Vorlage an den Landrat

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Titel: Wirtschaftsbericht 2000 Kanton Basel-Landschaft
vom: 5. Dezember 2000
Nr.: 2000-252
Bemerkungen: Inhaltsübersicht dieser Vorlage

4.2 Bildung

Die Nähe zum Wissen, zur Schule und zur Forschung hat in unserer Wirtschaftsregion eine zentrale Bedeutung. Ein qualitativ hochstehendes, modernes Bildungswesen ist die elementare Voraussetzung dafür, dass der Wirtschaft die von ihr benötigten qualifizierten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Zentrale Pfeiler der Bildungsinfrastruktur unserer Region bilden die Universität und die Fachhochschule. Die Vernetzungen zwischen diesen Institutionen werden forciert. Es laufen bereits heute mehr als ein halbes Dutzend gemeinsamer Vorhaben. Der verstärkte Wettbewerb unter Bildungsstätten und die hochgesteckten Ziele seitens der Auftraggeber verlangen eine Ausrichtung nach internationalen Standards. Ausgehend von hohen Ansprüchen bei der Auswahl neuer Dozierenden und Mitarbeitenden des Mittelbaus sowie verschiedenen Überprüfungen der Lehrqualität wird künftig ein noch stärkeres Gewicht auf ein professionelles Qualitätsmanagement gelegt. Dadurch soll in allen Leistungsbereichen eine permanente Qualitätsverbesserung erzielt werden. Eine weitere wichtige strategische Zielsetzung betrifft die Kompetenzerweiterung und Ressourcenoptimierung mittels Kooperationen. Aufgrund positiver Erfahrungen werden gemeinsame Projekte und Lehrangebote über die Grenzen einzelner Abteilungen und Institute hinaus noch weiter intensiviert.


4.2.1 Universität Basel

Der Kanton Basel-Landschaft ist für die Universität Basel ein zuverlässiger Partner, der sein Engagement sukzessive intensiviert. Mit der angestrebten Erhöhung des Uni-Beitrages um 10 Millionen Franken verleiht der Regierungsrat seiner Unterstützung für die Universität Basel Nachdruck.

Das intensive Bekenntnis des Kantons Basel-Landschaft zum Universitätsstandort Basel drückt sich unter anderem in der Absicht aus, den jährlichen Beitrag an die Kosten der Universität um 10 Millionen auf 89 Millionen Franken pro Jahr heraufzusetzen. Gleichzeitig soll das vom Kanton Basel-Landschaft getragene Angebot der Stiftung Mensch-Gesellschaft-Umwelt definitiv in das Leistungsangebot der Universität aufgenommen werden. Dem Europa-Institut sollen weiterhin 0.5 Millionen Franken jährlich zukommen; damit wird die Weiterführung eines Nachdiplomstudiengangs gewährleistet.

Der Vertrag mit Basel-Stadt über die gemeinsame Weiterentwicklung der Hochschule stammt in der gültigen Fassung aus dem Jahre 1996. Neuerungen, wie sie ab 1996 vor allem im Bereich der universitären Autonomie begonnen und umgesetzt worden sind, dürfen als gut beurteilt werden; sie sollen weitergeführt werden. Die Mitspracherechte des Kantons Basel-Landschaft bei der Formulierung der Universitätsstrategien werden als ausreichend empfunden.

Der bestehende Universitätsvertrag enthält die Erklärung der beiden Parlamente und Regierungen, dass die Zusammenarbeit im Universitätsbereich weiter entwickelt werden soll.

 

4.2.2 Fachhochschule beider Basel (FHBB)

Die vergleichweise noch junge Fachhochschule beider Basel behauptet sich im Prozess einer recht stürmischen Entwicklung gut. Sie ist in der Schweiz diejenige Fachhochschule, welche Kooperation gleich auf drei Ebenen betreibt: national, international und vor allem auch trinational.

Die Schwerpunkte der Fachhochschule liegen in der Optimierung der Studiengänge, der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung sowie dem Wissens- und Technologietransfer. Die Integration des tertiären Bereichs der Schule für Gestaltung Basel zu Beginn des Jahres 2000 bedeutete für die FHBB das Erreichen eines weiteren Meilensteins auf dem Weg zu einer leistungsfähigen Fachhochschule. Die vereinten Kompetenzen der Bereiche Technik (Bau und Industrie), Wirtschaft sowie Gestaltung führen zu einem reichhaltigen Angebot entlang der gesamten unternehmerischen Wertschöpfungskette. Sie ermöglichen zudem ein abgestimmtes Vorgehen bei der weiteren Optimierung der Studiengänge, beim Auf- und Ausbau der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung sowie bei der Realisierung eines professionellen Wissens- und Technologietransfers.

Die kürzlich entworfene strategische Planung der FHBB für die Jahre 2002 bis 2005 legt die weitere Schulentwicklung und eine Reihe von Zielsetzungen verbindlich fest. Es wird ein maximaler Kundennutzen und ein bedeutsamer Beitrag zur Stärkung des Wirtschafts- und Wissensstandorts Basel angestrebt. Der Ausbildungsweg Berufslehre über Berufsmatura zur Fachhochschule soll als hochwertige Karrieremöglichkeit in der Gesellschaft stärker verankert werden.

Die Kooperationen mit den Fachhochschulen Aargau und Solothurn (gegenwärtig mehr als 30 gemeinsame Projekte), mit der Universität Basel sowie mit zahlreichen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft (zum Beispiel mit der Handelskammer beider Basel, der Wirtschaftskammer Baselland und dem Gewerbeverband Basel) werden künftig noch intensiver betrieben.

Die FHBB beabsichtigt die Weiterentwicklung bestehender und neuer Kompetenzzentren. So werden Schwerpunkte in neuen Technologien entwickelt und ausgebaut. Zudem gilt die Aufmerksamkeit der Förderung des unternehmerischen Denkens und seiner Umsetzung in der Praxis.

Zur teilweisen Finanzierung sollen Aufträge von Dritten im Forschungsbereich akquiriert werden; ausserdem sollen Dienstleistungs- und Weiterbildungsangebote vermarktet werden. Mittelfristig sind Erträge aus Lizenzen und Patenten zu erwarten.

 

4.2.3 Trinationale Ausbildungsgänge

Mit der Trinationalen Ingenieurausbildung und dem International Business Management, der trinationalen Ausbildung von Betriebsökonominnen und -ökonomen, sind Studiengänge im Angebot der FHBB verankert, die wesentliche ausbildungs- und europapolitische Ziele erfüllen. Sie sind auf Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kompetenzen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit angelegt.

Im April 1997 hatten der Baselbieter Landrat und der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt bereits der Einrichtung des Pilotstudiengangs "Trinationale Ingenieurausbildung, Technisches Projektmanagement in Mechatronik" (bestehend aus Elementen der Elektrotechnik, des Maschinenbaus, der Elektronik und der Informatik) zugestimmt und dafür einen Sonderkredit im Zusammenhang mit Interreg II bewilligt. Partnerin und Partner der beiden Basel sind der französische Staat, die Region Elsass, das Departement Haut Rhin, das Land Baden-Württemberg und der Landkreis Lörrach. Die Studierenden sind an der FHBB, der Université de Haute Alsace in Mulhouse oder Colmar sowie an der Berufsakademie Lörrach eingeschrieben.

Ab 2003, wenn die Finanzierung über Interreg II zu Ende geht, wird die Trinationale Ingenieurausbildung zum Leistungsauftrag der FHBB gehören.

