Vorlage an den Landrat


2. Ausgangslage

Für Jugendliche mit entsprechender Begabung, die sich grosse sportliche Ziele gesteckt haben, ist es oft nicht einfach, Sport und Schule unter einen Hut zu bringen. Es stellt sich die Frage, ob das Nebeneinander von Schulausbildung, Leistungssportkarriere und Freizeit überhaupt möglich ist. Wer im Leistungssport und gleichzeitig in der Schule erfolgreich sein möchte, muss sich dafür ausserordentlich stark engagieren, oft auf Kosten der persönlichen Freizeit. So sind je nach Sportart tägliche Trainingseinheiten nötig, um mindestens den Anschluss an die nationale Spitze zu gewährleisten. Wenn das Nebeneinander von Schulausbildung, Leistungssport und Freizeit (soziales Leben) den jungen Menschen die angestrebte Erfüllung bringen soll, dann müssen alle drei Partner (Schule, Sportverband, Eltern) nach Lösungsmöglichkeiten suchen.


Eine sehr geeignete Lösung ist die Schaffung von Sportklassen, welche Schule und Sport ideal miteinander verbinden können und sowohl im schulischen, wie auch im sportlichen Bereich Erfolge möglich machen. Der Kanton Basel-Landschaft ging vor bald zwei Jahren mit gutem Beispiel voran und lancierte eine erste Sportklasse auf der Sekundarstufe I. Mit der Genehmigung der Landratsvorlage und des Verpflichtungskredits in der Höhe von 1.239 Millionen Franken für die Durchführung dieses Sportklassenversuchs sprachen sich der Regierungsrat (17. August 1999) und der Landrat (24. Februar 2000) für eine gezielte Förderung des Leistungssports aus.


Am 14. August 2000 wurde der Sportklassenversuch an der Sekundarschule Pratteln mit 16 Schülern und 4 Schülerinnen in einer Mehrjahrgangsklasse gestartet. Aus 43 Bewerbungen wurden 20 Schülerinnen und Schüler ausgewählt. Die meisten der nicht berücksichtigten Schülerinnen und Schüler erhielten in ihrer Schule eine Individuallösung mit Stundenentlastung und Freistellung für Wettkämpfe und Trainingszusammenzüge.


Die bisherigen Erfahrungen sind vorbehaltlos positiv. Die Schülerinnen und Schüler erbringen in der Schule und im Training gute Leistungen. Die Trainerinnen und Trainer können mit ihren Schützlingen optimal trainieren und sind mit dem erbrachten Engagement sehr zufrieden. Dies hat sich bereits im ersten Jahr mit Titeln und Medaillen an Schweizermeisterschaften in den Sportarten Kunstturnen, Tennis, Tischtennis und Schwimmen positiv ausgewirkt. Eine Schülerin konnte sogar an den Juniorinnen-Europameisterschaften in der Rhythmischen Gymnastik teilnehmen. Zudem sind alle Schülerinnen und Schüler Mitglied eines regionalen oder nationalen Nachwuchskaders.


Diese Erfolge zeigen, dass der Kanton mit der Sportklasse auf dem richtigen Weg ist. Stark gefordert in dieser Mehrjahrgangsklasse sind allen voran die Lehrpersonen, welche sich aber mit einem ausserordentlichen Engagement profiliert haben.


Ende Schuljahr 2000/2001 sind sechs Schüler aus der Klasse ausgetreten, fünf Viertklässler und ein Zweitklässler. Letztgenannter ist in eine Zürcher Fussballschule eingetreten.


Für die fünf Viertklässler konnten folgende Anschlusslösungen gefunden werden:

Nach diesen sechs Austritten und einer Neuaufnahme besuchen im laufenden Schuljahr 15 Schülerinnen und Schüler die Sportklasse in Pratteln. Mit über 60 weiteren Schülerinnen und Schülern wurden in Absprache mit den Schulleitungen auf der Sekundarstufe I Individuallösungen gefunden.


Per Ende Schuljahr 2001/2002 werden zehn Viertklässlerinnen und Viertklässler aus der Sportklasse austreten, fünf Progymnasiastinnen und Progymnasiasten, vier Sekundarschülerinnen und Sekundarschüler der allgemeinen Abteilung und ein Realschüler. 16 der über 60 Individuallösungen auf der Sekundarstufe I betreffen Viertklässlerinnen und Viertklässler. Zahlreiche von ihnen möchten ins Gymnasium oder in die DMS-3 eintreten, aber gleichzeitig ihre Sportlaufbahn im ähnlichen Rahmen wie bisher fortsetzen können. Somit braucht es Anschlusslösungen, damit alle den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen können. Dies war in diesem Sinn auch in der Landratsvorlage 1999/162 vorgesehen.


In der Region Basel gibt es auf der Sekundarstufe II bereits eine Sportklasse. Parallel zum Start des Baselbieter Sportklassenversuchs wurde am Gymnasium Bäumlihof in Riehen/Basel eine gymnasiale Sportklasse eingerichtet. Diese verfügt über eine etwas andere Struktur als jene auf unserer Sekundarstufe I:

Zur Zeit besuchen 18 Schülerinnen und Schüler die 1. Sportklasse und 19 die 2. Sportklasse (8. und 9. Schuljahr) am Gymnasium Bäumlihof.


Im Berufsbildungsbereich werden in Absprache mit den Schulleitungen spezielle Individuallösungen vereinbart, damit sportbegabte Jugendliche Sport und Ausbildung sinnvoll miteinander verbinden können. Beispiel: Ein Kunstturner, der seine Lehre bei der Erziehungs- und Kulturdirektion absolviert und die Teilnahme an den Junioreneuropameisterschaften im Visier hat, wurde im KV Liestal in zwei Klassen eingeteilt, so dass er an vier Vormittagen in die Berufsschule gehen und dadurch an den Nachmittagen trainieren kann.


Der Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion erteilte einer Projektgruppe den Auftrag, eine Landratsvorlage für eine Sportklasse auf der Sekundarstufe II zu erarbeiten.


Die dreiköpfige Projektgruppe setzte sich wie folgt zusammen:


Fortsetzung >>>
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