Vorlage an den Landrat

5. Wirtschaftlicher Ausblick


Die Weltwirtschaft befindet sich in einer erfreulichen Verfassung. Die Wachstumslokomotive der OECD-Staaten bleiben nach wie vor die USA. Von dieser Dynamik konnte die Schweiz stark profitieren und wird für das Jahr 2000 ein Ausnahmejahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes von etwa 3% verzeichnen können. In den nächsten zwei Jahren wird die Schweizer Wirtschaft auf einen stabilen Wachstumspfad im Rahmen ihres Potentialwachstums einschwenken. Die Region Nordwestschweiz wird in den nächsten beiden Jahren zu den überdurchschnittlich wachsenden Regionen der Schweiz gehören.

 

5.1 Weltwirtschaft


Die Weltwirtschaft befindet sich in einer erfreulichen Verfassung: Zahlreiche Staaten verzeichnen positive Wachstumsraten beim Bruttoinlandprodukt, geringe Inflationsraten und steigende Beschäftigung.


Nach wie vor hält das amerikanische "Wachstums-Wunder" mit beeindruckender Produktivitätssteigerung an. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität stieg 1999 um 2.6 Prozent. Im laufenden Jahr wird eine Wachstumsrate von 4 Prozent realisiert werden können.


Der Euro gibt weiterhin zur Sorge Anlass. Trotzdem entwickeln sich die westeuropäischen Volkswirtschaften recht erfreulich. So weisen praktisch alle Konjunkturindikatoren nach oben. Das reale Bruttoinlandprodukt hat sich im Euroraum im ersten Halbjahr um rund 3.5 Prozent erhöht.


Japan profitiert von der guten Konjunktur in Asien und den USA. Es kann davon ausgegangen werden, dass Japans Wirtschaft im Jahr 2000 ein Wachstum des realen BIP um 2 Prozent realisieren können wird. Im kommenden Jahr kann zwar ebenfalls lediglich mit einem realen BIP-Wachstum um 2 Prozent gerechnet werden. Immerhin scheint aber auch Japan wieder auf einen stabilen Wachstumskurs einzuschwenken.


Trotz Ölpreishausse halten sich die inflationären Tendenzen in den meisten Volkswirtschaften in Grenzen und auch die Auswirkungen auf das Wachstum sind relativ gering.

 

5.2 Schweiz


Von der guten Verfassung der Weltwirtschaft profitiert auch die Schweiz. Der Schweizer Wirtschaft wird ein breit abgestütztes BIP-Wachstum von ca. 3.0 Prozent für 2000 und ca. 2.1 Prozent für 2001 und 2002 vorausgesagt. Die Bilateralen Verträge mit der Europäischen Wirtschaftsunion werden das langfristige Wachstumspotential noch erhöhen.


Die Arbeitslosenquote ist auf einen Wert von 2% gesunken und es wird auch für 2001 mit einer ähnlichen oder sogar tieferen Quote gerechnet. Die Zahl der Erwerbstätigen wird mit jährlichen Veränderungsraten von 1% für 2000 und 0.8 % für 2001 berechnet, was bedeutet, dass pro Jahr rund 30'000 neue Arbeitsplätze enstehen werden. Den ca. 100'000 in den Rezessionsjahren verloren gegangenen Arbeitsplätzen stehen aktuell etwa 125'000 neue gegenüber, die in den letzten dreieinhalb Jahren entstanden sind.


Die am Landesindex der Konsumentenpreise gemessene durchschnittliche Jahresteuerung wird sich im Jahre 2000 auf ca. 1.7 % erhöhen (1999: 0.8 %), bleibt aber unterhalb der gemäss der Schweizerischen Nationalbank mit Preisstabilität zu vereinbarenden Teuerungsobergrenze von 2 %. Die Teuerungsentwicklung wird vorerst weiterhin stark von den Einflüssen der Energiepreisentwicklung, inbesondere beim Rohöl, geprägt werden.


Die Schweizer Wirtschaft wird damit nach einem überdurchschnittlichen Jahr 2000 auf einen stabilen Wachstumspfad einschwenken, der von einer starken Export- und einer guten Binnennachfrage getragen werden wird. Das Potentialswachstum der Schweizerischen Wirtschaft, d.h. die über einen längeren Zeitraum erzielbaren Wachstumsraten mit Preisstabilität, wird mit


2 - 2.5 % pro Jahr veranschlagt. (Für die USA wird das Potentialswachstum vergleichsweise auf 3 - 3.5 % berechnet.) Der wachstumslimitierende Faktor für die Schweiz ist der Arbeitsmarkt, eine sukzessive Flexibilisierung steht hier ab dem Inkrafttreten der Bilateralen Verträge mit der Europäischen Wirtschaftsunion im Rahmen des Personenfreizügigkeitsabkommens in Aussicht. Kurzfristig werden davon aber keine Erleichterungen auf dem angespannten Arbeitsmarkt spürbar sein.

 

5.3 Regionen


Die Nordwestschweiz ist im Jahr 2000 der Wachstumleader unter den Schweizer Regionen. Dies wird auch in den nächsten zwei Jahren so bleiben. Im Vergleich mit den anderen Teilregionen im Oberrheingebiet ist die Region Nordwestschweiz ein attraktiver Wirtschaftsstandort, andere Regionen entwickeln sich aber dynamischer.


Im Schweizer Regionenvergleich wachsen nicht nur die Grossbetriebe überdurchschnittlich sondern auch die für unsere Wirtschaft sehr wichtigen Klein- und Mittelbetriebe (KMU), die ebenfalls zur Spitzenwachstumsgruppe in der Schweiz gehören. Das bedeutet, dass das Wachstum des Bruttoinlandproduktes im Jahr 2000 in der Grössenordnung von ca. 0.5 - 1.0 % höher sein wird als das erwartete gesamtschweizerische Mittel von 3.0 %.


