Vorlage an den Landrat
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Vorlage an den Landrat |
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| Titel: | Neues Kantonales Netzwerk WAN und MAN | |
| vom: | 29. Mai 2001 | |
| Nr.: | 2001-150 | |
| Bemerkungen: | Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts |
3. Strategie
3.1 Definition und Priorisierung der Anforderungen im WAN
Basierend auf der Analyse der Ist-Situation bezüglich Infrastruktur, vor allem aber aus den Benutzerworkshops und einer Umfrage bei den Gemeinden sowie der Stärken-Schwächen-Analyse sind die Anforderungen definiert und priorisiert worden. Diese werden mit den möglichen Varianten verglichen.
Die Erarbeitung der Strategie basiert auf der Asynchronous Transfer Mode [ATM]-Technologie, während die Kostenaufstellung für Gigabit Ethernet gerechnet ist. Gigabit Ethernet [GbE] hat - während der vorliegende Bericht erarbeitet worden ist - die Marktreife und den geforderten Funktionsumfang schneller als erwartet erreicht und hat einen riesigen Markterfolg, da es kostengünstiger ist und einen einfacheren Betrieb als ATM aufweist, so dass auf diese Technologie zu setzen ist.
Tabelle 1: Vergleich der Strategievarianten mit dem Anforderungskatalog
Der Vergleich mit den Anforderungen zeigt, dass von den neun betrachteten Kombinationsmöglichkeiten drei den Muss-Anforderungen nicht genügen und eine nicht sinnvoll ist.
| - | Das reine Router-Netz kann keinen Mindestdurchsatz pro Leistungsgruppe garantieren |
| - | Das reine ATM-Netz: Das Ausrüsten aller Access-Standorte (3) mit ATM-Equipment ist sehr kostenintensiv und ergibt kein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ausserdem schiesst diese Lösung für die geforderten Bandbreiten eindeutig über das Ziel hinaus. |
| - | Dasselbe gilt bei einem Teiloutsourcing des Netzes, wenn die Access-Standorte mit ATM ausgerüstet werden. |
| - | Weiter zeigt der Vergleich mit den Anforderungen, dass sich der Einsatz von Frame-Relay-Geräten im Accessbereich nicht rechtfertigt. Der einzige Vorteil, der sich durch FR anstelle von Routern im Access erreichen lässt, liegt darin, dass auch innerhalb eines Standortes getrennte Subnetze gebildet werden können. Dazu besteht jedoch im Kanton BL praktisch kein Bedarf. Die FR/FR-Lösung ist damit nur teurer, nicht aber besser als die FR/Router-Lösung. Sie wird nicht weiter betrachtet. |
3.2 Resultierende Strategievarianten
Alle verbleibenden Strategievarianten erfüllen die Muss-Anforderungen (Kriterien mit Priorität 1) gemäss Anforderungskatalog. Um die verbleibenden Varianten geeignet analysieren zu können, werden sie folgendermassen gruppiert und benannt:
| Variante 1: Insourcing (eigener Betrieb) | Variante 2: Outsourcing | ||
| Variante 1a:
Verwendung von Frame Relay im Core-Bereich |
Variante 1b:
Verwendung von ATM im Core-Bereich |
Variante 2a:
Teil-Outsourcing, Betrieb der Router im Access-Bereich bleibt beim AfI |
Variante 2b:
volles Outsourcing |
Tabelle 2: Gruppierung der verbleibenden Strategievarianten
3.3 Stärken-Schwächen-Analyse
Die Stärken-Schwächen-Analysen zeigen folgendes Resultat:
3.3.1 Insourcing (Variante 1) vs. Outsourcing (Variante 2)
Die Variante Insourcing bietet die folgenden Vor- und Nachteile:
| + | Anpassung nach Mass |
| + | hohe Unabhängigkeit (eigenes Netz, massgeschneiderte Lösung) |
| + | Gewährleistung der Vertraulichkeit relativ einfach |
| + | keine personellen Änderungen im AfI notwendig |
| - | technische Vorgaben müssen spezifiziert werden |
| - | Abteilung in der Kantonsverwaltung notwendig (AfI) |
| - | eingeschränkte Flexibilität (hohe Investitionen) |
Die Variante Outsourcing bietet die folgenden Vor- und Nachteile:
| + | wenige technische Vorgaben |
| + | In-house-Wissen im Kanton notwendig, aber weniger Aufwand als bei Insourcing |
| + | Flexibilität (kein Investitionsschutz erforderlich) |
| + | keine Investitionskosten |
| + | geringere Kosten (Outsourcing kommt überhaupt nur in Frage, wenn Kosten geringer sind) |
| + | höhere Kostentransparenz |
| + | Nutzung von Skaleneffekten und Synergien |
| - | detaillierter Vertrag (SLA) muss aufgesetzt werden |
