Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Wirtschaftsbericht 2002 des Regierungsrates | |
| vom: | 26. November 2002 | |
| Nr.: | 2002-296 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
12. Wirtschaftliche Entwicklung
Die Nordwestschweiz ist die am meisten prosperierende Region der Schweiz. Sie hat dies vor allem der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu verdanken, die seit Jahrzehnten ein erfolgreicher Wachstumsmotor ist. Die Region ist von gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche der Weltwirtschaft denn auch weniger betroffen als andere Teil der Schweiz. Die neusten Schätzungen für die regionale wirtschaftliche Entwicklungen gehen davon aus, dass im Verlaufe des Jahres 2003 die Flaute überwunden werden und wirtschaftliches Realwachstum wieder einkehren kann.
12.1 Konjunkturflaute vor dem Ende?
Die exportorientierte Schweiz ist infolge des grossen Exportanteils an der nationalen Wertschöpfung wie wenige Länder vom Klima der internationalen Konjunktur abhängig. Die Weltwirtschaft befindet sich zur Zeit in einer Flaute, und der bis vor einigen Monaten prognostizierte Aufschwung lässt weiter auf sich warten. (30)
Ab 2003 dürfte eine merkliche Erholung der Konjunktur einsetzen, ausgehend von den USA, und das wirtschaftliche Realwachstum in Europa auf über 2 Prozent bringen. Für die schweizerische Wirtschaft wird für das laufende Jahr eine reale Stagnation vorausgesagt, die im nächsten durch ein Wachstum von rund anderthalb Prozent abgelöst werden dürfte.
Mittelfristig erscheinen die Aussichten der Schweizer Wirtschaft zur Zeit weniger günstig als noch vor Kurzem. Die Prognose für das reale Wachstum für die Jahre 2004 bis 2010 wurden von 2.4 Prozent pro Jahr auf 2.1 Prozent zurückgenommen.
Bei den negativen Faktoren steht in der Schweiz im Vordergrund der Finanzsektor (vorab Banken und Versicherungen), der noch weiter redimensioniert werden und seine frühere Rolle als Wachstumsmotor bei den Dienstleistungen verloren haben dürfte. Schwierig wird es auch für die Sektoren Bau und Tourismus bleiben. Die Investitionsgüterindustrie, die sich zur Zeit in einer Flaute befindet, dürfte erst mit Verzögerung steigende Auftragseingänge verzeichnen, wird aber wohl ab dem Jahr 2003 zumindest im 2. Halbjahr wieder bessere Geschäfte machen.
Unter den positiven Faktoren der Schweizer Wirtschaft der nächsten Jahre steht erneut die chemisch-pharmazeutische Industrie im Vordergrund, die mit positiven Impulsen zum Wachstum beitragen wird. Zwar kann nicht erwartet werden, dass sich der Boom um die vergangene Jahrhundertwende wiederholen wird, aber die Entwicklung dürfte, obwohl weniger heftig, so doch deutlich positiv sein. Ähnliches gilt für den Kommunikationssektor. Weiterhin stützend werden der private und der öffentliche Konsum wirken; die verfügbaren Einkommen werden als weiterhin leicht bis mässig ansteigend angenommen.
Mit sich erholender Konjunktur wird sich auch der Arbeitsmarkt wieder entspannen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird bis 2003 als weiter ansteigend angenommen; die Arbeitslosigkeit dürfte sich nach einer Spitze von 3 Prozent wieder zurückbilden. Teuerungsimpulse werden auch mittelfristig keine erwartet; auch die Zinsen werden als stabil, allenfalls leicht steigend im Langfristsektor (Bundesanleihen) angenommen. Prognosen über die Wechselkurse sind noch viel schwieriger, aber angesichts der Exportintensität der schweizerischen Wirtschaft wichtig. Mittelfristig sind wie üblich gewisse Schwankungen denkbar, aber zur Zeit keine dramatischen Änderungen vorherzusehen.
12.2 Nordwestschweiz bleibt dynamisch
In den schweizerischen Regionen dürfte die Nordwestschweiz die dynamischste bleiben, sowohl kurz- wie mittelfristig. Entsprechend entwickelt sich auch der Arbeitsmarkt in der begonnenen Schwächephase weniger ungünstig als anderswo in der Schweiz.
Diese relativ gesehen bessere Entwicklung ist auf die bekannten strukturellen Faktoren zurückzuführen: einen überdurchschnittlich hohen Anteil der erfolgreichen chemisch-pharmazeutischen Industrie und einen wachsenden Kommunkationssektor, geringere Anteile an schwächeren Sektoren wie Finanz und Investitionsgüter.
Ein mittelfristiges regionales Realwachstum von über 2 Prozent pro Jahr bis 2005 würde sich, wenn es wie prognostiziert eintrifft, positiv von den beiden vorangegangenen Fünfjahreperioden abheben (1.7 Prozent bzw. 1.6 Prozent). Werden Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt und Preisentwicklung zusammengefasst, so ergibt sich eine mutmasslich mittelfristige Entwicklung mit klarem positivem Trend, ohne allerdings bei einer hauptsächlichsten Schwäche der Schweizer (und der regionalen) Wirtschaft eine deutliche Verbesserung anzuzeigen, nämlich bei der Arbeitsproduktivität.
Für die Wirtschaftspolitik des Kantons und für die Region folgt, dass die Ausrichtung auf Life Sciences in einem breiteren Sinne als durchaus richtig erscheint. Im breiteren Sinne bedeutet das, dass sich die Anstrengungen nicht ausschliesslich auf die Naturwissenschaften und die Medizin, sondern auch auf die für deren umfassende Förderung notwendigen anderen Disziplinen wie zum Beispiel Kommunikation, Informatik, Volks- und Betriebswirtschaft, die Rechte, Transport und andere Dienstleistungen richten.
Zur Stabilisierung eines mittelfristig günstigen Wirtschaftswachstums werden auch zumindest ausgeglichene öffentliche Haushalte beitragen.
12.3 Baselbieter Wachstum regional führend
Innerhalb der Region Nordwestschweiz steht der Kanton Basel-Landschaft wachstumsmässig, bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 2000 - 2005, leicht an der Spitze, leicht vor Basel-Stadt, aber deutlich vor den anderen Teilen der Region (Solothurn und Aargau). Daraus folgen - in Anbetracht der relativ kurzen Periode von fünf Jahren - wenig Verschiebungen der Anteile am Bruttoinlandsprodukt bzw. an der regionalen wirtschaftlichen Wertschöpfung.
Innerhalb des Kantons trägt der Bezirk Arlesheim am meisten zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung bei, gefolgt vom Bezirk Liestal. Gewisse Bedenken bestehen beim Bezirk Waldenburg wegen der relativ starken Abhängigkeit von der stark zyklischen Nachfrage nach Investitionsgütern.
Die beiden Basel dürften sich insofern unterschiedlich entwickeln, als das Wachstum des industriellen Sektors, geprägt besonders durch die chemisch-pharmazeutische Industrie, im Stadtkanton stärker ausfällt, während Baselland bei den Dienstleistungen weiter aufholt. Diese Prognosen bestätigen im Wesentlichen die bisherigen Trends.
Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, vom Wirtschaftsbericht Kenntnis zu nehmen.
Liestal, 26. November 2002
Im Namen des Regierungsrates:
Die Präsidentin: Schneider-Kenel
Der Landschreiber: Mundschin
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Fussnote:
30 Die Ausführungen zur Konjunktur stützen sich wesentlich auf die Prognosen der BAK Basel Econometrics, publiziert am 15. Oktober 2002.