismusabhängig sind. Dazu gehören insbesondere die alpinen und voralpinen Berg- und Seengebiete. Sie sind vor allem im Ferien- und Aufenthaltstourismus stark. Der touristische Wertschöpfungsanteil beträgt in Zentren wie St. Moritz oder Zermatt über 80%. Er liegt im Kanton Graubünden bei 50% und im Wallis bei 25% (Übersicht 3). Nimmt man lediglich die Hotelübernachtungen, so sind die schweizerischen Grossstädte die grössten Tourismuszentren. Zürich mit 2,2 Millionen Logiernächten und Genf mit 1,9 Millionen Logiernächten weisen im Verhältnis zu Zermatt mit 1,1 Millionen Logiernächten und Davos mit 0,8 Millionen Logiernächten fast die doppelt so hohe Logiernächtezahl aus. Nimmt man allerdings die Übernachtungen in der Parahotellerie dazu, sind die beiden Tourismusorte etwa ähnlich gross wie die erwähnten Grossstädte.
Übersicht 3
Grafik: Beiträge des Tourismus an regionale Bruttoinlandprodukte BIP
Quelle: seco 2001
Die Schweiz ist aber nicht nur eine alpine Destination. Sie verfügt auch im Mittelland und am Juranord- und -südfuss über attraktive touristische Potentiale, welche zunehmend entwickelt werden. So haben etwa in den letzten Jahren mittlere Städte und kleinere Kantone wie Rapperswil, Winterthur, Schaffhausen oder Solothurn begonnen, den Tourismus zu fördern. Die Kantone mit Juraanteil möchten gemeinsam ihre touristischen Attraktionen vermarkten. Sie sind daran, eine touristische Marke "Watch Valley" aufzubauen. Die Entwicklung und die Vermarktung touristischer Produkte wird um die Uhrmacher-Tradition herum aufgebaut, da die bisher einseitige Ausrichtung auf die Nutzung natürlicher Ressourcen keine grossen Erfolge für einen wertschöpfungsstarken Tourismus brachte. Dabei wird vor allem auf Tagesausflügler, Kurzaufenthalter und Geschäftstouristen gesetzt.
Eine volkswirtschaftliche Analyse des Schweizer Tourismus wäre nicht vollständig, würde nicht auf den Exportcharakter der Ausgaben der ausländischen Gäste hingewiesen. Der Tourismus ist aufgrund der Ertragsbilanz der drittgrösste schweizerische Exportsektor. Er ist der grösste Posten der Dienstleistungsbilanz (Übersicht 4).
Übersicht 4
Grafik: Aussenwirtschaftlicher Beitrag des Tourismus im Dienstleistungsbereich
Quelle: SNB
3.3 Stellenwert des Tourismus im Kanton Basel-Landschaft
Die Wertschöpfungsstudie über den Tourismus im Kanton Basel-Landschaft (4) gibt umfassend Auskunft über den Stellenwert des Tourismus in diesem Kanton. Grundlage für die Erarbeitung der Wertschöpfungsstudie bildete das Jahr 2001. Die Studie zeigt, dass Baselland ein stark besuchtes Gebiet ist. Überraschend ist insbesondere die hohe Anzahl Tagesgäste, die mit rund 3,2 Millionen Besuchern eruiert wurde. Die Zahl der übernachtenden Besucherinnen und Besucher wird mit knapp 600'000 Übernachtungen veranschlagt. Die Zahl der übernachtenden Gäste in den kommerziell betriebenen Beherbungseinrichtungen ist ähnlich gross wie die in einem mittleren schweizerischen Kurort. Bedeutsam sind die Verwandten- und Bekanntenbesuche.
Die Aufteilung der Frequenzen auf die verschiedenen Besucherkategorien zeigt, dass die Tagesgäste im gut erreichbaren Baselbiet bei weitem überwiegen (Übersicht 5).
Übersicht 5
Quelle: Rütter + Partner, BFS
Im Kanton Basel-Landschaft beträgt die direkte Wertschöpfung der tourismusabhängigen Unternehmungen und Branchen am kantonalen Bruttoinlandprodukt (BIP) 1,3%. Sie ist etwa gleich hoch wie diejenige der Landwirtschaft und liegt damit weit unter den BIP-Anteilen der wichtigsten Industrien und Dienstleistungsbranchen des Kantons (Übersicht 6).
Übersicht 6
Grafik: Direkter Anteil des Tourismus am kantonalen Bruttoinlandprodukt (BIP) 2001
Quelle: Rütter + Partner
Sofern die Vorleistungskäufe und die Investitionen der touristischen Leistungsträger sowie die Einkommenseffekte berücksichtigt werden, so beträgt der gesamte durch den Tourismus ausgelöste Wertschöpfungsanteil im Kanton Basel-Landschaft rund 2% des BIP.
Der Detailhandel profitiert am stärksten vom Tourismus, obwohl er nicht als charakteristische touristische Branche gilt. Eine grosse touristische Bedeutung hat auch das Gaststätten- oder Restaurationsgewerbe. Der Anteil der als "touristische Leistungsträger" bezeichneten Branchen ist im Baselbiet geringer als im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Diese Besonderheit ist auf den hohen Anteil an Tagesausflüglern und die relativ schwache Beherbergungsstruktur zurückzuführen (Übersicht 7).
Übersicht 7
Grafik: Direkt tourismusabhängige Wertschöpfung in einzelnen Wirtschaftszweigen in Basel-Landschaft
Quelle: Rütter + Partner
Der direkt über die Ausgaben der Besucher bewirkte Beschäftigungsanteil ist mit rund 2'100 Vollzeitäquivalenten oder 2,1% der Beschäftigung relativ beachtlich.
Ein Vollzeit-Äquivalent wird in einem von Saison- und Temporärarbeit geprägten Sektor als das auf eine Vollzeit-Beschäftigung umgerechnete Arbeitsvolumen betrachtet. Es handelt sich um einen statistischen Wert, welcher nicht die Anzahl der physischen Personen wiedergibt. In der Praxis können zwei oder gar mehrere temporär Arbeitende hinter einem Vollzeitäquivalent stehen. Wegen des geringeren Anteils an dienstleistungsintensiven gastgewerblichen Stellen liegt im übrigen die touristische Arbeitsproduktivität im Baselbiet über dem Niveau der übrigen Schweiz (Übersicht 8).
Übersicht 8
Grafik: Direkt tourismusabhängige Beschäftigung in einzelnen Wirtschaftszweigen in Basel-Landschaft
Quelle: Rütter + Partner
In der Wertschöpfungsstudie wurde das Kantonsgebiet nach touristischen Kriterien in Regionen aufgeteilt, um die räumliche Verteilung der touristischen Wertschöpfung vorzunehmen. Es zeigte sich, dass die einzelnen Gebiete unterschiedlich von der touristischen Wertschöpfung profitieren. Die Jurahöhen weisen den höchsten touristischen Wertschöpfungsanteil auf (3,2%). Die vorwiegend ländliche Region "Baselbiet Land" (gemäss Wertschöpfungsstudie Gemeinden Liestal, Sissach, Bubendorf, Gelterkinden, Ettingen und Pfeffingen) hat den geringsten Anteil. Es zeigte sich, dass die Landwirtschaft heute noch wenig Nutzen aus dem Direktverkauf an Besucher ziehen kann (Übersicht 9).
Übersicht 9
Grafik: Aufteilung der direkten tourismusabhängigen Wertschöpfung auf verschiedene Kantonsgebiete
Quelle: Rütter + Partner
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Fussnote: