Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Konzept für Bewegung und Sport | |
| vom: | 18. Januar 2005 | |
| Nr.: | 2005-020 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
4.3 Leistung
Ziel: Optimierung der Talent- und Leistungssportförderung
4.3.1. Einleitung
In den vergangenen Jahren hat sich der Kanton Basel-Landschaft sehr stark mit der gezielten Förderung des Leistungssports beschäftigt. Das Ergebnis dieses grossen Engagements sind ausgezeichnete Rahmenbedingungen und eine umfassende Förderung auf allen Ebenen, die in der Schweiz vorbildlich und einzigartig sind.
Auf folgenden Ebenen wird der Leistungssport gefördert:
a) Im Rahmen der Talentförderung
| - | Individuallösungen in den Regelklassen |
| - | Projekt Talent Eye |
b) Im Rahmen der Leistungssportförderung
| - | Sportklasse auf der Sekundarstufe I |
| - | Sportklassen auf der Sekundarstufe II (Matur- und Fachmaturabteilung, Handelsmittelschule) |
| - | Lehrstellen für Sportbegabte gemäss Trägerschaftsvereinbarung zwischen der Wirtschaftskammer Baselland, Handelskammer beider Basel und der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft |
Zudem besuchen Baselbieter Schülerinnen und Schüler Sportklassen im Kanton Basel-Stadt und einzelne Sportbegabte andere Sportschulen in der Schweiz.
Mit der gesamten Koordination befasst sich die von der Regierung eingesetzte Kommission Leistungssportförderung. Als spezielle Zusatz-Fördermassnahmen unterstützt der Kanton die sportbegabten Jugendlichen im Bereich Mentaltraining und medizinische Betreuung.
Die Talent- und Leistungssportförderung Baselland beteiligt sich auch an der nationalen Präventionskampagne „cool and clean" und setzt sich für einen fairen und sauberen Sport ein. Beim Eintritt in die Förderung unterzeichnen die sportbegabten Jugendlichen eine Charta, in welcher die Erwartungen, die an sie gestellt werden, festgehalten sind. Im Sinne der Qualitätssicherung und als Controlling-Instrument werden für jedes Schuljahr mit jeder Schülerin und jedem Schüler die schulischen, sportlichen und persönlichen Ziele anlässlich eines Zielvereinbarungsgespräches schriftlich festgelegt.
Im nationalen Vergleich ist der Kanton Basel-Landschaft führend. Seit 2003 gibt es Swiss Olympic Talent, die nationale Lenkungsstelle für Nachwuchsförderung. Als kantonale Beauftragte für die Nachwuchsförderung engagieren sich Thomas Rutishauser, stellvertretender Generalsekretär der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, sowie Thomas Beugger, Leiter des Sportamtes.
Seit 2004 werden im Rahmen des Projektes „Talent Eye" überdurchschnittlich bewegungsbegabte Kinder der ersten Primarklasse durch Schulung der koordinativen Fähigkeiten speziell gefördert. "Talent Eye" ist ein gemeinsames Pilotprojekt der Sportämter Baselland und Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel und Swiss Olympic Talents.
Die Resultate der ersten Jahre können sich sehen lassen. Alleine im Jahr 2003 resultierten für Schülerinnen und Schüler der Talent- und Leistungssportförderung 38 Podestplätze an Nachwuchs-Schweizermeisterschaften und drei Medaillen an Nachwuchs- Europameisterschaften.
Zur Zeit sind 90 sportbegabte Jugendliche Mitglieder der Leistungssportförderung, 65 der Talentförderung. Im Projekt „Talent Eye" machen 33 Baselbieter Kinder mit.
4.3.2. Teilziel
Die umfassende spezielle Förderung von sportbegabten Jugendlichen im Kanton Basel-Landschaft ist auf dem bestehenden hohen Stand beizubehalten und zu optimieren.
