Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Förderung des Obstbaues im Baselbiet | |
| vom: | 13. November 2001 | |
| Nr.: | 2001-280 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
II. Bericht des Regierungsrates
1. Entwicklung des Obstbestandes im Baselbiet
Ursprünge
Die Römer waren vor 2000 Jahren die Ersten, die einen namhaften Obstbau in unserer Gegend betrieben. Sie brachten die Kirsche aus dem Schwarzmeergebiet, und auch die Rebe. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass die landwirtschaftlich bewirtschaftete Fläche damals klein war. Der Wald herrschte vor.
Nachdem die Römer unsere Gegend verlassen hatten, nahm der Anteil des Waldes eher noch zu. Die Dörfer und die Fluren bildeten nur Inseln. Erst im 13. Jahrhundert fanden Rodungen im grösseren Stile statt. Die Dörfer wurden durch offene Korridore verbunden. Die Landwirtschaft wurde nach dem Dreizelgensystem betrieben: Wintergetreide, Sommergetreide, Brache. Auf diesen Flächen standen kaum Obstbäume. Sie waren auf die Gärten in der Nähe der Dörfer konzentriert.
Aufschwung der Kirsche
Im 19. Jahrhundert brach die Dreizelgenwirtschaft auf. Der Obstbau gewann an Bedeutung
(1)
. Schon damals wurde ein bedeutender Teil des Obstes ausserhalb des Kantons abgesetzt. Grosse Mengen von Obst wurden roh, viele Kirschen als Kirschwasser nach Basel und ins Elsass verkauft. Apfel- und Birnbäume standen zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Vordergrund, erst dann folgten die Kirschen in der Bedeutung. Diese nahmen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts am massivsten zu. Der Obstbau muss im 19. Jahrhundert recht üppig gewesen sein, allerdings liess die Pflege zu wünschen übrig. Eine Verbesserung hin zu Niederstammkulturen und Spalierobst war erst im Anlaufen.
Technische Entwicklung
Das 20. Jahrhundert war durch eine horrende technische Entwicklung geprägt. Nach einer Epidemie der Schrotschuss-Krankheit um 1930, welche Tausende von Kirschbäumen wegen Blattverlust "verhungern" liess, setzte die Zeit des chemischen Pflanzenschutzes ein. In den 50-er Jahren hielten die Traktoren breitflächig Einzug, in den 60-er Jahren kamen die Mähdrescher auf. Erst die 70-er Jahre mit der Ölkrise und den "Grenzen des Wachstums" des Club of Rome bewirkten ein erstes Nachdenken.
Gleichzeitig mit der technischen Entwicklung in der Landwirtschaft bestand eine grosse Nachfrage an Arbeitskräften in den andern Wirtschaftssektoren. Bauern und Bäuerinnen fanden leicht Arbeit.
All dies hatte zur Folge, dass der Feldobstbau unter Druck kam. Einerseits standen die Bäume den Traktoren mit den Anbaugeräten und den Mähdreschern im Wege. Andrerseits fehlten die kostengünstigen Arbeitskräfte, um die aufwändigen Pflege- und Pflückarbeiten zu bewältigen.
Entwicklung der Feldobstbäume (ohne Bezirk Laufen)
In den 60-er und 70-er Jahren führten neue Techniken zu kleineren Bäumen, die in Anlagen gepflanzt wurden. Von Feldobstbau spricht man, wenn eine bestimmte Baumdichte nicht überschritten wird (Kirschen 100 Bäume/ha, Äpfel, Birnen und Zwetschgen 300 Bäume/ha). Dichtere Bestände nennt man Anlagen.
Entwicklung der Obstbaumanlagen in Hektaren
| Kultur | 1971 | 1981 | 1991 | 2000 |
| Kirschen | 73 | 92 | 137 | 140 |
| Zwetschgen- und Pflaumen | 12 | 18 | 20 | 40 |
| Äpfel | 36 | 50 | 44 | 47 |
| Birnen | 3 | 4 | 6 | 6 |
| Total | 124 | 164 | 207 | 233 |
Es handelt sich bei den Anlagen um kleinkronige Bäume, die in Reihen mit einem Abstand von etwa 6 m und einem Abstand von Baum zu Baum von 5 m gepflanzt werden. Mitte der 70-er Jahre hat man begonnen, die Bäume auf schwache Unterlagen (= Wurzelwerk) zu stellen. So bleiben sie kleiner. Die Vorteile sind:
- Früherer Ertrag. Schon nach 6 - 7 Jahren ergibt sich eine Vollernte. Bei den Hochstammbäumen ist dies erst nach 15 bis 18 Jahren der Fall.
- Einfachere Pflege und Ernte mit weniger Unfallgefahr. Kleine Leitern genügen.
In den letzten Jahrzehnten stiegen auch die Anforderungen der Konsumentinnen und Konsumenten. Während früher etwas Schorf auf einem Apfel keinen Anstoss erregte, muss heute jede Frucht perfekt sein. Dabei mögen jene Kunden eine Ausnahme bilden, die gerne auch Bioobst einkaufen. Aber auch hier werden schon längst schöne, kräftige, saftige Früchte vorgezogen.
Die weltweite Mobilität und die Öffnung der Grenzen setzten die Landwirtschaft im Allgemeinen und den Obstbau im Speziellen unter Druck. Die mengenmässige Begrenzung der Einfuhr (sogenanntes Dreiphasensystem) wurde durch reine Zölle ersetzt, die zudem im Rahmen des WTO-Abkommens reduziert worden sind.
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Fussnote:
1 Epple R. und Schnyder A., Wandel und Anpassung, Die Landwirtschaft des Baselbiets im 19. Jahrhundert; Verlag des Kantons Basellandschaft 1996