Aufbau des Geographischen Informationssystems (GIS)
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Aufbau des Geographischen Informationssystems (GIS) |
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| Vorlage 2000-091 vom 18. April 2000 - [Vorlage 2000-091; Inhalt ] | |
5. Nutzen des Ausbaus GIS BL
5.1 Rationalisierungspotenzial
Rationalisierungspotenziale verlässlich zu quantifizieren ist ein schwieriges Unterfangen, weil dabei diverse Faktoren vernetzt zusammenspielen, die in ihren Zusammenhängen kaum oder nur unter massivem Aufwand abzuschätzen sind. Einfacher und verständlicher ist das Aufzeigen von Rationalisierungsmechanismen, welche offensichtlich zu einer rascheren Produktion einer Sache oder zur Erledigung einer Arbeit führen. Darum sollen die nachfolgend aufgeführten Aspekte das Nutzenpotenzial exemplarisch illustrieren, ohne dem Anspruch auf Vollständigkeit genügen zu wollen.
5.1.1 Einmalerfassung von Daten
Nicht nur Adressen und Personen werden an vielen Stellen erfasst und mit viel Fleiss, so gut wie möglich nachgeführt, sondern auch Raumdaten werden in Fachstellen, je nach Interessenslage mit viel oder wenig Aufwand parallel erfasst und nachgeführt. Grund dafür ist, dass der Zugang zu Fachdaten aus anderen Bereichen nicht richtig gewährleistet werden kann. Dies begründet sich durch die Unkenntnis darüber, dass eine andere Verwaltungsstelle die Daten bereits führt, oder die Nachführung/Darstellung entspricht nicht den eigenen Bedürfnissen. Mit dem Geo Data Warehouse soll genau diese Mehrfachführung von Raumdaten vermieden werden. Dadurch wird Personalkapazität für primäre Aufgabenstellungen frei und eine mehrmalige Datenbewirtschaftung kann vermieden werden. Allein die Wahrnehmung dieser Koordinationsfunktion bewirkt enormes Einsparungspotenzial in der Verwaltung.
5.1.2 Suchprozesse
Heute bestehen in den vielen Fachbereichen der Verwaltung noch karteikarten-ähnliche Abfrage- und Suchsysteme. Bestenfalls unterstützen Fachapplikationen die spezifischen Abfragen aus der Sicht eines Geschäftsablaufs (z.B. Eigentümer- oder Einwohnerverzeichnis). Jede Suche hat ihren Zeitbedarf und damit ihren Preis. Kostentreibend wird meistens dann der Gang ins Archiv, d.h. die Suche nach älteren Sachverhalten. Wenn die Suche nach einem nicht vorstrukturierten Kriterium erfolgen soll, oder wenn mehrere Suchergebnisse verlangt sind wird die Sache sehr zeitraubend (z. B. alle Grundeigentümer/innen an einem Strassenabschnitt).
5.1.3 Auswerteprozesse
In der Arbeit der Verwaltungsstellen finden heute mehr und mehr neue Formen des Vollzugs statt. Anstelle des straff strukturierten Vollzugablaufs treten matrixartige Zusammenarbeitsmodelle. Gerade im Umweltschutz werden für Kampagnen Daten verschiedener Herkunft miteinander vermischt ausgewertet (Datamarts), wie dies auch in der Marktforschung üblich ist.
Ebenso müssen für Planungsfragen Grunddaten in rasch ändernden Zusammenstellungen miteinander in Verbindung gebracht werden. Wenn in einer Schulraumplanung die Möglichkeit der Nutzung des öffentlichen Verkehrsmittels ein Kriterium für die Schülereinteilung sein soll, müssen geeignete räumliche Auswertungsinstrumente bereit stehen. In erster Linie gilt es, die Sach- und Raumdaten der einzelnen Fachstellen so zu führen, dass sie bei einer Auswertung durch Dritte verlässlich eingesetzt werden können und gültige Ergebnisse resultieren.
5.1.4 Ablage/Archivierung
Ein weiteres Beispiel ist die
Miniaturisierung
, welche die Informatik erlaubt. Herkömmliche Archive oder Ablagesysteme benötigen viel Platz und müssen gut gepflegt werden. Planarchive sind platzraubend und teuer. Da oft mehrere Fachstellen auf die gleichen Pläne zugreifen müssen, finden sich Plankopien in mehreren Fachstellen gleichzeitig. Dies wirkt sich nicht nur auf die Raumkosten aus, sondern auch der Preis für die Kartenreproduktion ergibt insgesamt einen multiplen Kostenfaktor.
Archivsysteme auf EDV benötigen ebenfalls Unterhalt, der sich aber durch die Erfassung und Nachführung der Daten stark automatisieren lässt. Der Preis für den elektronischen Speicherplatz kann im Vergleich zu den konventionellen Archivräumen vernachlässigt werden.
