Vorlage an den Landrat


5. Das Projekt / Der Erlass

5.1. Summarisches Raumprogramm





5.2. Umbau/ Neubau


Räumliche Organisation


Der Standort des Staatsarchivs ist vor allem durch seine Topografie geprägt. Der Bahndamm und der rückwärtige Hang schaffen eine enge und talartige Situation. In dieser Lage, abgeschnitten von der Stadtmitte durch das Bahntrassee, inmitten von kleinen und grösseren Wohnungsbauten, kommt der öffentliche Charakter des bestehenden Staatsarchives kaum zum Ausdruck.


Die heutige Anlage besteht aus zwei parallel angeordneten Volumen, einem Büro- und Verwaltungstrakt und dem separaten Magazintrakt. Im Zuge der Erweiterung wird das Raumprogramm neu nicht mehr horizontal sondern vertikal gegliedert und ermöglicht damit eine optimale Trennung zwischen den Magazinen und dem Publikumsbereich.


Der heutige Bürotrakt wird abgebrochen. Die zusätzlichen Magazine und archivnahen Funktionen (Anlieferung, Mikrofilmstelle, Sortierraum, etc.) docken im UG, EG und 1.OG schwellenlos an den bestehenden Magazinblock an.


Die interne vertikale Erschliessung (Treppe, Warenaufzug) erfolgt in der neuen Raumschicht im Süden. Der Aufzug im bestehenden Archivbereich wird demontiert. Damit werden auch die bestehenden Magazinräume punkto Sicherheit und Kapazität den neuesten Standards angepasst.


Im Untergeschoss sind neben einem zusätzlichen Magazinraum auch ein Kulturgüterschutzraum, die Technikräume und ein Luftschutzraum untergebracht.


Die Anlieferung ins Archiv erfolgt nicht mehr direkt ab der Wiedenhubstrasse sondern über die an der Ostfassade liegende überdachte Anlieferungsrampe.


Der Publikums- und Bürobereich (Lesesäle, Konferenzraum, Foyer, Bibliothek, Büros etc.) ist neu in einem gläsernen Dachaufbau untergebracht. Durch die Lage im 2. Obergeschoss werden die meistfrequentierten Räume aus der Enge der Topografie herausgehoben und treten über den Bahndamm hinweg mit dem gegenüberliegenden Stadtteil von Liestal in Beziehung. Die Besucherinnen und Besucher betreten das Archiv über eine zweigeschossige Eingangshalle von der Wiedenhubstrasse her. Per Lift oder über eine Wendeltreppe werden sie anschliessend ins 2. Obergeschoss geführt. Der Publikums- und Bürobereich ist transparent und offen ausgebildet. Das räumliche Zentrum des Dachgeschosses wird durch den überhöhten Lesesaal und den Patio markiert, welche den tiefen Grundriss gleichzeitig optimal mit natürlichem Licht versorgen. Darum herum gruppieren sich die Bibliothek, öffentliche Arbeitsplätze und die Büros der Archivmitarbeiter. Vom seitlich angeordneten Empfang aus können der Eingangsbereich und die Lesesäle einfach überwacht werden. Die Verbindung zum internen, sensiblen Archivbereich erfolgt wiederum über die südliche Schleuse.


Das Foyer mit Konferenzraum und Toiletten ist vom Archivbereich abgetrennt und kann auch während des Betriebs oder am Wochenende problemlos an Externe vermietet werden.


Fassade


Das öffentliche Bürogeschoss wird von einer gläsernen Haut umhüllt. Je nach Orientierung ist diese Hülle als hinterlüftete Doppelfassade mit dazwischenliegendem Sonnenschutz, als einschalige Isolierglaskonstruktion oder als Glasverkleidung mit dahinterliegender Dämmung ausgebildet. Alle ständigen Arbeitsplätze können über normale Fensterflügel natürlich belüftet werden.


Die Fassade des zweigeschossigen Magazintrakts ist mit einem konventionellen Aussenwärmedämmsystem verkleidet und auf der äussersten Ebene mit verschiedenen Kletterpflanzen (Efeu, wilder Wein etc.) begrünt. Alt- und Neubau verschmelzen so zu einem einheitlichen Baukörper. Die Fassadenbegrünung erfüllt bauphysikalische und ökologische Aufgaben (Schlagregenschutz, Temperatur- und Feuchtigkeitsausgleich) und vermittelt durch seine organische Weichheit zur Umgebung.


Konstruktion


Die Bauten sind in Mischbauweise geplant. Das Untergeschoss, Erd- und 1. Obergeschoss mit den Magazinen und internen Arbeitsplätzen sind, bedingt durch die bauphysikalischen und bautechnischen Anforderungen (Speichermasse, hohe Belastungen), als konventioneller Massivbau (Betondecken, Betonwände und Mauerwerk) geplant.