Ziele:
- Bedarfsorientierter Sport- und Bewegungsraum
- Flächendeckend gutes Sportanlagenangebot im Kanton
4.4.1. Einleitung
Voraussetzung zu Bewegung und Sport für die ganze Bevölkerung ist, dass genügend geeignete Räume und Infrastrukturen zur Verfügung stehen 10 . Im Zentrum stehen Hallen und Aussenanlagen für den Schul-, Vereins- und Wettkampfsport. Dank dem Kantonalen Sportanlagen-Konzept (KASAK) verfügt der Kanton seit dem Jahr 2000 über ein wertvolles Planungsinstrument. Ziel ist es, dass der Kanton flächendeckend gute Sportanlagen von kantonaler oder überkommunaler Bedeutung aufweisen kann. In der separaten Landrats-Vorlage KASAK 2 beantragt der Regierungsrat für die Jahre 2005 bis 2009 einen weiteren Verpflichtungskredit, damit die Sportanlagenpolitik erfolgreich weitergeführt werden kann.
Wie der Kanton mit dem KASAK sollten zumindest die grösseren Gemeinden ein Gemeinde-Sportanlagen-Konzept (GESAK) entwickeln. Das Sportamt unterstützt die Gemeinden bei der Erarbeitung des GESAK.
Grundsätzlich ist das Angebot an Sportanlagen im Kanton gut. Hallen und Aussenanlagen sollten nach Möglichkeit zu gewissen Zeiten auch der Bevölkerung offen stehen. Zweckmässige, attraktive Wegnetze für das Radfahren, Biken, Skaten, Spazieren, Wandern, Joggen oder Reiten ermöglichen eine aktive Mobilität in der Freizeit, aber auch auf dem Arbeitsweg, auf dem Weg zur Schule oder zum Einkaufen. Aktive Erholung ist aber auch im Wald, auf Gewässern, in Parks, in der Landschaft sowie auf Pausen- und Spielplätzen möglich.
Damit Freizeitaktivitäten in der Natur möglichst natur- und umweltverträglich abgehalten werden können, bedarf es innerhalb der Verwaltung der engen Zusammenarbeit zwischen dem Forstamt beider Basel, dem Amt für Raumplanung und dem Sportamt.
Damit auch im Siedlungsgebiet und Wohnumfeld möglichst viel Raum für Sport und Bewegung zur Verfügung steht, sind die Bedürfnisse für bewegungsfreundliche Siedlungen zu berücksichtigen und das Raumangebot entsprechend auszubauen.
Vor allem die Kinder sind auf verkehrsberuhigte Strassen, Vorplätze, Grünflächen oder kindergerechte Spielplätze angewiesen, um sich dort bewegen und vergnügen zu können. Heute ist durch diverse Studien bewiesen, dass Spiel und Sport einen bedeutenden Einfluss auf eine ganzheitliche Entwicklung der Kinder haben. Durch das Spielen mit anderen Kindern und den damit verbundenen Bewegungserfahrungen werden nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen, psychischen und sozialen Kompetenzen geschult. Kinder, welche bereits mit Bewegungsdefiziten in die Schule eintreten, können diese zudem nur sehr schwer aufholen.
Mit bewegungsfreundlichen Siedlungsräumen wird einerseits der Grundstein für eine positive Entwicklung unserer Kinder gelegt, andererseits aber auch die Standortattraktivität und allgemeine Lebensqualität der Bevölkerung erhöht. Der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft wird gefördert und dem motorisierten Verkehr in Wohnquartieren entgegengewirkt.
4.4.2. Teilziele
| 1. | Der Kanton sorgt mit Hilfe des KASAK als Planungs- und Finanzierungsinstrument für ein flächendeckend gutes und kohärentes Sportanlagen-Angebot. |
| 2. | Bis zum Jahr 2014 verfügen alle grösseren Gemeinden des Kantons über ein eigenes GESAK. |
| 3. | Das Sportamt ist das Kompetenzzentrum in der Beratung, für die Einrichtung und den Betrieb von Sportanlagen. |
| 4. | Das Sportamt will in Zusammenarbeit mit dem Amt für Raumplanung die für bewegungsfreundliche Siedlungen und bewegungsfreundliches Wohnumfeld zuständigen Fachpersonen dahingehend sensibilisieren, dass in jeder Siedlung das wohnraumnahe Bewegungsangebot verbessert wird. |
| 5. | Der Langsamverkehr wird gefördert. Eine Steigerung der Benutzerzahlen im öffentlichen Verkehr und die Förderung der Fortbewegung durch Muskelkraft werden angestrebt. |
Ziel: Stärkung der Sportverbände und Sportvereine
4.5.1 Einleitung
Der privat-rechtliche Sport in den Vereinen und Verbänden und der Schulsport (öffentlich-rechtlich) sind die beiden Hauptträger des Sports im Kanton. Den rund fünfzig Sportverbänden gehören 740 Vereine mit rund 55'000 Mitgliedern an. Kantonaler Dachverband ist die Interessengemeinschaft Baselbieter Sportverbände (IG BL Sport).
Ein quantitativ grosser Teil von Bewegung und Sport im Kanton wird von Verbänden und Vereinen auf ehrenamtlicher, privatrechtlicher Basis organisiert und durchgeführt. In den Verbänden und Vereinen wird auf Führungsebene gute Arbeit geleistet. Zudem stehen in den meisten Vereinen ausgebildete Leiterinnen und Leiter im Einsatz, welche dank ihrer Fachkompetenz lebendigen Sportunterricht erteilen. Im Sport ist jedoch der Trend zum Individualsport erkennbar, weil viele ihre Sportzeit lieber selber bestimmen als sich nach den festgelegten Trainingszeiten des Vereins zu richten.
Die Verbände und Vereine sollen weiterhin die Hauptträger der Angebote sein.
Die sozialen Werte des Vereins sind unbestritten, weshalb eine Stärkung der Sportvereine und der Sportverbände sehr wichtig ist. Auch die Bundesinstitution Jugend+ Sport hat mit der neuen Struktur die Vereine stärker eingebettet und ihnen dadurch mehr Gewicht verliehen.
Die Sportvereine leisten mit ihrem breiten Grundangebot an Bewegungs- und Sportmöglichkeiten im sozialen Bereich unter anderem folgende Beiträge:
| - | Prävention durch gesellschaftliche Integration, sportliche Motivation und Vorbildfunktionen |
| - | Orientierung/Massstab für andere Lebensbereiche (Schule, Beruf, Familie, Kreis der Kolleginnen und Kollegen) |
| - | Ausgleich zu beruflichen, familiären und schulischen Belastungen |
| - | Risikobegrenzung bei Sportunfällen durch qualifizierte Ausbildung in den Vereinen |
Die Sportverbände und -vereine sind, um ihr Angebot aufrecht erhalten zu können, auf eine gut ausgebaute Sportanlagen-Infrastruktur angewiesen. Ein flächendeckendes In- und Outdoor-Angebot und zeitlich möglichst wenig eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten sind dabei von besonderer Bedeutung. Bezüglich der weiteren Infrastruktur-Aspekte wird auf Abschnitt 4.4 „Raum und Infrastruktur" verwiesen.
In der heutigen Zeit wird es immer schwieriger Personen zu rekrutieren, die sich ehrenamtlich für den Sportverband oder Sportverein engagieren. Der schwindenden Ehrenamtlichkeit soll Gegensteuer gegeben werden.
Den Sportverbänden und -vereinen kommt bei der Umsetzung der Massnahmen des vorliegenden Konzeptes eine Schlüsselposition zu. Als direktes Bindeglied zu den verschiedenen Zielgruppen und Einzelpersonen kann durch die operative Arbeit der Sportverbände und -vereine viel zur Zielerreichung beigetragen werden.
Die Sportverbände und -vereine sollen für ihr Engagement weiterhin über Jugend + Sport, Jugendsport Baselland und Mitteln aus dem Sport-Fonds unterstützt werden, ebenso die Aktivitäten der IG BL Sport.
