Vorlage an den Landrat


3. Begründung / Bedarf

Das Staatsarchiv repräsentiert den Staat und seine Organe, es ist das Gedächtnis des Kantons. Die Archivierung der relevanten Unterlagen der Kantonsbehörden ermöglicht den Nachvollzug des staatlichen Handelns und bildet die Grundlage für die Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit in einem modernen demokratischen Rechtsstaat. Archivierte Unterlagen bilden auch das Rohmaterial für historische Forschungen. Sie geben Auskunft über die Lebensumstände der Einwohnerinnen und Einwohner unseres Kantons und über die Ereignisse in unserer Vergangenheit. Sie haben eine wichtige identitätsstiftende Funktion für den Kanton Basel-Landschaft und sind äusserst wertvolles Kulturgut. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist gerade im jungen Kanton Basel-Landschaft besonders wichtig: Beispiele dafür sind der Laufentalanschluss, die Wiedervereinigung der Halbkantone oder der 2. Weltkrieg.


Ohne systematische Aktenführung und Archivierung sind moderne Verwaltung und Gerichtswesen nicht funktionsfähig.


Der Nachvollzug staatlichen Handelns ist unabdingbar für:


Ein direkter wirtschaftlicher Nutzen ist zum Beispiel die Bauplan-Ausleihe für Private und den Staat: Blieben die Baugesuche im Bauinspektorat, müsste dieses Raum und Personal für die Lagerung, Verwaltung und Ausleihe zur Verfügung stellen.


Fundamental wichtig ist das Staatsarchiv für die Identität des Staates und seiner Bürgerinnen und Bürger: Menschen suchen nach ihrem Ursprung und benötigen z. B. Geburtsurkunden, Adoptionsdossiers und Einbürgerungsnachweise.


Die enge Verknüpfung des Staatsarchivs mit der Verwaltung belegen die Rückgriffe der Verwaltung auf ihre Akten im Staatsarchiv. Durchschnittlich sind dies mindestens 250 pro Jahr, dazu werden jährlich zahlreiche Aktenmanagementberatungen des Staatsarchivs in der Verwaltung vorgenommen (1999: 44 Beratungen). Eine Statistik über die unzähligen telefonischen und schriftlichen Auskünfte fehlt heute noch.


Die Archivierung ermöglicht nicht nur die Erforschung der Vergangenheit, sie stellt auch die Überlieferung der Gegenwart in die Zukunft sicher. Die nachhaltige Bewirtschaftung der relevanten Informationen ist angesichts der quantitativ und qualitativ umwälzenden Entwicklung der Informationstechnologien von höchster gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Archivarbeit ist heute sehr stark zukunftsgerichtet. Der gezielte Einsatz der IT spielt dabei eine zentrale Rolle. Einscannen, d. h. nachträgliche Digitalisierung von Dokumenten und deren digitale Langzeitarchivierung, ist zwar meist sehr viel kostenaufwändiger als die Archivierung von Papieroriginalen. Die Digitalisierung von Archivalien und deren on-line Vermittlung wird jedoch bereits heute getestet und soll zunnehmend ausgebaut werden, dies erfolgt allerdings strikt bedarfs- und kostenorientiert. Raumersparnis ist daraus keine zu erwarten. Unterlagen, die schon in elektronischer Form vorliegen, werden hingegen nach Möglichkeit bereits heute elektronisch archiviert.


Alle kantonalen Behörden müssen ihre Unterlagen dem Staatsarchiv zur Archivierung anbieten. Dieses entscheidet über deren Archivwürdigkeit. Die vom Staatsarchiv übernommenen Unterlagen werden während ihrer gesetzlichen Aufbewahrungsfrist und, wenn sie historisch relevant sind, auf Dauer sicher und sachgemäss aufbewahrt und im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften der Öffentlichkeit aber auch den abliefernden Behörden wieder zugänglich gemacht.


