Vorlage an den Landrat


5. Machbarkeitsstudien zur Umsiedlung der Amphibien

Aufgrund der beschriebenen Ausgangslage wurden für die Umsiedlung in das Gebiet "Wirtslöli / Im Oos" und für die Umsiedlung in die "Lachmatt" Machbarkeitsstudien mit Kostenschätzungen in Auftrag gegeben und die Ergebnisse gegenübergestellt. Die Machbarkeitsuntersuchung des Standorts Klingenthal wurde analog ergänzt.




5.1. Umsiedlung in das Gebiet "Wirtslöli / Im Oos"


5.1.1. Massnahmen und Kostenschätzung


Die Firma Holinger AG, Liestal wurde mit der Planung für eine Umsiedlung gemäss den Anforderungen der Expertise KARCH vom 14. März 2005 beauftragt. Die vorgeschlagenen baulichen Massnahmen tangieren hauptsächlich die Parzelle Nr. 4696 (regionale Wasserschutzzone) des Kantons und am Rande die Parzelle Nr. 4706 (Kommunale Schutzzone S2) der Gemeinde Pratteln. Zusätzlich betroffen sind die Parzellen Nr. 4695 im Eigentum des Kantons und Nr. 4692 im Eigentum der Gemeinde Pratteln. Diese sind aber nur durch eine eingeschränkte Bewirtschaftung betroffen, indem die Wiese durch häufiges Mähen kurz gehalten werden muss.


Zusammenstellung der baulichen Massnahmen und Kostenschätzung für den Standort "Wirtslöli / Im Oos", Gemeinde Pratteln:


Die folgende Skizze zeigt die Parzellen und die räumliche Aufteilung der baulichen Massnahmen auf das gesamte Gebiet "Wirtslöli / Im Oos".


Abbildung 9: Massnahmen für ein Amphibienschutzgebiet im "Wirtslöli / Im Oos"


Abbildung 10: Skizze zu den baulichen Massnahmen im Scnitt


Die jährlichen Pflegemassnahmen wurden von der Abteilung Natur und Landschaft des Amts für Raumplanung geschätzt. Dabei ist zwischen der einmaligen Abgeltung (Grundbuchanmerkung) und den jährlich anfallenden Kosten für die Pflege zu unterscheiden.


Einmalige Abgeltung
Diese entfallen, da die ganze Fläche bereits der öffentlichen Hand gehört (Gemeinde, Kanton).


- Ganze Fläche: ca. 20.7 ha
- Fassungsbereich Grundwasserschutzzone (S 1): 4.50 ha
- Pionierfläche (abhumusiert) und Weiherbereich: 4 ha


Jährliche Kosten für die Pflege

Die baulichen Massnahmen kosten insgesamt 2'900'000 CHF. Die jährlichen Pflegemassnahmen belaufen sich auf 130'000 CHF. Mit den heute zur Verfügung stehenden Geldmitteln (Konto Nr. 2355.314.60-001 "Unterhalt von kantonalen Naturschutzgebieten") kann die Pflege des Ersatzstandortes nicht realisiert werden; es bedarf einer Aufstockung des Budgets.


5.1.2. Beurteilung des Standortes "Wirtslöli / Im Oos" und der Massnahmen aus Sicht des Amphibienexperten


Der Experte der KARCH kommt bei der Beurteilung zu folgendem Schluss (KARCH, 2005, S. 30):

5.1.3. Beurteilung der Umsiedlung durch das Bundesamt für Umwelt


Mit Schreiben vom 10. Juni 2005 nimmt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf Wunsch der Bau- und Umweltschutzdirektion folgendermassen Stellung zum Expertenbericht vom 14. März 2005 und zum Massnahmenkatalog mit Kostenschätzung: "Wir haben mit Interesse den neuesten Vorschlag für einen Ersatz geprüft und möchten unserer Befriedigung Ausdruck geben, dass offensichtlich eine recht gute Lösung gefunden werden kann." Einer Aufnahme der Amphibienpopulation ins nationale Inventar nach der Umsiedlung steht gemäss BAFU nichts im Wege.




5.2. Umsiedlung in das Gebiet "Lachmatt"


5.2.1. Massnahmen und Kostenschätzung


Grundlage für die Planung bildet das Gutachten der KARCH "Beurteilung der Machbarkeit und Anforderungen an eine Umsiedlung der Amphibien der "Zurlindengrube" ins Gebiet "Lachmatt" (Muttenz)" vom 20. Juni 2006. Die darin genannten Massnahmen und Begleitmassnahmen wurden von Holinger AG, Liestal auf ihre Kosten abgeschätzt (21. August 2006).


