Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Gesetzesinitiative "für eine kostengerechte Vergütung von Solarstrom" (Baselbieter Solarinitiative) und betreffend Änderung des Energiegesetzes als Gegenvorschlag | |
| vom: | 10. September 2002 | |
| Nr.: | 2002-214 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
4. Übersicht über die Solarstromgewinnung und den Solarstrommarkt mit besonderer Berücksichtigung der Baselbieter Verhältnisse
4.1 Die direkte Solarstromgewinnung ( = Photovoltaik)
Solarzellen wandeln Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um. Der so erzeugte Gleichstrom (entspricht "Batteriestrom") kann entweder im netzunabhängigen Inselbetrieb mittels Batterien gespeichert oder für den netzparallelen Betrieb in Wechselstrom umgewandelt werden. Netzparallel bedeutet, dass der von der Solaranlage erzeugte Strom in das öffentliche Netz eingespeist wird. Bei der Solarinitiative und bei der kantonalen Solarstromförderung geht es nur um netzparallele (auch netzgekoppelt genannte) Anlagen.
Ein Quadratmeter (1 m 2 ) Solarzellenfläche produziert pro Jahr etwa 90 bis 125 kWh Wechselstrom, davon im Winterhalbjahr ungefähr einen Drittel und im Sommerhalbjahr zwei Drittel. Für einen sparsamen Haushalt ist eine installierte Leistung von 3 bis 4 kW (Kilowatt; entspricht 25 bis 35 m 2 Kollektor-Fläche) notwendig, um eine Vollversorgung - allerdings unter Inanspruchnahme von Dienstleistungen des öffentlichen Netzes - zu erreichen. Eine solche Anlage verursacht Investitionskosten von 30'000 bis 40'000 Franken.
Die Technik der Solarstromgewinnung wurde erst 1954 entdeckt und zuerst in der Raumfahrt genutzt. Im Kanton Tessin ging vor 20 Jahren die erste netzgekoppelte Photovoltaikanlage in Betrieb. Es war die erste solche Anlage Europas. Im Kanton BL ging in Liestal die erste Anlage vor 14 Jahren ans Netz. An die Investitionskosten für diese Anlage - und die nachfolgenden Anlagen - bezahlte der Kanton einen hohen Förderbeitrag.
In den letzten 20 Jahren hat die Photovoltaik weltweit - besonders auch in der Schweiz - bedeutende technische und ökonomische Fortschritte aufzuweisen. In der Schweiz konnte z.B. der spezifische Systempreis seit 1989 von 25 Franken/Watt auf heute unter 10 Franken/Watt gesenkt werden.
Man rechnet heute damit, dass die mittlere Lebensdauer von Solarstromanlagen über 20 Jahre beträgt .
Leider ist Solarstrom immer noch sieben bis zehnmal teurer als Strom aus neu erstellten Kraftwerken (1.- Fr. bis 1.2 Fr. pro kWh). Gemäss dem "Konzept des BFE [Bundesamt für Energie] für das Programm Photovoltaik 2000 - 2003" ist bis zum Jahr 2010 unter Fortsetzung der bisherigen Marktentwicklung mindestens mit einer Kostenhalbierung gegenüber dem Jahr 2000 zu rechnen, wobei dafür keine technologischen Sprünge erforderlich sein sollen.
Für eine allgemeine Wirtschaftlichkeit in unseren Breitengraden ist jedoch eine Kostenreduktion um mindestens einen Faktor fünf (bei den aktuellen Strompreisen) gegenüber heute notwendig. Die Wirtschaftlichkeit von netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen ist damit derjenige Bereich, welcher angesichts anderer Energieerzeuger für seine volle Entfaltung die längste Zeit in Anspruch nehmen wird. Eine verstärkte Praxisanwendung ist aber wichtig, damit der Forschungs- und Entwicklungsbereich nicht aus dem Wirtschaftsstandort "Nordwestschweiz" verschwindet.
Beim Solarstrom handelt es sich wie bei den Wasser- und Windkraftwerken um eine hochwertige, lokal erzeugte erneuerbare Energieform, die während des Betriebs keine Ressourcen verbraucht und am Ort der Erzeugung keine Emissionen (Lärm, Luftverschmutzung) verursacht. Da die Stromerzeugung bei der Photovoltaik ohne bewegliche Teile auskommt, sind Verschleiss und Wartung der Anlagen gering. Die Technik bietet Gesamtsysteme mit hoher Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit an. Es gibt genügend Fachleute. Die Technologie funktioniert gut, die Akzeptanz ist hoch.