Der Studiengang International Business Management, das trinationale Studium für Betriebsökonominnen und -ökonomen, wurde analog konzipiert und hat im Oktober 2000 begonnen. Merkmal ist auch hier, dass die Studiengruppen und die Dozentenschaft trinational zusammengesetzt sind, die Studienorte wechseln und dass neben den Studienphasen Praxisphasen in international ausgerichteten Unternehmen stehen. Die Unterrichtssprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch. Im Anschluss an das achtsemestrige Studium kann in Edinburgh, Schottland, an der University of Edinburgh oder an der Heriot-Watt-University ein zwölfmonatiger MBA-Studiengang (Masters of Business Administration) absolviert werden.

Diese Ausbildungsgänge erfüllen eine wichtige europapolitische Funktion. Aus dieser Sicht dokumentieren sie die Handlungsfähigkeit einer europäischen Region und tragen dazu bei, die regionale Entscheidungs- und Handlungsebene gegenüber den Zentralinstanzen zu stärken.


 4.2.4 Lehrlingsausbildung

Die Lehrstellensituation im Kanton Basel-Landschaft hat sich verbessert. Die Umsetzung des Lehrstellenbeschlusses II wird helfen, die Lehrstellenknappheit und -problematik zu überwinden.

Die Lehrstellensituation im Kanton Basel-Landschaft hat sich verbessert, konnten doch dank des Lehrstellenbeschlusses I des Bundes wie auch der Anstrengungen der Wirtschaft per Sommer 1999 im Vergleich zu 1997 rund 250 zusätzliche Lehrstellen in unserem Kanton geschaffen und angeboten werden. Dieses Ergebnis ist erfreulich, doch ist die Lehrstellenknappheit und -problematik in unserem Kanton noch nicht ganz überwunden. Das Ziel bleibt, dass jeder Schüler und jede Schülerin eine Lehrstelle findet, die ihm oder ihr zusagt und vom Anspruchsniveau her auch entspricht. Es fehlen vor allem Lehrstellen in den High-Tech-Berufen. Für schwächere Jugendliche ist es weiterhin schwierig, eine Lehrstelle zu finden. Zukünftig müssen insbesondere auch junge Firmen in zukunftsgerichteten Branchen für die Lehrlingsausbildung gewonnen werden.

National- und Ständerat haben diese Problematik erkannt und mit dem Lehrstellenbeschluss II reagiert. Der Bund hat dem Kanton Basel-Landschaft für die Finanzierung der verschiedenen Projekte 1,4 Millionen Franken zur Verfügung gestellt. Sämtliche Projekte werden bis Sommer 2004 (Schuljahresende) umgesetzt sein. Verschiedene Projekte werden in Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt realisiert.

 

4.2.5 Erweiterung der Sprachkompetenz

Die funktionale Erweiterung der Sprachkompetenz ist auch für die Lehrpersonen ein wichtiges Ziel. Fremdsprachen haben eine bildungsökonomische und volkswirtschaftliche Bedeutung.

Die funktionale Erweiterung der Sprachkompetenz ist vor allem im Berufsbildungsbereich sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Lehrpersonen eine dringende Angelegenheit. Neben dem Beitrag der Fremdsprachen zur Bildung haben Fremdsprachen eine unmittelbar bildungsökonomische und volkswirtschaftliche Bedeutung. So hat das Nationale Forschungsprogramm "Wirksamkeit des Bildungssystems" den Einfluss der Fremdsprachenkompetenz auf das Einkommen ausgewiesen und das Interreg II-Projekt "Kohärenz und Bilingualität des Unterrichts" zeigt, dass im Berufsleben dieser Region die funktionale Mehrsprachigkeit ein Erfordernis darstellt. Für Unternehmen, die in internationalen Märkten präsent sein wollen, ist es unverzichtbar, dass Mitarbeitende sich mit Kundinnen und Kunden verständigen können. Wird die Sprachentwicklung der Kinder über alle Schulstufen betrachtet, werden zusätzliche Massnahmen vor allem in der gewerblich-industriellen Berufsbildung erforderlich sein.