Die Tragstruktur des 2. Obergeschosses ist eine Stahlbaukonstruktion. Um zusätzliche Speichermasse zu erhalten, ist das Dach als Stahlblech/Beton- Verbunddecke ausgebildet. Die Oblicht- und Technikaufbauten bestehen aus vorfabrizierten Holztafelelementen. Der Dachaufbau wird als Kompaktdach mit einer extensiven Begrünungsschicht ausgeführt.


Die Lasten der Aufstockung im Bereich des bestehenden Magazinblocks können von den vorhandenen Fundamenten aufgenommen werden. Ansonsten wird der Neubau unabhängig vom Bestand flach fundiert, wobei einzelne Stützen zusätzlich mittels Mikropfählen auf den tragfähigen Fels abgestützt werden.


Haustechnik


Die Konzepte für die Haustechnik folgen dem Prinzip der funktionalen Zweiteilung des Gebäudes in Magazin- und Publikumsbereich. Die Anforderungen bezüglich Raumklima (Temperatur, Feuchtigkeit), Komfort (Luftwechselrate) , Erscheinungsbild (Sichtbarkeit von Apparaturen und Installationen) und Flexibilität (Verkabelung EDV, Strom etc.) sind für diese beiden Bereiche sehr unterschiedlich. Die technischen und kostenrelevanten Standards werden entsprechend unterschiedlich definiert.


Nach ausführlichen Abklärungen wurde entschieden, die Magazine mechanisch zu klimatisieren. Nur mit einem mechanischen System (Heizung und Lüftung) werden die hohen Anforderungen bezüglich konstanter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Verschmutzung und Sicherheit im Magazin erfüllt. Die Anlage ist auf einen 1-2fachen stündlichen Luftwechsel ausgelegt. Zum Einsatz kommt die Anlage allerdings nur ca. eine Stunde täglich um die Raumluft zu erneuern oder wenn Temperatur oder Raumfeuchte ausserhalb der geforderten Grenzwerte liegen (Temp. 18°C +/- 3°C, relative Feuchte 50% +/- 5%). Gleichzeitig wird durch den Verzicht auf Öffnungen in der Gebäudehülle ein hoher baulicher Schutz der eingelagerten Archivalien gewährleistet. Um den Minergiestandard zu erreichen, müssen alle übrigen Räume mit einer separaten Hygienelüftung kontrolliert belüftet werden. Der Luftwechsel liegt zwischen 0.7 - 1 fach und 2-3 fach für Räume mit hoher Personenzahl (Bsp. Konferenzraum).


Die Heizung wird an das bestehende Fernwärmenetz angeschlossen. Während die Räume im EG und 1.OG mit Radiatoren beheizt werden, kommen im 2. OG Konvektoren zum Einsatz. Diesen verschiedenen Standards entsprechend, wird auch die elektrische Gebäudeverkabelung über Brüstungskanäle (EG/1.OG) und Bodenkanäle (2.OG) bewerkstelligt. Alle Hauptverteilungen der HLKSE- Installationen sind im Erd- und 1. Obergeschoss frei zugänglich an der Decke, im Gangbereich und im 2. Obergeschoss innerhalb der abgehängten Decke angebracht.


Da die Aufstockung aus statischen Gründen als Leichtbaukonstruktion ausgebildet sein muss, ist nicht genügend Speichermasse vorhanden, um die äusseren und inneren Lasten (Sonneneinstrahlung, EDV, Beleuchtung etc.) im Sommer wirksam zu absorbieren und eine Aufheizung zu verhindern. Aus diesem Grund wird die Betonverbunddecke des Daches thermisch aktiviert (Bauteilkühlung) um die Klimaspitzen aktiv zu brechen. Die Kühlleistung wird über eine umweltfreundliche Erdsonde erzeugt (regenerative Energie).


Das anfallende Dachwasser wird durch die extensive Begrünung (Retensionsschicht) zeitlich verzögert in das Meteorwassersystem eingeleitet und über eine neu erstellte Versickerungsanlage an das Erdreich abgegeben.


Verkehr


Ab Bahnhof Liestal ist das Staatsarchiv zu Fuss in 5 Minuten erreichbar. Auf Grund dieser Nähe wurden vom Bauinspektorat des Kantons und der Stadt Liestal 5 Parkplätze für Besuchende und Mitarbeiter definiert. Für Velos und Motorräder werden 10 Abstellplätze bereitgestellt.




5.3. Sicherheit


Die Sicherheit (Einbruch, Diebstahl, Vandalismus, Feuer, Wasser, grosse Klimaschwankungen) ist für das Staatsarchiv von zentraler Bedeutung. Für die Ausarbeitung eines Sicherheitskonzeptes wurde im Bauprojekt zusätzlich ein Sicherheitsplaner zugezogen.