Für die Folgejahre 2001 und 2002 werden für die Schweiz weiterhin BIP-Zuwächse von 2.1 % vorausgesagt. Unsere Region wird auch in diesem Prognosezeitraum überdurchschnittlich wachsen im Vergleich zum gesamtschweizerischen Mittel. Wir dürfen also ein BIP-Wachstum in der Grössenordnung von 3 % erwarten.


Die bilateralen EU-Verträge werden das langfristige Wachstumspotential ebenfalls erhöhen. Der Regierungsrat ist überzeugt, dass unsere Wirtschaftsregion von den Möglichkeiten, welche die Bilateralen bieten werden, wohl stärker wird profitieren können als andere Regionen der Schweiz, weil die bereits heute bestehenden Verflechtungen über die Landesgrenzen hinaus leichter als anderswo ausgebaut werden können.


In der Wachstumsrangliste der sieben Schweizer Regionen wird es im Jahr 2001 im Vergleich zum Jahr 2000 keine grossen Veränderungen geben. Unsere Region wird sich wieder am dynamischsten entwickeln. Im Schweizer Schnitt dürften die Wachstumsraten in den Regionen Zürich / Aargau, Zentralschweiz und Ostschweiz ausfallen. Unter dem schweizerischen Mittel werden weiterhin die Regionen Espace Mittelland, Bassin Lémanique und die Südschweiz wachsen.


Im Regionenvergleich im Oberrheingebiet verzeichneten die Teilregionen Karlsruhe, das Elsass und Freiburg überdurchschnittliche Wachstumsraten im Vergleichszeitraum 1990 bis 1995, während der deutsche Teilraum Oberrheingraben ein durchschnittliches und die Teilräume Schweiz und Lörrach ein unterdurchschnittliches Wachstum verzeichneten. In den Räumen Karlsruhe und Schweiz fand das Wachstum von einem hohen Niveau aus statt, im Oberrheingraben von einem mittleren und in den Teilräumen Elsass, Freiburg und Lörrach von einem tieferen Niveau aus.


Beim Vergleich der Gesamtbeschäftigungszahlen über den Zeitraum von 1985 bis 95 ergab sich für das Elsass das höchste jährliche Durchschnittswachstum von 1.2 %, für den deutschen und den schweizerischen Teilraum ein solches von 1 % bzw. 0.4 %. Die entsprechenden Vergleichszahlen der Mutterländer betragen in der gleichen Periode 0.8, 1,0 und 0.5 %.


Die geringere Wachstumsdynamik im schweizerischen Teilraum wird vorwiegend auf die Nichtteilnahme an der EU zurückgeführt. Selbstverständlich spielen auch Faktoren wie etwa das relativ hohe Ausgangsniveau, die hohen Arbeitskosten und der limitierte Arbeitsmarkt eine Rolle.


 

5.4 Basel-Stadt / Basel-Landschaft


Die Region Basel-Stadt / Basel-Landschaft (BS/BL) weist insbesondere im Vergleich zu den schweizerischen Regionen ein überdurchschnittliches Wachstum auf. Das Wachstum in Basel-Stadt wird weiterhin etwas höher sein als in Basel-Landschaft. Wir können zudem mit einer unterdurchschnittlichen Arbeitslosenquote und einer steigenden Beschäftigung rechnen.


In den internationalen Vergleichen zwischen den Regionen über die Jahre 1995-1999 belegt die Region Basel-Stadt / Basel Landschaft mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes pro Einwohner (BIP/Einw.) von 3.06 % pro Jahr mit Rang 10 einen Spitzenplatz (unter 149 Regionen). Die Nordwestschweiz liegt auf Platz 15 mit 2.84 %. Basel-Stadt allein liegt mit 3.51 % auf Rang 6, Basel-Landschaft mit 2.90 % auf Rang 13. Das entsprechende Wachstum der schweizerischen Volkswirtschaft betrug in der gleichen Zeitspanne 1.08 % pro Jahr (Rang 93).


Im internationalen Vergleich von 13 wichtigen Metropolen liegt die Region BS/BL auf Platz 3 (Zürich auf Platz 7 und Genf auf Platz 10). Spitzenreiter sind die deutschen Metropolen Frankfurt und München. Das gute Abschneiden der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft ist hauptsächlich der hohen Wertschöpfung in der chemischen Industrie und im Finanzbereich zuzuschreiben.


Der Zuwachs des BIP/Einwohner wird für Baselland in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich weiterhin etwa 3 % betragen. Wegen der unterschiedlichen Branchenstruktur und des hohen Anteils in den Branchen Finanzwirtschaft und Chemie wird das Wachstum in Basel-Stadt weiterhin höher sein als in Basel-Landschaft.


Hinsichtlich der Arbeitslosenzahlen wird sich der Kanton Basel-Landschaft weiterhin unter dem schweizerischen Durchschnitt bewegen, d.h. die Arbeitslosenquote wird unter der 2%-Schwelle liegen (aktuell 1.3 %). Aufgrund der guten Konjunkturlage darf erwartet werden, dass die seit 1999 wieder positive Beschäftigungsentwicklung ebenfalls anhalten wird. Über die nächsten vier Jahre darf die Region Nordwestschweiz mit einem Arbeitsplatzzuwachs um ca. 2.4 % rechnen.


 

6. Antrag


Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, vom Wirtschaftsbericht 2000 Kanton Basel-Landschaft Kenntnis zu nehmen.


Liestal, den 5. Dezember 2000


Im Namen den Regierungsrates
Der Präsident: Koellreuter
Der Landschreiber: Mundschin



Fortsetzung zum Quellenverzeichnis >>>
Back to Top