 

4.2.6 Impulsprogramme "Chance" und "Qualifikation"

Die beiden Impulsprogramme wurden ausgelöst durch den Wirtschaftsbericht 1997 mit einer 4-jährigen Laufzeit bis Ende 2001 konzipiert. Das Programm I "Chance" richtet sich an benachteiligte Jugendliche auf dem Lehrstellenmarkt, das Programm II "Qualifikation" fördert die Weiterbildung von Kadern in den Klein- und Mittelbetrieben (KMU). Beide Programme können erfreuliche Erfolge nachweisen. Die gemeinsam mit dem Kanton Basel-Stadt initiierten schulischen Brückenangebote helfen Jugendlichen, den Einstieg in die Berufsbildung zu finden.

Impulsprogramm I "Chance"

Das Impulsprogramm I "Chance" richtet sich vor allem an benachteiligte Jugendliche auf dem Lehrstellenmarkt sowie an Jugendliche, die nach der Lehre auf dem Arbeitsmarkt keine Stelle finden.

Mit den Brückenangeboten bietet der Kanton Basel-Landschaft Jugendlichen eine Chance,

einen Schritt nach vorne zu tun, indem sie Versäumtes nachholen und Neues dazulernen können. Die Brückenangebote helfen, sich besonders gut auf eine Berufslehre vorzubereiten und verbessern die Möglichkeit, eine geeignete Lehrstelle zu finden.

Das Schulische Brückenangebot Plus ist eine einjährige Vollzeitschule, die an die obligatorische Schulzeit anschliesst. Durch Festigung, Erweiterung und Vertiefung des Allgemeinwissens sollen die Jugendlichen befähigt werden, eine schulisch anspruchsvolle Berufslehre oder eine weiterführende Schule erfolgreich zu absolvieren. Die Kaufmännische Vorbereitungsschule hilft Jugendlichen, die sich auf eine kaufmännische Lehre ausrichten möchten. Die Brückenangebote sind von den Jugendlichen sehr gut aufgenommen worden und werden rege benutzt.

Mit den seit 1998 lancierten Projekten Jugendberatungsstelle "wie weiter?" in Birsfelden,

"E Lehr mit Kick", "Nach der Lehre - was nun?" und "Fit im Job" konnten gute Erfolge erzielt werden. Über 250 Jugendliche haben beispielsweise bis heute die Beratungsstelle in Birsfelden aufgesucht und konnten für den Einstieg in die Berufsbildung vorbereitet werden.

Der Regierungsrat möchte die Jugendberatungsstelle "wie weiter?" in Birsfelden auch in den kommenden Jahren weiterführen. Diese Beratungsstelle bewahrt viele Jugendliche erfolgreich vor der Arbeitslosigkeit.

 

Impulsprogramm II "Qualifikation"

Mit der Durchführung dieses Programmes wurde das CIM-Zentrum Muttenz der FHBB beauftragt. Aus einer engen Zusammenarbeit mit den Unternehmen und den Wirtschaftsverbänden entstanden 10 Projekte mit einem vielfältigen Kursangebot, das sich stark steigender Beliebtheit erfreut. Ziel des Impulsprogrammes "Qualifikation" ist die Förderung der Weiterbildung für Kader in den KMU, die mit gezielten Angeboten bei der Bewältigung des Strukturwandels unterstützt werden.

Die Angebote decken ein breites Spektrum von Themen und Lernformen ab. Es handelt sich um Informationsveranstaltungen, Workshops, Seminarien, längere Ausbildungsgänge, Tools zum Selbstlernen usw.

Der Entwicklungsaufwand, der für die neuen Angebote erforderlich war, rechtfertigt sich nur, wenn die Angebote einen breiten Kreis von Unternehmen erreichen. Mögliche Szenarien für die Weiterführung sind die Bündelung des Know-hows in einem Kompetenzzentrum für KMU an der FHBB, die Kooperation mit externen Partnerorganisationen oder die Lizenzvergabe an interessierte Anbieter. Die erfolgversprechenden Konzepte werden den zuständigen Stellen rechtzeitig vor dem Ende der Programmlaufzeit unterbreitet werden.

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