Vorlage an den Landrat


5. Das Projekt

5.1. Summarisches Raumprogramm


Die Nettonutzflächen wurden anhand der detaillierten Pläne Mst. 1:100 neu gerechnet. Abweichungen gegenüber der Vorprojektvorlage begründen sich in zwei zusätzlichen Betriebsräumen im AIB-Gebäude (125 m 2 ), Zwischengeschoss für Lüftungszentrale (50 m 2 ), Einrechnung der Kombibürozone, Eingangszonen etc. (240 m 2 ) und Plangenauigkeit (100 m 2 ).


Gegenüber den heutigen Nettonutzflächen von total 2'580 m 2 erhöht sich das Flächenangebot der neuen Bibliothek um rund 30%. (vergl. Kap. 3.2. und 3.3.)




5.2. Bauprojekt


Situation, Baukörper
Das Gebäude steht an der Hangkante zwischen Güterbahnhofareal und dem tieferliegenden Stadtgebiet. Mit dem Umbau wird der heute verunklärte Solitärcharakter des Gebäudes wieder stärker herausgearbeitet. Der massive, verputzte Gebäudesockel verbindet das Haus mit den angrenzenden Bauten und verankert es am Ort. Die aus Holz konstruierten Obergeschosse sowie das Dach werden mit Ziegeln zu einer einheitlichen Dachform zusammengefasst. Mit einer Laterne wird das bestehende, markante Dach zusätzlich überhöht und lässt es zu einem zeichenhaft auf die Sockelgeschosse aufgesetzten Dachkörper werden.


Publikumsbereich
Der Haupteingang befindet sich am Güterbahnhofplatz. Über eine gedeckte Rampe sowie eine Aussentreppe erreicht man das grosszügig verglaste Eingangsgeschoss. Dort befinden sich die Information und Ausleihe, ein Lesecafé sowie ein auch extern nutzbarer Vortragsraum. Ein präzise in die bestehende Struktur eingefügter Lichthof bildet das Zentrum des Hauses. Durch die Anordnung der Haupttreppe im Lichthof legen die Besucherinnen und Besucher einen spiralförmigen Weg durch die Geschosse der Freihandbibliothek zurück. Diese sind als offene Räume konzipiert, welche von der dominanten hölzernen Tragstruktur gegliedert und durch den Lichthof zentriert werden. Bücherwände an den Aussenfassaden umfassen die Geschosse. In den Fensternischen angeordnete Leseplätze erlauben Ausblicke in die Stadt. Eine Leseterrasse steht im Niveau 4 zur Verfügung.


Magazine und Verwaltung
In den Sockelgeschossen Niveau 1 und 2 werden hangseits das Buchmagazin und talseits die Räume für die Verwaltung untergebracht. Der zentrale Lichthof verbindet die Geschosse untereinander und mit dem Publikumsbereich. Die Verwaltung ist zusätzlich über einen separaten Eingang direkt gegenüber der Kantonsverwaltung erschlossen. Die Sockelgeschosse werden durch die massive Betonskelettkonstruktion geprägt und strukturiert. Die Raumteilungen werden durch Möbeleinbauten vorgenommen. Verglasungen über den Einbauten belassen den eindrücklichen Stützenräumen ihre Präsenz und bringen zusätzliches Licht in die Erschliessungszonen. Die Magazine werden zur optimalen Platzausnützung mit Rollregalanlagen ausgerüstet.


Betriebsabläufe und Erschliessung
Das ganze Haus wird behindertengängig erschlossen. Eine zentrale Treppe im Lichthof verbindet die Publikumsgeschosse Niveau 3 bis 6 auf übersichtliche Weise miteinander. Ein über alle Geschosse führendes Fluchttreppenhaus dient gleichzeitig als Erschliessung der Verwaltungsgeschosse Niveau 1 und 2. Ein im Lichthof angeordneter, verglaster Personenlift führt über alle Geschosse. Ein Buchtransportsystem erlaubt den vertikalen Transport der Medien über alle Geschosse. Ein Bookreturn-Aussenschalter ermöglicht die Rückgabe von Büchern ausserhalb der Öffnungszeiten. Die Anlieferung des Hauses ist auf dem Niveau des Bahnhofplatzes angeordnet und mit einer Hebebühne stufenlos erreichbar.