Die Unterlagen des Staatsarchivs sind wertvolle Unikate und werden in der Regel nicht ausgeliehen. Sie müssen unter Aufsicht im Lesesaal konsultiert werden. Archivunterlagen sind sehr vielfältig und die BenutzerInnen brauchen oft beratende Unterstützung, um die gesuchten Informationen zu finden. Die BenutzerInnen des Staatsarchivs haben äusserst unterschiedliche Bedürfnisse. Diese reichen von der schnellen Einsicht in die Baupläne eines Baugesuchs durch Architekten oder Bauherren bis zum jahrelangen minutiösen Aktenstudium für eine Forschungsarbeit. Sehr viele Anfragen kommen aus der Verwaltung und den politischen Behörden oder den Medien. Daneben finden sich aber auch zahlreiche interessierte Laien, Heimatforscherinnen und -forscher, Genealoginnen und Genealogen oder immer mehr auch Schülerinnen und Schüler.


Heute werden die Unterlagen grösstenteils als Originale zugänglich gemacht. Zwar sind entsprechende Mikrofilme längst vorhanden, im Moment kann aber aus räumlichen Gründen keine benutzerfreundliche Mikrofilmkonsultation angeboten werden. Ebenso können interessante Ton-, Film- und Bildbestände, die eine spezielle Lese-Infrastruktur benötigen, nicht oder nur sehr umständlich konsultiert werden.


Die Restaurierung von Archivalien ist in der Regel sehr kostenintensiv. Daher ist eine konsequente Politik der Schadensvermeidung durch sachgerechte Lagerung und Klimatisierung ein wesentlicher Faktor bei der Kostenreduktion der Langzeitarchivierung.


Grundsätzlich geht es aus dem Wesen eines Staatsarchivs hervor, dass es wächst und mithin periodisch Raumbedarf anmelden muss. Wie stark es wächst, hängt von zwei Faktoren ab:


Das Staatsarchiv ist heute an seine räumlichen und organisatorischen Grenzen gestossen. Es herrscht ein Defizit an Archiv-, Publikums- und Arbeitsräumen. Interne Betriebsabläufe, die die Aufbereitung und Bewirtschaftung der Archivalien betreffen, sind gestört und beeinträchtigen die Sicherheit und die Dienstleistung gegenüber dem Publikum.


Die aktuelle Raumsituation erlaubt es dem Staatsarchiv nicht mehr, seine rechtlich verankerte Aufgabe und seine Funktion als modernes Informationszentrum für das Publikum und die Behörden effizient wahrzunehmen.




3.1. Heutige Situation


Das Staatsarchiv ist in drei Zonen gegliedert, die voneinander sauber getrennt sein sollten:


Der Magazinbereich stellt dabei eine Sicherheitszone dar. Diesen Bereich dürfen ausschliesslich befugte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreten. Der Arbeitsbereich stellt ebenfalls eine interne Zone dar, er kann für Besucherinnen und Besucher aber kontrolliert zugänglich gemacht werden. Durch diverse Umlagerungen und Umbauten in den vergangenen 15 Jahren wurde dieses Zonen-Konzept durchbrochen. Dies beeinträchtigt in erheblichem Masse die geforderte Sicherheit der Archivalien.



Öffentlicher Bereich: Beengte Raumverhältnisse im Lesesaal / eingeschränkte Vermittlung des Archivguts


Die nie besonders grosszügigen Raumverhältnisse des Lesesaals wurden durch zwei Mikrofilmlesegeräte und einen PC sowie durch die ständig wachsende Präsenzbibliothek laufend eingeschränkt. Die Unterlagen des Staatsarchivs sind wertvolle Unikate und müssen unter Aufsicht im Lesesaal konsultiert werden. Archivunterlagen sind sehr vielfältig, und die Benutzerinnen und Benutzer brauchen oft beratende Unterstützung, um die gesuchten Informationen zu finden. Die Beratungen werden wegen der sehr engen Räumlichkeiten in der Kanzlei im Lesesaal durchgeführt, so dass ein ruhiges Aktenstudium nicht gewährleistet werden kann. Auch die Konsultation der Mikrofilme von Unterlagen am Bildschirm ist äusserst unbequem und nur schwer in Selbstbedienung möglich.