5.2 Auswirkungen auf organisatorische und personelle Strukturen
Werden die oben beschriebenen Rationalisierungsmechanismen in Organisationen richtig eingesetzt, so ist es einleuchtend, dass alle Geschäftsvorgänge und operativen Abläufe zwangsläufig schneller erledigt werden können. Die feststellbaren Auswirkungen sind entweder:
Mehr Dienstleistungskapazität bei gleichem Personalbestand
oder
Weniger Personal für die gleichbleibende Dienstleistungspalette
Interessant für die Verwaltung sind diejenigen Dienststellen, welche die Informatik im GIS- Bereich noch nicht oder nur in kleinen Teilbereichen einsetzen. Gemäss den obigen Ausführungen darf ein erhebliches Rationalisierungspotenzial erwartet werden.
Durch die übergeordnete Zusammenarbeit im GIS BL darf erwartet werden, dass sich neue Rationalisierungspotenziale eröffnen. Dies wirkt sich aus auf die Kapazitätserhöhung, auf beschleunigte Verfahrensabläufe und was sehr wesentlich ist, auf die Flexibilisierung der Organisation.
Die Entwicklung des Personalbestandes ist deshalb mittelfristig sorgfältig zu analysieren und zu planen. Bei Stellenkündigungen muss zwingend die Notwendigkeit der Wiederbesetzung überprüft werden. Bei neu einzustellenden Personen ist die Informatik Messlatte als prioritäres Qualifikationsmerkmal.
5.3 Abgabe von Daten an externe Datenbezugsstellen
Zusätzlich zum verwaltungsinternen Nutzen des geplanten Geo Data Warehouse sollen die GIS-Daten gegen Gebühr von externen Datenbezugsstellen abgefragt werden können. Für die Abgabe eignen sich zahlreiche Datensätze der Verwaltung, welche bezüglich Datenschutz nicht kritisch sind. Das Vermessungs- und Meliorationsamt beispielsweise liefert schon heute Daten der amtlichen Vermessung in grossem Umfang an externe Stellen, welche diese als Grundlagedaten für ihre lagebezogenen Anwendungen benötigen.
Als Datenbezugsstellen kommen in erster Linie die Gemeinden, die Versorgungs-/Entsorgunsunternehmen, die Swisscom und andere Telekommunikationsfirmen, die Bundesbahnen und schliesslich auch private Ingenieur-, Architektur-, Planungs- und Geometerbüros in Frage. Die Festlegung der entsprechenden Gebühren und Abgabemodalitäten ist eine vordringliche Aufgabe, die im Rahmen der Realisierung des GIS BL zu regeln ist.
Im technischen Bereich sind verschiedene Arten der Datenübergabe denkbar und möglich. Die konventionelle Abgabe der Daten auf einem Datenträger dürfte kurzfristig die einfachste Lösung sein. Verschiedene externe Stellen haben aber gegenüber dem VMA schon den Wunsch nach einem Online-Anschluss auf die Daten der amtlichen Vermessung gefordert. Nach dem Aufbau des Geo Data Warehouse wird sich ein Datenbezug mit Inkasso der Gebühren über das Internet im Sinne einer
E-Commerce Dienstleistung
, als effizienteste Lösung anbieten.
Das VMA hat per 1.1.2000 für seinen Bereich eine Regierungsratsverordnung zu diesem Thema erstellt, in welcher die Rahmenbedingungen, die Kosten und die Möglichkeiten der Datenabgabe definiert sind. Den folgenden Punkten wird dabei Beachtung geschenkt:
- Jede Datenabgabe ist immer an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden. Die Weitergabe der Daten ausserhalb dieses Verwendungszwecks ist der externen Datenbezugsstelle nicht gestattet. Damit soll ein Missbrauch der Daten verhindert werden.
- Der Aufwand für die Datenaufbereitung- und abgabe werden der Datenbezugsstelle in Rechnung gestellt.
- Die Datenbezugsstelle wird mittels einer Gebühr zur Beteiligung an die von Kanton und Gemeinden getätigten Investitionen beigezogen. Damit können die Kosten für die Datenerfassung und den Datenunterhalt teilweise oder in gewissen Fällen ganz abgegolten werden.
Die Verordnung basiert auf eidgenössischen Empfehlungen im Bereich der amtlichen Vermessung und profitiert auch von der über fünfjährigen Erfahrung des VMA auf diesem Gebiet.
5.4 Gemeinden
Die bestehende enge Zusammenarbeit der Gemeinden mit der kantonalen Verwaltung wird durch das GIS rationalisiert und bringt den Kommunen Kosteneinsparungen. Voraussetzung ist eine organisierte Kooperation beim Datenaustausch und beim Datenbezug sowie die Regelung der Verantwortlickeiten für die Erstellung und Nachführung der Datenbestände. In einzelnen Gemeinden (z.B Binningen, Arisdorf ) sind bereits GIS-Projekte im Aufbau. Selbstverständlich ist die Datenschutzgesetzgebung einzuhalten. Eine ähnliche Zusammenarbeit Gemeinde <==> Kanton existiert seit langem im Steuerwesen. Es ist vorgesehen, an einer Fachtagung den Verband der basellandschaftlichen Gemeinden über das GIS zu informieren.