Das Gebiet Lachmatt - im Entwurf des kantonalen Richtplans als Siedlungstrenngürtel ausgewiesen - ist ein sehr gut erschlossener Raum mit unterschiedlichen Nutzungsabsichten. Als Grundlage für die Integration des Amphibienlaichgebietes wurde vom Büro Feddersen & Klostermann, Zürich, ein Gestaltungskonzept zur künftigen Nutzung der "Lachmatt" einerseits als Naturschutzgebiet, anderseits als Naherholungsgebiet erarbeitet. Anhand von Gestaltungsbeispielen wird aufgezeigt, dass sich die "Lachmatt" aufgrund seiner Grösse hervorragend auch als gestaltetes Naherholungsgebiet in Kombination mit dem Amphibienlaichgebiet eignen würde.


Zur Realisierung des Amphibienlaichgebiets werden durch KARCH und Holinger AG folgende Massnahmen im Gebiet "Lachmatt" mit folgenden Gesamtkosten vorgeschlagen.


Zusammenstellung der Massnahmen und Kostenschätzung

Abbildung 11: Mögliche Massnahmen für ein Amphibienschutzgebiet in der "Lachmatt"


Einmalige Abgeltungen (Grundbuchanmerkung, Wertverminderung)

Jährliche Kosten für Pflege und Abgeltungen

Die Kosten für die bauliche Anlage des Amphibienschutzgebiets in der "Lachmatt" inklusive flankierender Massnahmen betragen insgesamt 3'300'000 CHF. Für die jährliche Pflege des Standorts "Lachmatt" muss mit 100'000 CHF gerechnet werden. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die vollen Pflegekosten erst nach rund fünf Jahren anfallen werden, so dass der Betrag im Budget schrittweise aufgestockt werden kann. Ein Landerwerb - obwohl nicht zwingend erforderlich - wäre mittelfristig günstiger als eine materielle Enteignung. Wenn alles Land erworben werden müsste, wäre mit Landerwerbskosten von zusätzlich rund 824'000 CHF zu rechnen (103'000 m2 a 8 CHF). Mit den heute zur Verfügung stehenden Geldmitteln (Konto Nr. 2355.314.60-001 "Unterhalt von kantonalen Naturschutzgebieten") kann die Pflege des Ersatzstandortes nicht realisiert werden; es bedarf einer Aufstockung des Budgets.


5.2.2.. Beurteilung des Standorts "Lachmatt" und der Massnahmen aus der Sicht des Amphibienexperten


Der Standort "Lachmatt" wird durch die Amphibienexperten der KARCH als geeignet eingestuft:




5.3. Vergleich der Standorte "Wirtslöli / Im Oos" und "Lachmatt" aus Sicht des Amphibienschutzes


Die Experten der KARCH und der Beratungsstelle IANB kommen zum Schluss, dass der Standort "Lachmatt" dem Standort "Wirtslöli / Im Oos" vorzuziehen ist:

Im Wesentlichen kamen die Experten zu diesem Schluss, weil die "Lachmatt" heute schon kiesgrubenähnlicher gestaltet ist als das "Löli". Voraussetzung ist natürlich, dass der kiesgrubenähnliche Charakter der Baustelle des Adlertunnels erhalten bleibt. Die isolierte und zerschnittene Lage der "Lachmatt" ist durch flankierende Massnahmen zu verbessern.


Derselbe Aufwand ist auch für die Vernetzung im Gebiet "Wirtslöli / Im Oos" erforderlich.




5.4. Umsiedlung in das Gebiet "Klingenthal"


5.4.1.. Massnahmen und Kostenschätzung


Für eine Umsiedlung ins Gebiet "Klingenthal" wurde keine externe Machbarkeitsprüfung in Auftrag gegeben. Analog zu den Grundlagen, die für eine mögliche Umsiedlung ins Gebiet "Wirtslöli / Im Oos" und "Lachmatt" vorlagen, wurde mit Hilfe von internen Experten die eine Machbarkeitsprüfung durchgeführt.


Abbildung 12: Die Lage der "Klingenthal-Grube" im Zusammenhang mit weiteren Trittsteinbiotopen


Folgende Massnahmen sind vorgesehen: Es wird sofort eine neue Schotterfläche mit 6 kleinen, temporären Weihern als neuer Kreuzkrötenlebensraum am östlichen Rand der Grube "Klingenthal" angelegt, der erst in ca. 20 Jahren abgebaut wird. Ebenso werden je 3 grössere, permanente Weiher in der "Lachmatt" südlich der Tramlinie und im Bereich des Adlertunnels zwischen Kantonsstrasse und Tramlinie angelegt. Südlich der Tramlinie wird gleichzeitig die gesamte Geländekammer (inkl. Hang) in eine strukturreiche, auf die Schutzziele ausgerichtete Weidelandschaft umgestaltet. Die Durchlässe unter der Kantonsstrasse sind sofort notwendig. Mit Verlegung der Sportanlagen vom Margelacker in die Lachmatt in den nächsten 10 Jahren werden dort die Vernetzungskorridore ausgebaut, um das Gebiet "Klingenthal" optimal mit der "Lachmatt" zu verbinden. Mit dem fortschreitenden Abbau in der "Klingenthal-Grube" nach Osten werden die temporären kleinen Gewässer in den bereits abgebauten, aber nicht verfüllten zentralen Teil der Grube umplatziert. Mit dem weiter voranschreitenden Kiesabbau gegen Osten wird der Kreuzkrötenlebensraum schliesslich vergrössert und weiter optimiert, damit eine Kernpopulation entstehen kann.


Zusammenstellung der Massnahmen und Kostenschätzung

Die Kosten für die bauliche Anlage des Amphibienschutzgebiets in der "Klingenthal" betragen insgesamt 2'571'640 CHF und sind damit günstiger als an den Standorten "Wirtslöli / Im Oos" oder in der "Lachmatt".


Abbildung 13: Die geplanten Massnahmen in der "Klingenthal-Grube" und in der angrenzenden "Lachmatt"


Für die jährliche Pflege des Standorts "Klingenthal" muss mit 150'000 CHF gerechnet werden. Gegenüber Variante "Lachmatt" fallen die Pflegekosten höher aus, weil die Gesamtfläche für den Lebensraum der Metapopulation insgesamt grösser ist (Lebensraum der Kernpopulation und 4-5 Satellitengebiete mit Teilpopulationen inkl. Hang der Lachmatt). Dadurch vergrössert sich auch der Aufwand für die Erfolgskontrolle. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Pflegekosten in den ersten zehn Jahren dank des Kiesabbaus in der Kiesgrube "Klingenthal" wesentlich günstiger sind und die Erfolgskontrolle erst nach der Umsiedlung der Kreuzkröten einsetzt. Deshalb kann der ausgewiesene Betrag schrittweise auf den Endbetrag aufgestockt werden. Ein Landerwerb ist nicht notwendig. Mit den heute zur Verfügung stehenden Geldmitteln (Konto Nr. 2355.314.60-001 "Unterhalt von kantonalen Naturschutzgebieten") kann die Pflege des Ersatzstandortes nicht realisiert werden; es bedarf einer Aufstockung des Budgets.


5.4.2.. Beurteilung des Standorts "Klingenthal" und der Massnahmen aus der Sicht des Naturschutzes


Wie dargelegt, weist die Variante "Klingenthal" die grössten Vorteile auf. Sie ist sowohl ökologisch, als auch ökonomisch am geeignetsten. Mit dieser Variante lässt sich für die Kreuzkröte eine Metapopulation aufbauen, was für deren langfristige Überlebenswahrscheinlichkeit wesentliche Vorteile bringt. Eine Kiesgrube erfüllt die Lebensraumansprüche der Zielart wesentlich besser, als beispielsweise ein "Kunstbiotop" im Gebiet "Wirtslöli / Im Oos". Die grossflächige, schutzzielorientierte Weidelandschaft in der "Lachmatt" bewirkt ausserdem eine zusätzliche Lebensraumaufwertung für zahlreiche weitere Arten. Der Kiesabbau im Gebiet "Klingenthal" führt langfristig zu günstigeren Pflegekosten, da während des Abbaus automatisch neue Schotterflächen entstehen. Zudem dürfte allfälliger Landerwerb bei dieser Variante eine untergeordnete Rolle spielen, so dass sich langfristig insgesamt tiefere Kosten ergeben werden.



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