Die vermutlich wertvollsten und gleichzeitig auch meist benutzten Unterlagen des Staatsarchivs, die Kirchenbücher, werden noch immer ohne jegliche Schutzmassnahmen allen Benutzerinnen und Benutzern im Original vorgelegt. Ein Zustand, der sich heute kaum mehr in irgend einem anderen Archiv findet, da die Konsultation durch Laien zu oft irreparablen Schäden an diesen einmaligen Kulturgütern führt. Die laufend anfallenden Restaurationskosten an diesen Büchern sind auch tatsächlich sehr hoch und wären zu einem grossen Teil vermeidbar. Im Moment kann jedoch aus räumlichen Gründen keine benutzerfreundliche Mikrofilmkonsultation angeboten werden, obwohl die Mikrofilme längst vorhanden sind.


Das Staatsarchiv hat einige interessante Ton-, Film- und Bildbestände, die eine spezielle Leseinfrastruktur benötigen. Zur Zeit können diese Dokumente, die in starkem Zuwachs begriffen sind, nicht oder nur sehr umständlich konsultiert werden. Zudem fehlen ausreichend Bildschirmarbeitsplätze, um das stark zunehmende digitale Archiv zugänglich zu machen. Unter den geschilderten Umständen konnte und kann das Staatsarchiv keine eigentlichen Publikumsaktivitäten entwickeln, da ein grösserer Benutzerzustrom von der Infrastruktur her gar nicht zu bewältigen wäre. Auf Gruppenanlässe in den Räumlichkeiten des Staatsarchivs, wofür die Archivbestände reichlich Stoff liefern könnten, muss weitgehend verzichtet werden.


Durch verschiedene Projekte der letzten Jahre, insbesondere die Flurnamenforschung und die Forschungsstelle Baselbieter Geschichte, intensivierte sich die Benutzung des Staatsarchivs erheblich. Deshalb wurde auf Kosten von Magazinraum eigens ein zweiter Lesesaal für die Forscherinnen und Forscher der Forschungsstelle eingerichtet. Heute ist dieser Raum, als Notlösung, vom Personal des Staatsarchivs beinahe vollständig belegt. Auch wenn die beiden genannten Forschungsprojekte zu Ende sind, zeigt sich bereits, dass die Dienstleistungen des Staatsarchivs deutlich häufiger genutzt werden.



Arbeitsbereich


Eine Faustregel geht von einem Bedarf von 1 Archivpersonal pro 1'000 Laufmeter (lm) Archivbestand aus. Diese Personalentwicklung wurde in den vergangenen Jahrzehnten auch tatsächlich vollzogen. Bei rund 8'000 lm Archivbestand verfügt das Staatsarchiv derzeit über rund 8 unbefristete Vollzeitstellen. Diese werden von 10 Personen besetzt. Dazu kommt ein Aushilfekredit für 2 befristete Teilzeit-Stellen und zumeist 1 fremd finanzierte Stelle.


In den letzten Jahren wurden an allen möglichen und unmöglichen Orten im Gebäude Büroarbeitsplätze von teilweise mangelnder Qualität eingerichtet, zudem meistens auf Kosten von Magazinraum. Diese Situation führte unweigerlich zu unübersichtlichen und ineffizienten Arbeitsabläufen.



Magazinbereich: Raumnot in den Magazinen


Heute bewahrt das Staatsarchiv über 8'000 lm Unterlagen auf. Der weitaus grösste Teil davon sind "konventionelle" Papierakten. Neue Medien (Bild-, Ton-, Film-, verschiedenste elektronisch gespeicherte Daten) nehmen heute einen immer grösseren Platz ein.


Die Magazinraumreserven des Staatsarchivs sind heute erschöpft: In der LR-Vorlage 89/175 ging man von einem jährlichen Zuwachs von ca. 150 lm aus. Es wurde darauf hingewiesen, dass nach 10 bis 15 Jahren weitere Magazinkapazitäten zur Verfügung gestellt werden müssen. Tatsächlich betrug der Netto-Zuwachs zwischen 1991 und 1995 1'485 lm (297 lm statt der 1989 angenommenen 150 lm / Jahr!). Dabei fiel neben dem unterschätzten Zuwachs auch eine Ablieferung aus dem Laufental (110 lm) stark ins Gewicht. Damit waren die gewonnenen Raumreserven innert kürzester Zeit aufgebraucht.


Schliesslich war die Einrichtung von aus archivischer Sicht sehr behelfsmässigen Aussenmagazinen nicht mehr zu umgehen. Dort werden zur Zeit rund 1'000 lm Akten unter ungenügenden Bedingungen zwischengelagert.


Dank gezielten Anstrengungen zur Vernichtung nicht mehr benötigter Akten und Druckschriften konnte der Zuwachs etwas abgeschwächt werden. Dieses Resultat wurde durch die Ausscheidung bereits archivierter Akten im Staatsarchiv und durch Beratung der Dienststellen erreicht. Bereits in den Dienststellen selbst sollen nicht archivwürdige Akten gezielt vernichtet und der Zuwachs mittels effizienter Schriftgutverwaltung reduziert werden.


Nicht zu umgehen war schliesslich ein faktischer Ablieferungsstopp seit ca. 2 Jahren. Zur Zeit übernimmt das Staatsarchiv nur Ablieferungen, die die Dienststellen selbst aus Platzgründen nicht mehr länger aufbewahren können. Neue Akzessionen werden zur Zeit auf Paletten im externen Hochregallager zwischengelagert. Die Bewirtschaftung dieser Provisorien ist sehr aufwändig und umständlich. Eine archivische Aufarbeitung ist kaum möglich und die immer wieder notwendigen Rückgriffe auf diese Unterlagen durch die Dienststellen selbst gestalten sich als äusserst mühevoll. Zudem sind diese Unterlagen gerade wegen ihres noch relativ aktuellen Inhaltes besonders schutzwürdig. Die minimalen Bedingungen für einen Archivbetrieb sind bei der Aussenstelle nicht erfüllt.


In den Dienststellen selbst befinden sich heute sehr grosse Mengen älterer Akten, die eigentlich ins Staatsarchiv gehören und von diesem aus räumlichen Gründen nicht übernommen werden können. Diese dezentral gelagerten und schlecht aufbereiteten Unterlagen beanspruchen derzeit in den Dienststellen sehr viel Raum, der besser genutzt werden könnte.




3.2. Künftige Situation und Ziele


In den nächsten Jahren werden sich die Archivbestände folgendermassen entwickeln:


Parallel zum Archivbestand wird sich auch der Personalbestand erhöhen. Die Entwicklung des Personalbestands skizziert einen realistischen Bedarf bis ins Jahr 2029. Der Mehrbedarf wird schrittweise und aufgrund konkreter Bedürfnisnachweise vollzogen. Dank neuer, effizienter Betriebsabläufe wird die Zunahme, bezogen auf den Umfang der Archivbestände, unterproportional von 8 auf etwa 13 Vollzeitstellen ausfallen.


Diese Zunahme teilt sich wie folgt auf:


Die Personalzunahme in der Kanzlei und bei den Archivarinnen und Archivaren hängt mit der quantitativen Zunahme der Archivbestände, der Intensivierung der Bewertungsarbeiten, der Benutzung und der Diversifizierung der audiovisuellen und elektronischen Medien zusammen.


Für die Vollzeitstellen, Praktikanten und Lehrlinge und die befristeten Angestellten sind total 20 Büroarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.