4.5.2 Teilziele
| - | Qualitätssicherung in der Ausbildung der Verbands- und Vereinsfunktionäre |
| - | Förderung der ehrenamtlichen Tätigkeiten in Vereinen und Verbänden |
| - | Erhalt der bestehenden Breite an Sportarten und -aktivitäten; Ausbau der Vielfältigkeit des Sports im Kanton in Bezug auf Sportarten, Angebotsumfang und Teilnehmenden entsprechend der dynamischen Entwicklung der Sportarten und -aktivitäten |
| - | Die Autonomie des privat-rechtlichen Sports soll gewahrt bleiben und gestärkt werden |
| - | Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Sportamt und der IG BL Sport als Vertreter und primärer Ansprechpartner des privat-rechtlichen Sports. |
Ziel: Vermehrte Zusammenarbeit unter den in den Bereich Bewegung und Sport involvierten Partnern
4.6.1. Einleitung
Dimension, Dynamik und Komplexität des heutigen Sports verlangen die Koordination unter den bestehenden, ergeben aber auch neue Partnerschaften. Die grossen Aufgaben wie Gesundheits-, Bildungs-, Leistungs-, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsförderung im und durch Sport können nicht mehr isoliert gelöst werden. Es braucht dynamische Partnerschaften im Rahmen von lokalen und kantonalen Netzwerken. Es braucht die befruchtende Zusammenarbeit zwischen privaten und staatlichen Partnern im Sinne von gemeinsamer Verantwortung mit definierter Federführung - nicht starre, isolierte Aufgabenzuweisungen.
Die Zahl der Institutionen, welche sich mit Bewegungsförderung und Sport befassen, ist sehr gross. Die folgende Zusammenstellung ist nicht vollständig:
Öffentlich-rechtlich:
| - | Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion mit ihren Dienststellen und Schulen |
| - | Dienststellen der Verwaltung: vor allem Amt für Raumplanung, Forstamt beider Basel, Gesundheitsförderung Baselland, Polizei Basel-Landschaft |
| - | Bundesamt für Sport |
| - | Gemeinden |
| - | Landrat |
| - | Parlamentarische Gruppe Sport |
| - | Hochschule für Pädagogik und Soziale Arbeit beider Basel |
| - | Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel |
| - | Sportämter |
Privat-rechtlich:
| - | Swiss Olympic |
| - | Wirtschafts- und Industrieverbände |
| - | Sportverbände und Sportvereine |
| - | Behindertensport |
| - | J+S- Coaches |
| - | Leiterinnen und Leiter der Vereine |
| - | IG BL Sportverbände |
| - | Sport Basel |
| - | Pro Senectute BL |
| - | Verein „Gsünder Basel" - Gesundheit für die Region |
| - | Baselland Tourismus |
| - | Sportmanagementfirmen |
| - | Sportartikelindustrie |
| - | Sportanlagenbau-Firmen |
| - | kommerzielle Sportanbieterinnen und Sportanbieter |
| - | Sportmedizinerinnen und Sportmediziner |
| - | Medien |
| - | Werbung |
Vernetzung ist interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Partner zur besseren Nutzung der Kompetenzen und Ressourcen. Unter diesem Aspekt machen lokale Bewegungs- und Sportnetze Sinn. Auf Gemeindeebene arbeiten Behörden, Vereine, Schulen und kommerzielle Anbieter bisher nur in Einzelfällen zusammen. Es fehlt eine Koordination der Bestrebungen; die Anlagen sind nicht optimal genützt, das Fachwissen ist zu wenig gebündelt und die Ehrenamtlichkeit wird überstrapaziert. Damit niemand durch die Maschen fällt, braucht es ein dichtes Netz mit gut funktionierenden Bewegungsangeboten und hoher gegenseitiger Information. Nur so kann der passiven Konsum-Kultur und der sitzenden Berufstätigkeit aktiv entgegengetreten werden. In den Gemeinden sollen sich lokale Bewegungs- und Sportnetze bilden, welche die verschiedenen Akteure im Bereich Bewegung und Sport zusammenführen. Damit sollen der Anteil Bewegungsaktiver in einer Gemeinde erhöht und die Qualität und Nachhaltigkeit der Sportangebote verbessert werden.
Künftig sollen auch Jugendliche ihre Bedürfnisse vorbringen, mitbestimmen und Mitverantwortung übernehmen können.
4.6.2. Teilziele
| 1. | Das Sportamt organisiert in der Regel einmal jährlich die Tagung „Netzwerk Sport Baselland", zu welcher sämtliche Partner, die sich in irgendeiner Form mit Sport befassen, eingeladen werden |
| 2. | Verstärkte Netzwerk-Tätigkeiten unter den Sportpartnern unter der Federführung des Sportamtes |
| 3. | Aufbau von lokalen Bewegungs- und Sportnetzen (Aufbau und Betrieb) |
Fortsetzung >>>
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Fussnote:
10 aus: Sportpolitik 2/04, Bundesamt für Sport