Die Sicherung des Staatsarchivs wird einerseits durch das funktionale Layout und bauliche Massnahmen gewährleistet und andererseits mit einem elektronischen Überwachungssystem ergänzt.


Auf der grundrisslichen und organisatorischen Ebene wird durch die vertikale Trennung von Magazinräumen und Besucherbereich eine einfache sicherheitstechnische Zonierung erreicht. Eine einzige Schleuse regelt den Zugang zwischen öffentlichem und internem Bereich. Die Magazinräume sind einseitig über die Schleusen zugänglich und dienen ausschliesslich der Lagerung von Archivalien.


Auf der bautechnischen Ebene kann dank der mechanischen Belüftung auf Fenster im Magazinbereich verzichtet werden. Damit werden externe Gefahrenquellen wie Schmutzpartikel (Eisenbahn), UV-Licht, Feuchtigkeit, Vandalismus und Einbruch auf ein Minimum reduziert. Durch eine Reduktion der elektrischen Installationen im Magazinbereich und die Ausstattung der notwendigen Installationen und Leuchten mit einem FI-Schutz werden die inneren Gefahrenquellen minimiert. Brandmelder und ein separates Entrauchungssystem ermöglichen eine frühe Detektion und effiziente Rettungsmassnahmen.


Neben den baulichen Massnahmen wird das gesamte Gebäude mit einem elektronischen Überwachungssystem (Türüberwachung, Bewegungsmelder, Kameras) kontrolliert und in einer zentralen Schaltstelle am Empfang zusammengeführt. Neben der örtlichen Alarmierung ist eine Alarm - Fernübermittlung zur Kantonspolizei vorgesehen.


Ein weiterer Schwerpunkt der Sicherheitsplanung wird auf den Schutz der Archivalien während der Bauphase gelegt. Der Magazintrakt wird deshalb nach Aussen (Zumauerung der Fenster) und Innen (massive Bauwände) komplett abgeschottet (Brand, Wasser, Einbruch). Gleichzeitig werden alle Archivalien durch den Nutzer in Schachteln verpackt und dadurch zusätzlich geschützt (Staub etc.). Ein kleiner Teil der Archivalien - bspw. die wertvollen Kirchenbücher - wird ausgelagert und extern professionell eingelagert. Während der gesamten Bauzeit ist das Archiv mit einer provisorischen Alarm- und Brandmeldeanlage gesichert. Bei Bedarf werden in Übergangszeiten externe Sicherheitsdienste (Securitas, Protectas o.ä.) für die temporäre Überwachung zugezogen.




5.4. Energie (Minergie) / Ökologie / Nachhaltigkeit


Bereits auf der Ebene der städtebaulich-architektonischen Entscheidungen wurde eine nachhaltige Lösung angestrebt. Durch den Einbezug des bestehenden Magazinblocks kann ein Totalabbruch vermieden und ein eingeschränkter Betrieb während der Bauzeit garantiert werden. Die gewählte kompakte Volumetrie bietet gute Voraussetzungen für einen optimalen Wärme- und Klimaschutz.


Im Laufe der ersten Überarbeitung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz und Energie und dem Hochbauamt eine projektspezifische Auswahl von Schwerpunktthemen definiert und in der Bauprojektphase bearbeitet. Die Erreichung des Minergiestandards ist für den Kanton grundsätzlich ein erstrebenswertes Ziel und deshalb auch für das vorliegende Projekt geplant.


Erhöhte Wärmedämmung / Minergiestandard


Die Dämmstärken sind so erhöht worden, dass der Minergiestandard erreicht wird. Neben der Optimierung der Gebäudehülle sind die notwendigen technischen Installationen (Hygienelüftung, optimierte Beleuchtung) eingeplant worden.


Wärmeversorgung


Das Gebäude ist bereits heute über eine Wärmeübergabestation an das Netz der Fernwärme Liestal angeschlossen. Die Erzeugung der Fernwärme erfolgt im Sommer zu einem grossen Teil und im Winter zu 25% mit Deponiegas und stellt dadurch eine ökologische Lösung dar.


Sommerlicher Wärmeschutz der Aufstockung


Aufgrund der fehlenden Speichermasse kann trotz markanter Reduktion des Glasanteils nicht auf eine aktive Kühlung verzichtet werden. Diese wird ohne Kühlaggregate mit Hilfe von Erdsonden bewerkstelligt.