| - | nur die vertraglichen Bestandteile sind steuerbar; Neuverhandlung bei jedem neuen Bedürfnis |
| - | Vorgaben für Erweiterung müssen von Anfang an definiert werden |
| - | Abhängigkeit vom Outsourcing-Partner; Gefahr, dass Partner unzuverlässig wird oder im Extremfall in Konkurs geht. |
| - | Vertraulichkeit schwieriger |
| - | Kernkompetenz / Know-how geht verloren (Prozess nicht einfach umkehrbar) |
| - | Zeitbedarf ungewiss |
3.3.2 FR (Variante 1a) vs. ATM (Variante 1b)
Die Variante FR bietet folgende Vor- und Nachteile:
| + | Bekannte Technologie, Know-how vorhanden |
| + | Mietleitungen können im Core eingesetzt werden |
| + | niedrigere Kosten |
| - | Für die erkannten Bedürfnisse an der Grenze der Leistungsfähigkeit |
| - | Access-Bandbreiten über 2 Mbit/s sind ausgeschlossen |
| - | Beim Ausbau aller oder einer grossen Anzahl von Standorten ist die Grenze schon viel früher erreicht (spätestens bei 512 kbit/s) |
| - | Core-Leitungen maximal n*2 Mbit/s, wobei n < 4 |
Die Variante ATM bzw. Gigabit Ethernet bietet die folgenden Vor- und Nachteile:
| + | Moderne Technologie |
| + | Bandbreitenbedarf auf lange Frist gedeckt |
| + | ideal vorbereitet auf Daten-Sprach-Integration |
| + | Anschluss-Bandbreiten praktisch beliebig (mehrere Mbit/s - jedoch muss dann der Router ersetzt werden) |
| + | Core 155, 622, ... Mbit/s |
| - | teuer |
| - | komplexer im Management, kein Wissen im AfI vorhanden |
| - | bedingt LWL im Core-Bereich |
3.3.3 Teil-Outsourcing vs. volles Outsourcing
Die Variante Teil-Outsourcing bietet folgende Vor- und Nachteile:
| + | Stellenverlust beim AfI wahrscheinlich geringer als beim vollen Outsourcing |
| + | Router-Know-how muss sowieso gepflegt werden |
| - | Abrenzung schwierig |
| - | Ablauf komplexer, da drei Parteien in den Netzbetrieb involviert: Kunde, AfI, Outsourcing-Partner |
Die Variante volles Outsourcing bietet die folgenden Vor- und Nachteile:
| + | Abgrenzung einfach |
| + | Ablauf für Netzanschluss einfacher, da nur zwei Parteien involviert: Kunde, Outsourcer |
| + | Attraktivere Angebot für Outsourcing-Partner, da er "alles" machen kann |
| - | Stellenverlust beim AfI wahrscheinlich grösser |
3.4 Schlussfolgerungen aus der Strategiephase
Die Abklärungen haben gezeigt, dass ein leistungsfähiges, möglichst flächendeckendes und gegenüber neuen höheren Bandbreitenbedürfnissen flexibles kantonales Kommunikationsnetz benötigt wird. Daraus resultieren folgende Varianten:
| - | Variante A: | Ausbau der heutigen Einrichtungen mit Betrieb durch die kantonale Verwaltung |
| - | Variante B: | Neubau auf Basis ATM (Asynchronous Transfer Mode) bzw. Gigabit Ethernet mit Betrieb durch die kantonale Verwaltung |
| - | Variante C: | Outsourcing |
Variante A:
Diese beruht auf einem Upgrade der heute eingesetzten Komponenten. Diese Frame Relay-Technologie kann nur bis zu 4 Mbit/s für den Backbone-Bereich (Hauptverbindungen) erhöht werden. Dadurch resultieren aber auch Mietleitungskosten, die in diesem Bereich um etwa den Faktor 4 höher sein werden als heute. Ausserdem wird sich dadurch in ein bis zwei Jahren die Frage nach einem neuen WAN erneut stellen. Aus finanzieller Sicht ist diese Variante vorteilhaft, denn mit geringen Investitionen kann eine um bis Faktor 8 erhöhte Bandbreite erreicht werden. Eine Fehlinvestition ist nicht möglich, da fast keine Investitionen gemacht werden. Diese Angaben gelten für den Stand August 1999. Inzwischen sind bereits weitere Ausbauten erfolgt, so dass nur noch geringe Erhöhungen möglich sind.
Für die Zukunft muss sich der Kanton für eine der beiden Varianten (B oder C) entscheiden.
Variante B: Wie bisher wird das Netz selber betrieben. Neu kommt die ATM-Technologie bzw. Gigabit Ethernet für den Backbone Bereich zum Einsatz, welche sich für höhere Übertragungsgeschwindigkeiten eignet. Der Neuausbau bedingt auch, dass zwischen den Knotenpunkten des Kantonsnetzes Glasfasern zur Verfügung stehen. Diese Lösung bringt hohe Anfangsinvestitionen mit sich. Der Access-Bereich (Feinverteilung auf der Benützerseite) bleibt in der heutigen Form bestehen und wird nach den Bedürfnissen der Endkunden individuell ausgebaut.