Dem Energie-Forschungsbericht 2001 des Bundesamtes für Energie (BFE) ist zu entnehmen, dass das Jahr 2001 für das Programm Photovoltaik (PV) durch eine Konzentration auf anwendungs- und marktorientierte Projekte im nationalen und internationalen Rahmen gekennzeichnet war. Insgesamt wurden letztes Jahr in der Schweiz rund 80 Forschungs-, Entwicklungs- und Pilotprojekte mit Unterstützung der öffentlichen Hand durchgeführt. Besonders hervorzuheben sind fortschreitende Arbeiten zur Umsetzung im Bereich der Dünnschicht-Solarzellen, Gebäudeintegration der Photovoltaik und Anstrengungen zur Qualitätssicherung von Photovoltaikmodulen. (Details über die Projekte im 300-seitigen "Bericht Photovoltaik", Ausgabe 2002, des BFE. Internet-Adresse www.photovoltaik.ch). Einer Forschungsgruppe der ETH Zürich ist es beispielsweise kürzlich gelungen, biegsame Solarzellen auf Kunststofffolien mit gutem Wirkungsgrad zu entwickeln. Ein grosses Potenzial haben solche Dünnschicht-Solarzellen in der Architektur. Vorgefertigte Module lassen sich einfach in Fassaden integrieren.
4.2 Der Solarstrommarkt in Kürze
Auch im Jahr 2001 haben die Verkäufe von Solarstrommodulen auf dem Weltmarkt wieder um 25 % zugenommen.
Letztes Jahr wurden in der Schweiz rund 125 neue Solarstrom-Netzverbundanlagen mit etwa 1,9 Megawatt (MW) Gesamtleistung an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Dies ist die grösste je in der Schweiz pro Jahr installierte Leistung. Am 31. Dezember 2001 spiesen etwa 1450 Solarstromanlagen (= Photovoltaikanlagen) mit einer Solarleistung von gesamthaft 15 MW Solarstrom in das Schweizer Stromnetz ein. Zum Vergleich: Die maximale Leistung des Kraftwerks Birsfelden beträgt 100 MW.
Im Kanton BL wurden letztes Jahr Anlagen mit einer Leistung von 20,3 kW in Betrieb genommen. Ende 2001 spiesen im Baselbiet 114 Solarstromanlagen mit einer Solarleistung von 977 kW (= 0.977 MW) Solarstrom in das Stromnetz ein. Erzeugt werden damit jährlich rund 830'000 kWh, genug für 250 bis 300 Haushalte. Ungefähr drei Viertel davon werden - als sogenannt überschüssiger Strom - von den dezentralen Produzentinnen und Produzenten ins öffentliche Netz eingespiesen. Mit Solarstrom kann damit 0.046 % des Strombedarfs im Kanton abgedeckt werden. Im schweizerischen Durchschnitt beträgt der Solarstromanteil 0,02 % des gesamten Stromverbrauchs. Im Kanton stagniert die Solarstromproduktion seit 1996. Der Grund liegt darin, dass sich der Zubau neuer Anlagen abschwächte. Erst seit 1999 - wahrscheinlich als Folge des 1998 neu lancierten kantonalen Förderprogramms - ist im Kanton wieder ein moderater Zuwachs feststellbar.
Die politischen Randbedingungen für die Förderung des Solarstroms sind in der Schweiz sehr unterschiedlich. Die Marktentwicklung wird in erster Linie durch die sogenannten Solarstrombörsen vorangetrieben. In verschiedenen Teilen der Schweiz - auch in Basel und im Einzugsgebiet der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) - werden bestimmte Mengen (Jahreskontingente) von Solarstrom von den Elektrizitätswerken kostendeckend übernommen und an Kunden vermarktet. In Zürich, Basel und anderen Solarstrombörsen der Schweiz wird den Produzentinnen und Produzenten für Strom aus ihren Anlagen für eine bestimmte Dauer eine kostendeckende Vergütung garantiert, z.B. in Basel für 20 Jahre. Damit wird den Besitzern garantiert, dass sie nicht plötzlich über nicht amortisierbare Anlagen verfügen.
Fortsetzung >>>
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