Effiziente Tageslichtnutzung


Durch die grosszügigen äusseren Verglasungen und die natürliche Belichtung der Mittelzone durch das Oblicht (Nordoblicht) und den Patio ist eine überdurchschnittliche Helligkeit zu erwarten. Fast alle Arbeitsplätze im 2.OG werden durch die inneren Verglasungen von zwei Seiten mit Tageslicht versorgt. Während die kritischen Fassadenbereiche mittels einer elektronisch gesteuerten Storenanlage abgedunkelt werden, versorgen die restlichen Öffnungen den Raum mit natürlichem Tageslicht. Es wird ein textiler Sonnenschutz eingesetzt, welcher ein gleichmässig diffuses Licht im Bereich der Arbeitsplätze gewährleistet. Sämtliche Beleuchtungskörper werden mit Helligkeits- und Bewegungssensoren elektronisch gesteuert.


Baumaterialien


Die Vorgaben des Hochbauamtes betreffend Ökologie und Einsatz von umweltschonenden Baumaterialien werden berücksichtigt.


Mit dem Einbezug des alten Magazintraktes in die neue Bausubstanz werden bestehende Ressourcen (Wände, Stützen, Decken) erhalten. Hingegen werden sowohl die Gebäudehülle als auch die technische Gebäudeausrüstung und der Innenausbau nach dem neusten Stand der Technik erstellt.


Aktenentsorgung / Altpapier


Akten in Papierform werden extern geshreddert. Dieses Material und das übrige Altpapier werden der Verwertung zugeführt.


Parkplatzbewirtschaftung


Eine aktive Parkplatzbewirtschaftung ist bei der vorliegenden Grösse nicht sinnvoll.


Unterhaltsarme Umgebungsgestaltung


Die Umgebung ist naturnah gestaltet (Naturwiese). Zusammen mit der halbjährigen Pflege der Fassadenbegrünung sind niedrige Unterhaltskosten zu erwarten.




5.5. Bauablauf und Etappierung/ Provisorien/ Auslagerungen


Während der gesamten Bauzeit soll ein eingeschränkter Betrieb des Staatsarchivs möglich bleiben. Dazu muss der grösste Teil der Archivalien im bestehenden Magazin belassen werden. Im jetzigen Planungsstand wird damit gerechnet, 1100 Laufmeter Akten während zwei Jahren auszulagern. Der Bauablauf wurde in der Bauprojektphase daraufhin konkretisiert und umfasst drei Bauetappen mit verschiedenen Provisorien und Schutzmassnahmen. Die Mikrofilmstelle (ca. 120 m2) wird während der gesamten Bauzeit ausgelagert, um Platz für die wegfallenden ständigen Arbeitsplätze im Magazintrakt zu schaffen.


In einer ersten Phase wird der südliche Bürobereich inklusive Vertikalerschliessung und neuer Haustechnikzentrale realisiert. Das bestehende Magazin wird mit massiven inneren Bauwänden gesichert. Mittels Zumauerung der bestehenden Fensteröffnungen wird der ganze Trakt hermetisch gegen aussen abgeschlossen. Anschliessend kann in der südlichen Erweiterung ein provisorischer Bürobetrieb mit temporärem Lesesaal und Zugang zum Magazintrakt eingerichtet werden. In einer zweiten Bauetappe erfolgt der Abbruch des heutigen Bürotraktes sowie die Ergänzung des Neubaus und des Dachgeschosses. In einer dritten Etappe schliesslich wird der bestehende Magazinbereich umgebaut und erneuert.




5.6. Kunst am Bau


Das Staatsarchiv ist ein bedeutender Um- und Erweiterungsbau. Der kulturelle Wert und die staatspolitische Bedeutung der eingelagerten Archivalien sowie der direkte Öffentlichkeitsbezug prädestinieren dieses Gebäude für die Integration von Kunst am Bauwerk. Im Bauprojekt sind dafür CHF 110'000.- ausgewiesen. In Zusammenarbeit mit der Erziehungs- und Kulturdirektion wird im Jahre 2003 ein Studienauftrag auf Einladung durchgeführt. Verschiedene Publikumsbereiche des Gebäudes (Foyer, Eingangshalle und Patio) stehen für künstlerische Interventionen zur Verfügung.




5.7. Zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten


Das neue Staatsarchiv stellt genügend Archivraum für die nächsten 25 Jahre bereit. Das vorgeschlagene Konzept bietet gute Erweiterungsmöglichkeiten, sowohl was den Öffentlichen Bereich, den Arbeits- als auch den Magazinbereich betrifft. Die jeweiligen Zonen lassen sich in westlicher Richtung horizontal erweitern. Eine bescheidene Erweiterung lässt sich bei Bedarf im Dachgeschoss (Konferenzraum, Foyer) mit geringem Aufwand und im bestehendem Volumen realisieren.




5.8. Pläne


Pläne [PDF-Format; 1'107 KB]



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