Hinzu kommen 10 weitere Arbeitsplätze verteilt auf Vorsortierraum, Akzessionsraum und Atelier mit genügend Tischfläche, Regalen und Computeranschluss für die physische Aufbereitung und Erschliessung der Archivalien. Diese erfolgen zum Teil durch fremd finanziertes Personal in den Räumen des Staatsarchivs, aber auch durch das feste Archivpersonal, das weitgehend polyfunktional eingesetzt an verschiedenen Arbeitsplätzen arbeitet.


Ziel ist es, die rechtlich verankerten Aufgaben wieder vollumfänglich erfüllen zu können. Neben dem Bereitstellen von ausreichenden Archivflächen für die nächsten 25 Jahre gehören die fachgerechte Aufbereitung, Lagerung und Bewirtschaftung sämtlicher Archivalien dazu. Die Dokumente sollen sicher aufbewahrt und dem breiten Publikum zugänglich gemacht werden können.


Der Publikumsbereich ist im Wachstum begriffen. Im Jahre 2000 wurden im Lesesaal 1210 Personen gezählt, in der Bauplan-Ausleihe 319. Dabei beträgt die durchschnittliche Benutzungszeit 5 Stunden pro Tag. Die Benützung ist jedoch nicht gleichmässig verteilt; oft ist der Saal heute zu voll für eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Hinzu kommt die gegenüber früher vielfältigere Nutzung: Mikrofilme werden konsultiert, PC-Recherchen durchgeführt, Quellen am eigenen Laptop ausgewertet, Quellen und Schriften vom Personal erläutert. Dies erfordert, auch im Hinblick auf immer mehr multimedial und digital verfügbaren Quellen, eine Trennung des Lesesaals in einen ruhigen und lauten Teil mit Geräteinfrastruktur. Das projektierte Staatsarchiv wird die neuen Anforderungen an den Publikumsbereich erfüllen. Dank guten Arbeitsbedingungen wird sich die jährliche Besucherzahl kontinuierlich auf 5000 Personen erhöhen.


Es stellen sich folgende Anforderungen an den Publikumsbereich:


Vermehrt soll die Informatik in allen Aufgabenbereichen zum Einsatz kommen:


Ein Staatsarchiv sollte aktiv durch gezielte Publikumsaktionen auf eine bessere Vermittlung des Archivguts hin wirken. Archive können wertvolle Dienste beim Geschichtsunterricht an den Schulen, beim Lehrangebot der Universitäten aber auch in der Weiterbildung und in der Freizeit leisten.




3.3. Bisheriges Vorgehen / Planungsschritte


Das bestehende Gebäude, unterteilt in einen Büro- und Magazintrakt, wurde 1959/1960 für das Staatsarchiv und die Schul- und Büromaterialverwaltung gebaut. 1982 wurde das Gebäude für die alleinige Nutzung durch das Staatsarchiv eingerichtet. Mit periodischen Um- und Erweiterungsbauten (1988, 1990/1991, 1995, 1997) wurden bis heute ausgewiesene Bedürfnisse gedeckt. Dabei stellte die Magazinunterkellerung von 1990/1991 die bedeutendste räumliche Erweiterung dar. Die letzten Umbauten von 1995 und 1997 beschränkten sich auf Verkleinerungen der Fensteröffnungen im Magazintrakt und Anpassungen im Treppenhaus des Bürotrakts. Bereits im Rahmen des Bewilligungsverfahrens für den Ausbau 1990/1991 wurde ein weiterer Ausbau ab dem Jahr 2000 prognostiziert (Landrats-Vorlage 89/175 vom 01.08.1989).


