Vorlage an den Landrat
| Geschäfte des Landrats || Parlament | Hinweise und Erklärungen |
Vorlage an den Landrat |
|
| Titel: | Bewilligung des Verpflichtungskredites für den Bau einer Holzschnitzelfeuerung im Fernheizkraftwerk Liestal | |
| vom: | 27. November 2001 | |
| Nr.: | 2001-288 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
6. Gewählte Lösung
6.1 Projektbeschreibung
6.1.1 Nachrüsten der BHKW 1+2 mit einer Abgasreinigungsanlage
Nach dem seit 1995 erfolgreichen Betrieb des Harnstoff-Katalysators auf einem der 3 BHKW's werden die weiteren 2 BHKW's nachgerüstet. Der Stickoxydemissionsgrenzwert von 70 mg/Nm 3 bei reinem Erdgasbetrieb kann dadurch problemlos eingehalten werden.
6.1.2 Holzschnitzelfeuerung
Dimensionierung
Die Wärmeabgabe ab FHKW erfolgt in 3 Formen;
| - | Dampfnetz 180 °C (10 bar) für Zentralwäscherei; |
| - | Hochtemperaturnetz 180 °C als Prozessenergie für Zentralwäscherei, Spital und Industrie; |
| - | Mitteltemperaturnetz 120 °C vor allem für Raumheizung. |
Das ständig anfallende Deponiegas muss in erster Priorität in einer der 4 Kesselanlagen verbrannt werden. In zweiter Priorität werden die BHKW-Einheiten 1 - 3 mit Erdgas betrieben.
Damit die Holzschnitzelheizung möglichst wirtschaftlich betrieben werden kann, muss die Jahresbetriebsdauer möglichst hoch sein. Dazu muss die Anlage Hochtemperaturwärme (180 °C) erzeugen. Unter diesen Randbedingungen wird die Holzschnitzelfeuerung mit einer optimalen Leistung von 4.5 MW bei einer Betriebsdauer von 4'400 Vollbetriebsstunden pro Jahr ca. 20'000 MWh Wärme produzieren. Dies entspricht ungefähr einem Drittel der gesamten Wärmeabgabe des FHKW.
Dadurch reduziert sich - unter Berücksichtigung des Jahreswirkungsgrades - auch der jährliche Erdgasverbrauch des FHKW von ca. 42'000 MWh (Betriebsjahr 2000/01) auf ca. 22'000 MWh. Der gesamte Primärenergiebedarf (Heizöl, Erdgas, Deponiegas) des FHKW für die Produktion von Wärme und Strom lag im Betriebsjahr 2000/01 bei ca. 62'000 MWh.
Brennstoff
Der Jahresbedarf für die Holzschnitzelfeuerung beträgt ca. 30'000 m3 Hackschnitzel ( 11'000 Fest-m3). Diese bestehen voraussichtlich aus:
| - | 50 % Waldhackschnitzel (entspricht ca. 15'000 m3 Hackschnitzel); |
| - | 10 % Hackschnitzel aus Sägereirestholz; |
| - | 40 % Hackschnitzel aus Landschaftspflegeholz. |
Die Schnitzelanlieferung erfolgt mit 8 - 10 Containern pro Tag.
Aktuell bleiben im Kanton Basel-Landschaft jährlich ca. 50'000 m3 Waldhackschnitzel ( 18'500 Fest-m3) ungenutzt. Entsprechend einer der Zielsetzungen des kantonalen Energiegesetzes - Förderung der energetischen Verwertung einheimischen Waldholzes -, sollen die Waldholzschnitzel aus Wäldern in der Region stammen.
Die Hackschnitzel aus Landschaftspflegeholz sollen in erster Linie aus den vom Kanton unterstützten Projekten des Natur- und Landschaftsschutzes (Waldrandpflege etc.) und aus der Hecken- und Landschaftspflege entlang von Kantonsstrassen und Autobahnen stammen.
Anlage
Bei Holzschnitzelfeuerungsanlagen in dieser Grösse kann heute von einer ausgereiften Technik und einer hohen Verfügbarkeit ausgegangen werden. Auch der Wirkungsgrad von Holzschnitzelfeuerungen konnte in den letzten Jahren erhöht werden. Die projektierte Anlage soll einen Kesseljahreswirkungsgrad von 85% und damit einen annähernd gleich guten Wert wie eine Oel- oder Gasfeuerung erreichen.
Die Hackschnitzel werden in Containern angeliefert, in die Abladegrube gekippt und von dort in das Schnitzelsilo gefördert. Der Inhalt des Schnitzelsilos beträgt ca. 1'000 m3, was ungefähr einem Wochenbedarf entspricht.
Die Rauchgasreinigung - vor allem zur Reduktion der Staub- und Stickoxydemissionen - besteht aus einem Textilfilter und einer Entstickungsanlage. Die gereinigten Rauchgase werden in das bestehende Hochkamin eingeleitet. Die gesamte Anlage läuft vollautomatisch. Die wichtigsten Informationen werden an das zentrale Leitsystem des FHKW übertragen. Ab dort erfolgt auch die Steuerung.
Gebäude
Für die Holzschnitzelfeuerung wird südlich des Kesselhauses ein Anbau erstellt.
Der Anbau besteht aus Kesselhaus, Holzfeuerung, überdeckte Durchfahrt mit Abladegrube und dem Holzschnitzelsilo.