Angrenzende Liegenschaft Bahnhofstrasse 7 (AIB-Gebäude)
Der Bau der Bibliothek bedingt kleinere Anpassungen an der Nachbarliegenschaft Bahnhofstrasse 7 (AIB-Gebäude). So müssen diverse heute bestehende Durchgänge geschlossen und Anpassungen an der Westfassade vorgenommen werden. Durch den Rückbau eines Sitzungszimmers und eines Büros können sowohl die Belichtungssituation als auch die Gebäudehülle der Kantonsbibliothek optimiert werden. Für diese beiden Räume wird Realersatz geboten. Die Sanierung der Nordfassade bildet einen Bestandteil des Gesamtnutzungs- und Sanierungskonzeptes der Liegenschaft. Diese soll über das Unterhaltsbudget finanziert und zeitgleich mit den Bauarbeiten für die Kantonsbibliothek abgeschlossen werden. Die Sanierung der Südfassade erfolgte bereits 1998.




5.3. Nachhaltiges Bauen


Das Konzept für nachhaltiges Bauen wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Energie (AUE) sowie den beteiligten Fachplanern weiter optimiert. Mit den vorgesehenen Massnahmen, vor allem im Bereich Wärmedämmung, Lüftung und Beleuchtung, wird der MINERGIE- Standard erreicht. Damit dürfte die neue Kantonsbibliothek das erste kantonale Gebäude sein, welches mit dem MINERGIE-Label ausgezeichnet werden kann.


MINERGIE (1) ist eine registrierte Qualitätsmarke. MINERGIE-Gebäude erfüllen hinsichtlich Komfort, Gesundheit, Energieverbrauch und Wirtschaftlichkeit zeitgemässe, hohe bauliche und technische Ansprüche. Die Anforderungen an ein Dienstleistungsgebäude (Neubau) sind:
- Energiekennzahl Wärme: Maximal 145 MJ/m 2 a
- Mechanische Lufterneuerung
- Beleuchtung: Der Energiebedarf muss 75% unter dem Grenzwert der SIA-Norm 380/4 liegen.


Wärmeschutz / Heizenergiebedarf
Die Wärmeschutzmassnahmen in der Kantonsbibliothek führen zu einem Heizenergiebedarf von rund 100 MJ/m 2 a. Damit kann voraussichtlich die Anforderung Minergie erreicht werden. Andernfalls ist in dieser Planungsstufe eine Optimierung nach Minergie noch möglich. Der Einsatz einer Wärmerückgewinnung (WRG) bei den Lüftungsanlagen führt zu einer zusätzlichen Reduktion des Heizenergiebedarfs.


Wärmeversorgung
Das Gebäude ist bereits heute über eine Wärmeübergabestation an das Fernwärmenetz der Fernwärme Liestal angeschlossen. Die Erzeugung der Wärme erfolgt im Sommer zu einem Grossteil mit Deponiegas, im Winter beträgt der Anteil ca. 25%.


Heizung/Lüftung
Alle Räume der Bibliothek werden mechanisch belüftet. Durch ein Erdregister kann die Zuluft während der Heizperiode vorgewärmt und im Sommer leicht gekühlt werden Die Lüftungsanlagen werden bedarfsabhängig gesteuert und sind mit Wärmerückgewinnungen ausgerüstet.


Tageslichtnutzung / künstliche Beleuchtung
Die Einführung von Tageslicht durch den Lichthof bis in die Untergeschosse ist einerseits ergonomisch vorteilhaft und reduziert andererseits, zusammen mit einer grösstenteils bedarfsabhängig gesteuerten Beleuchtung, den Stromverbrauch.


Regenwassernutzung
Das anfallende Regenwasser wird gesammelt und für die WC-Spülung genutzt. Dies bringt nebst ökologischen auch betriebliche Vorteile mit sich, indem Leitungen und Apparate weniger stark verkalken. Das überschüssige Regenwasser wird versickert.


Pilotprojekt Urinseparierung
Als einer der ersten Bauten in der Schweiz soll die Kantonsbibliothek mit einem neuen Sanitärkonzept zur Urinseparierung ausgestattet werden. Mit dem Pilotprojekt sollen weitere Erkenntnisse gesammelt werden. Bei positiven Erfahrungen soll in Zukunft das Konzept im Kanton kontinuierlich umgesetzt werden, mit dem langfristigen Ziel des flächendeckenden Einsatzes.


Ein mengenmässig dominanter Anteil von Stoffen, welche die Kläranlagen und unsere Gewässer stark belasten, stammen aus dem Urin. Mit dem an der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) entwickelten Sanitärkonzept, dessen Kernstück die sogenannte Trenntoilette bildet, kann der Urin getrennt abgeführt werden. Während die Exkremente auf herkömmliche Art in die Kanalisation gelangen, wird der Urin in einem Speichertank gesammelt. Das System gilt als wichtiger Eckpfeiler für eine Hausentwässerungs-Strategie mit Zukunft.


Baumaterialien
Der Umbau stellt im Vergleich mit einem Neubau eine gute Lösung bezüglich Ressourceneinsatz dar. Ein Grossteil des Tragwerks (Wände, Stützen, Decken und Dachkonstruktion) wird erhalten. Hingegen werden sowohl die Gebäudehülle als auch die technische Gebäudeausrüstung und der Innenausbau nach dem neusten Stand der Technik erstellt. Die Vorgaben des Hochbauamtes betreffend Ökologie und Einsatz von umweltschonenden Baumaterialien werden berücksichtigt.


Verkehr
Die zentrale Lage direkt neben Bahn- und Bushaltestellen ermöglicht eine Minimierung des motorisierten Verkehrsaufkommens im Zusammenhang mit der Bibliotheksbenutzung.


Die im Bereich Nachhaltigem Bauen vorgesehenen Massnahmen sind insgesamt knapp wirtschaftlich. Sie bieten zusätzlich Komfortverbesserungen (Bsp. Sommerkühlung). Im Sinne der Vorbildfunktion des Kantons sollen die Massnahmen realisiert werden.




5.4. Bauablauf


Das bestehende Gebäude wird heute als Lagerraum verschiedener Dienststellen der kantonalen Verwaltung genutzt. Bis Baubeginn werden die Lagerbestände ausgelagert oder aufgelöst. Für gewisse, erhaltenswerte Bestände sind verschiedene Lagerräumlichkeiten in Liestal vorgesehen.


Während des Umbaus ist das Gebäude nicht in Betrieb. Es stellen sich bezüglich Bauablauf keine besonderen Probleme. Der Umbau erfolgt in einer Etappe. Die angrenzende Liegenschaft, Bahnhofplatz 7, erfährt gleichzeitig durch den Bibliotheksbau bedingte kleinere Anpassungen (vgl. Kap. 5.3.).




5.5. Denkmalpflegerische Aspekte


Den Vorgaben aus Architekturwettbewerb und Vorprojekt wurden bei der Weiterbearbeitung und Detaillierung des Projektes Rechnung getragen.


Die bestehende Bausubstanz steht nicht unter Denkmalschutz. Dennoch sollen die prägenden Elemente des Hauses, wie z.B. die sichtbare, hölzerne Tragkonstruktion durch den Umbau in ihren Eigenheiten verstärkt und besser lesbar gemacht werden. Die Unterscheidung in Sockel und Dachraum, die sich in den verschiedenen Fassadenmaterialien ausdrückt, wird im vorliegenden Projekt erhalten und weiter verdeutlicht. Mit ihren offenen Räumen entspricht die Bibliothek einer dem ehemaligen Lagergebäude optimal angepassten Nutzung. Die Innenräume werden von heutigen störenden Einbauten und Trennwänden befreit, so dass die auch nach dem Umbau grösstenteils sichtbar belassene hölzerne Tragkonstruktion wieder besser erlebbar wird.




5.6. Kunst am Bau


Die Kantonsbibliothek ist ein wichtiges kulturelles Gebäude. Ziel der künstlerischen Intervention ist ein Gesamtkonzept, bei welchem Architektur und Kunst eine untrennbare Einheit auf hohem künstlerischem Niveau bilden. Zu diesem Zweck wurden neun Künstlerinnen und Künstler eingeladen ihre künstlerische Arbeit einer Jury zu präsentieren. Zusammen mit dem ausgewählten Künstler, den Architekten, Nutzern und Hochbauamt wurde das künstlerische Konzept für die Bibliothek entwickelt und detailliert.


Die vorgesehenen Interventionen verweisen auf subtile Art auf die neue Funktion des Gebäudes als Bibliothek, auf seine ursprüngliche Nutzung als Weinlager sowie auf seine Benutzer. Sie vermögen dabei verschiedenste Altersstufen und Benutzerschichten anzusprechen.




5.7. Umgebungsgestaltung, Landerwerb


Die Kantonsbibliothek soll in eine attraktive, publikumsfreundliche Umgebungsgestaltung des Bahnhofumfeldes eingebunden werden, mit dem Ziel einen angemessenen Freiraum vor dem Gebäude und die Anbindung an den übergeordneten Platz zu erhalten. Die entsprechenden Rahmenbedingungen sind als Vorgaben in den Wettbewerb Städtebauliche Entwicklung Bahnhofgebiet Liestal eingeflossen. Resultate aus dem Wettbewerb werden auf Juli 2002 erwartet.


Landerwerb, Regelung Dienstbarkeiten SBB
Die Parzelle der Kantonsbibliothek stösst im Norden an die kantonale Verwaltung, im Süden und Westen an SBB-Areal. Bereits das bestehende Gebäude macht gegen Westen vom gegenseitigen Grenzbaurecht (ohne Öffnungen) Gebrauch. Mit dem geplanten Projekt erhält die auf der Grenze stehende Westfassade neu Öffnungen (Grenzbaurecht mit Öffnungen), wodurch sich der Grenzabstand erhöht. Der zu erwerbende Grundstücksstreifen gilt gemäss aktueller Waldgrenzkarte als Wald. Es besteht die Absicht dieses Areal durch den Kanton von der SBB zu erwerben. Gegen Süden wird durch die neue Zugangssituation mit Rampe ein Näherbaurecht notwendig. Dieses soll mittels Dienstbarkeit oder durch Erwerb geregelt werden.


Parkplätze Auto und Velo
Gemäss externem Parkplatzgutachten sollen 21 Parkplätze und 40 Veloabstellplätze für die Kantonsbibliothek angeboten werden (2) . Auf der eigenen Parzelle bestehen keine Freiflächen, die die Realisierung der Parkplätze zulassen würde. Eine unterirdische Lösung unter dem bestehenden Gebäude ist aus Gründen der Bautechnik und der Erschliessung nicht realisierbar. Drei Parkplätze für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können nach Angaben der Stadt Liestal im Parking der Gutsmatte untergebracht werden. Eine mögliche Realisierung der 18 Besucherparkplätze im Bahnhofsgebiet soll der Gestaltungswettbewerb "Städtebauliche Entwicklung Bahnhofgebiet Liestal" aufzeigen. Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe ist die Realisierung eines neuen unterirdischen Parkings. Als Planungsgrundlage ist in den Kosten der Betrag der Parkplatzersatzabgabe eingesetzt (vergl. Kap. 7.1.) Angesichts der zentralen Lage ist grundsätzlich eine Doppelnutzung der Parkplätze anzustreben, um eine optimale Ausnutzung des Parkraumes zu erreichen. In erster Linie wird eine genügend grosse Anzahl Kurzzeit-Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Kantonsbibliothek benötigt. Die Veloabstellplätze sind in unmittelbarer Nähe zum Bibliothekseingang anzuordnen, da sonst die Neigung zum "Wild-Parkieren" erfahrungsgemäss gross ist.




5.8 Nachfolgenutzung aufgehobener Standorte


Alle bisherigen Standorte der Kantonsbibliothek können nach dem Bezug der neuen Kantonsbibliothek aufgehoben werden. Als Nachfolgenutzer vorgesehen sind primär die eigentlichen Stammnutzer der jeweiligen Gebäude. Anfang 2001 neu gemietete Magazinräume, die den im Staatsarchiv gelagerten Bestand der Kantonsbibliothek aufnehmen mussten, können im Anschluss durch das Staatsarchiv während dessen Umbau- und Erweiterungsarbeiten genutzt werden.




5.9. Pläne


Situation, Grundrisse, Fassaden, Schnitte
Finden Sie in der PDF-Version der Vorlage [PDF-Datei; 592 KB]



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Fussnoten:


1 MINERGIE definiert folgende Anforderungen an ein Gebäude: 1. Die Grenzwerte für den Energieverbrauch. Abhängig von der Gebäudekategorie gelten unterschiedliche Energiekennzahlen für Wärme und Elektrizität. 2. Die Installation und den Betrieb einer kontrollierten Lüftung. Dabei dürfen Mehrinvestitionen gegenüber konventionellen Vergleichsobjekten höchstens 10 % betragen.


2 Andere Schweizer Bibliotheken mit vergleichbarer Lage, Funktion und Grösse (Stadt- Kantonsbibliothek Zug, Stadtbibliothek Biel, Stadtbibliothek Luzern und Kornhausbibliothek Bern) verfügen über keine eigenen Besucherparkplätze.