Die laufend erhöhten Archivbestände bedingen heute eine Erweiterung des Staatsarchivs. Bei gleichbleibender Zuwachsrate von Archivmaterialien wird im Staatsarchiv schon ab ca. 2003 kein Magazinplatz mehr zur Verfügung stehen. Das entsprechende Gesuch um Aufnahme in den Investitionsplan erfolgte durch das Staatsarchiv am 12.06.1997. Mit Schreiben vom 16.07.1997 sicherte die Bau- und Umweltschutzdirektion dem Staatsarchiv zu, dass die Planungsarbeiten nach Vorliegen von Lösungsansätzen für die Kantonsbibliothek vom Hochbauamt in Angriff genommen würden. Nachfolgend wurde der Architekturabteilung der Fachhochschule beider Basel (FHBB) der Ausbau des Staatsarchivs als Thema für Diplomarbeiten zur Verfügung gestellt. Die auf einem realistischen Raumprogramm basierenden Projekte zeigten die Machbarkeit auf dem bestehenden Areal und gaben Rückschlüsse für die Bedingungen des nachfolgend geplanten Wettbewerbes.


Um möglichst hochwertige Antworten auf die anspruchsvolle Aufgabe zu erhalten und eine konzeptionelle, gestalterische und wirtschaftliche Evaluation vornehmen zu können, hat der Regierungsrat mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1069 vom 23. Mai 2000 die Bau- und Umweltschutzdirektion ermächtigt, einen anonymen, offenen Projektwettbewerb für die Erweiterung des bestehenden Archivs an der Wiedenhubstrasse 35 in Liestal durchzuführen. Grundlage des Wettbewerbs waren neben dem detaillierten, geprüften Raumprogramm eine Machbarkeitsstudie zur Aufstockung des bestehenden Magazintrakts und ein geologisches Gutachten über den Baugrund.


Es wurden 33 Wettbewerbsprojekte eingereicht und beurteilt. Für die Projekte der engsten Wahl wurden dabei durch einen neutralen, externen Kostenplaner die Baukosten ermittelt und als Beurteilungskriterium beigezogen.


Auf Empfehlung des eingesetzten Preisgerichtes beauftragte der Regierungsrat mit Beschluss Nr. 0281 vom 13. Februar 2001 die Gewinner des Projektwettbewerbs, die Architekten EM2N, Mathias Müller und Daniel Niggli, Zürich, mit der Weiterbearbeitung der Bauaufgabe.




3.4. Alternativen, Standortüberlegungen


In der Vorbereitungsphase des Wettbewerbes wurde nach neuen Standorten für ein neues Staatsarchiv gesucht. Dabei hat sich keine Alternative aufgedrängt.


Der bestehende Standort ist in vergleichbarer Nähe zu Kantonsbibliothek und Kantonsmuseum, die beide ein ähnliches Kundensegment ansprechen. Das vorhandene Synergiepotential in der Kantonshauptstadt Liestal bleibt so erhalten. Eine mögliche Einbindung in den Ideenwettbewerb Städtebauliche Entwicklung Bahnhofgebiet Liestal wurde ebenfalls geprüft, musste aber fallen gelassen werden, da dies den Bau um Jahre verzögern und damit den Betrieb des Staatsarchivs gefährden würde. Ein wirtschaftlicher Gewinn durch einen neuen Standort hat sich nicht abgezeichnet. Ein Kostenvergleich der prämierten Wettbewerbsprojekte hat gezeigt, dass bei einem vollständigen Neubau die gleichen Gebäudekosten zu erwarten sind.


Im Wettbewerb selbst wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern offengelassen, ob die bestehende Bausubstanz integriert, teilweise oder ganz abgerissen wird. Dies hat zu einem breiten Spektrum an Lösungsansätzen auf dem bestehenden Areal geführt.




4. Die gewählte Lösung


Das neue Staatsarchiv soll an heutiger Lage an der Wiedenhubstrasse gebaut werden. Der bestehende Magazintrakt wird in das neue, orthogonale Gebäudevolumen integriert. Die Lösung besticht durch eine saubere Trennung der geforderten Bereiche, überzeugende betriebliche Abläufe, den sparsamen Umgang mit Ressourcen und einen adäquaten architektonischen Ausdruck. Das Projekt zeigt langfristig gute Erweiterungsmöglichkeiten.
Der kompakte Kubus verspricht zudem eine ökonomische Lösung.



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