Abbildung 8: Fotomontage Anbau Holzschnitzelfeuerung
Betrieb
Aus Erfahrung von bestehenden ähnlichen Anlagen wird von einem durchschnittlichen Personalaufwand für Überwachung und Behebung allfälliger Störungen von 1/3 Stelle ausgegangen. Dank von im Laufe der letzten Jahre erfolgten Verbesserungen in den Betriebsabläufen kann der durch die Holzschnitzelfeuerung ausgelöste Zusatzaufwand mit dem heutigen Personalbestand bewältigt werden.
6.2 Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft
6.2.1 Umwelt
In einer extern in Auftrag gegebenen ökologischen Beurteilung wurde die Holzschnitzelfeuerung mit einer Gas-/ Ölfeuerung verglichen. Es wurden die globalen (z.B. Treibhauseffekt) und die regionalen Auswirkungen auf die Umwelt (z.B. Ozonbelastung) betrachtet.
Globale Betrachtung
Zur Beurteilung der globalen Umweltauswirkungen wurden die beiden Feuerungen mit Hilfe einer Ökobilanz verglichen. Diese kommt zum Schluss, dass die Umweltbelastung der Holzschnitzelfeuerung bedeutend tiefer liegt als die der Erdgas-/Ölfeuerung. Dabei entscheidend sind die geringen Auswirkungen auf das Treibhauspotential (CO
2
) und die Schonung der Ressourcen bei der Holzschnitzelfeuerung (nachwachsendes Holz statt endliche fossile Energie). Die Substitution von Erdgas durch Holz gemäss geplanter Anlage entspricht dem Energieinhalt von 2 Mio. Liter Heizöl pro Jahr. Dies entspricht 100 Tanklastwagen a ca. 20'000 Liter.
Die Schweiz hat sich aufgrund der Mitunterzeichnung des Kyotoprotokolls das Ziel gesetzt, den CO 2 -Ausstoss - auf Basis von 1990 - bis 2010 um 10% zu reduzieren. Das Projekt Holzschnitzelfeuerung im FHKW Liestal ist für den Kanton Basel-Landschaft ein wesentlicher Beitrag zum Erreichen dieses Zieles. Die Regierung will mit dem Bau der Holzschnitzelfeuerung ein konkretes Zeichen in Richtung nachhaltige Energiepolitik setzen und ist bereit, für die damit verbundene Reduktion der Umweltbelastung und Ressourcenschonung auch Mehrkosten in Kauf zu nehmen.
Regionale Betrachtung
Der Betrieb der Holzschnitzelfeuerung führt - im Vergleich zu einer äquivalenten Gas-/Ölfeuerung - auch zu Mehremissionen. Von den Mehremissionen sind regional betrachtet die Stickoxide und Staub relevant.
Die Gemeinden der Fernwärme Liestal liegen im kantonalen Massnahmengebiet für Stickoxide (verschärfter Grenzwert). Aus Rücksicht auf diese Situation sind im Projekt zur Reduktion der Emissionen dieser beiden Stoffe aufwändige Massnahmen vorgesehen (Entstickung, Staubfilter). Das Projekt basiert auf folgenden - die verschärften Grenzwerte massiv unterschreitenden - Zielwerten:
| - | Stickoxid < 100 mg/Nm3bei 11% O 2 | (verschärfter Grenzwert 150 mg/Nm 3 bei 11 % O 2 ) |
| - | Staub < 10 mg/Nm3bei 11% O 2 | (verschärfter Grenzwert 50 mg/Nm 3 bei 11 % O 2 ) |
Im übrigen liegen bei kleineren, dezentralen Holzfeuerungen die Emissionen der beiden Stoffe gegenüber der vorgeschlagenen zentralen Holzfeuerung um einen Faktor 2-3 höher.
Das Verkehrsaufkommen auf der Rheinstrasse bzw. Spitalstrasse erhöht sich durch die Anlieferung der Holzschnitzel um täglich 16 bis 20 Containerfahrzeuge (Hin- und Rückfahrt). Im Weitern ist im Winterhalbjahr - je nach Aussentemperatur - mit einer gegenüber der heutigen Situation über längere Zeit sichtbaren Dampffahne über dem bestehenden 60 Meter hohen Hochkamin zu rechnen.
In der Holzschnitzelfeuerung fallen jährlich ca. 150 to Asche an. Diese wird im Schlackenkompartiment der Deponie Elbisgraben eingelagert.
Gesamtbetrachtung
Die oben erwähnte ökologische Beurteilung kommt zum Schluss, dass in einer gesamtökologischen Betrachtung die Vorteile der Holzschnitzelfeuerung gegenüber einer Erdgas-/Oelfeuerung klar überwiegen.
6.2.2 Wirtschaft und Gesellschaft
Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft können zusammenfassend wie folgt dargestellt werden:
| - | Die Holzschnitzelfeuerung im Fernheizkraftwerk führt zu jährlichen Kapitaldienstmehrkosten von Fr. 350 000.-- (vgl. Kapitel 8.6). |
| - | Holzenergienutzung verbessert die Absatzmöglichkeiten für schwer verkäufliche Sortimente. Sie vermindert die Defizite der Forstrechnungen und motiviert die Forstdienste zu sorgfältiger Waldpflege; |
| - | Die Nutzung der Holzenergie ermöglicht eine höhere regionale und lokale Wertschöpfung. Sie trägt zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen und Einkommensmöglichkeiten in der Region bei. |
| - | Unsere Energieversorgung ist stark auf fossile Energieträger ausgerichtet. Eine vermehrte Holzenergienutzung verkleinert unsere Abhängigkeit vom Ausland; |
| - | Eine breitere Abstützung unserer Energieversorgung durch Förderung erneuerbarer Energieträger verkleinert unsere Krisenanfälligkeit bei Versorgungsengpässen oder politischen Konflikten. |
Fortsetzung >>>
Back to Top