Variante C: Gemäss dieser Lösung wird weitgehend auf eigene Investitionen verzichtet und für die WAN-Dienste einen Outsourcing-Partner beigezogen. Dieser übernimmt den Betrieb des Backbone Netzes, aller Leitungen, sowie - je nach Modell- auch den Access-Router. Die genaue Zusammenarbeit wird mittels Service Level Agreements spezifiziert, in welchen die anzubietenden Leistungen sowie die dafür zu bezahlenden Preise festgelegt sind.
3.5 Ergebnis der Analyse betreffend Variante B «Gigabit-Ethernet mit Betrieb durch die kantonale Verwaltung (vormals Variante ATM)»
Verschiedene Anbieter sind in der Lage, auf einzelnen Streckenabschnitten Glasfaserpaare anzubieten. Allein die Elektra Birseck Münchenstein offeriert mittelfristig unsere gesamten Bedürfnisse mit 7 Backbone-Standorten auf Kantonsgebiet weitgehend abzudecken, wobei sie federführend mit anderen Anbietern zusammenarbeiten würde.
Basierend auf den Anforderungen aus der Vorstudie erfüllt inzwischen auch die relativ kostengünstige und für hohe Bandbreiten ausgelegte Gigabit-Ethernet-Technologie die Kriterien für ein neues kantonales Netzwerk, während bisher von der wesentlich teureren ATM-Technologie hat ausgegangen werden müssen. Die Vollkosten sind deshalb neu auf der Basis Gigabit-Ethernet gerechnet.
Kostenaufstellung Gigabit-Ethernet WAN mit Betrieb durch die kantonale Verwaltung
| Investitionen (in 1'000 Fr.): | Jährliche Betriebskosten (in 1'000Fr.): |
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| Anmerkung: - Kosten der Glasfaserkabel bei einer Mietdauer von 15 Jahren - Abschreibung der obigen Investition auf 5 Jahre (unverzinst) - 150 Aussenstandorte (exkl. Schulen) |
Nicht enthalten sind: - Bauliche Massnahmen - Netze an den Standorten (LANs) - MAN in Liestal |
Den grössten Kostenblock beim Eigenbetrieb stellen die Leitungsmieten dar, gefolgt von den Abschreibungen der aktiven Komponenten. Beide sind direkt abhängig von der Anzahl der anzuschliessenden Gebäude. Die beiden kleineren Kostenblöcke (Personalkosten und Wartung der Geräte) sind in einer realistischen Grössenordnung, so dass die Variante B insgesamt als gut betrachtet werden kann. Neben einer wirtschaftlichen Lösung muss auch die Qualität der Dienstleistung auf hohem Niveau sichergestellt sein. Gerade bei einer späteren Integration der Telefonie in das Datennetzwerk muss diesem Punkt grosse Bedeutung beigemessen werden.
3.6 Ergebnis der Kostenanalyse betreffend Variante C «Outsourcing»
Als Referenz dienen die Zahlen aus einem anderen Kanton mit einem etwa vergleichbaren Umfeld. Die Anschlussbandbreiten mit 64 kbit/s entsprechen dabei dem unteren denkbaren Leistungssegment. Mit den Anforderungen, welche für den Kanton Basel-Landschaft bestehen, käme ein Outsourcing also noch teurer zu stehen.
Der Preis eines Anschlussknotens (Fr. 13'000.-) dient als Grundlage für die Berechnung, der die Vollkosten inkl. Mietleitungen, aktive Komponenten, Abschlussrouter und Management aller Komponenten einschliesst.
Jährliche Betriebskosten (in 1'000 Fr.):
3.7 Vergleich der Variante B und C (Zusammenfassung)
Der Vergleich stellt eine Momentaufnahme dar und zeigt, dass der Eigenbetrieb kostengünstiger als ein Outsourcing ist.
| Neues Kantonales WAN 1.65 Mio. Fr./Jahr |
Outsourcing WAN 1.95 Mio. Fr./Jahr |
3.8 Fazit
Punktuell können einzelne Anschlusskapazitäten am heutigen Netzwerk (Variante A) noch ausgebaut werden, dies ist aber keine Lösung im Sinne des Projektauftrages. Für ein Outsourcing (Variante C) fehlen überzeugende Argumente, dagegen sprechen die Kosten. Variante B (Gigabit Ethernet, vormals ATM) überzeugt in allen Punkten. Der Bau eines eigenen Netzes (Variante B) ist daher aufzunehmen.
Tabelle 3: Vergleich der Varianten (Zusammenfassung)
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Fussnote: