Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1999-040 vom 2. März 1999
Amtsbericht 1998 des Regierungsrates
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
10.4.4 Kantonsarchäologie
Ausgrabungen und Fundmeldungen
In 32 (22) Gemeinden wurden 55 (48) Grabungen durchgeführt, Fundmeldungen abgeklärt oder Altfunde administrativ behandelt. Insgesamt erfolgten 77 (98) archäologisch begründete Einsprachen auf Baugesuche, die entsprechende Baustellenkontrollen nach sich zogen.
Je 5 Fundstellen liegen in den Gemeinden Liestal und Pratteln, je 4 in Bubendorf und Reinach, 3 in Ziefen, je 2 in Aesch, Gelterkinden, Giebenach, Muttenz, Seltisberg und Sissach, je 1 Fundstelle befindet sich in Arboldswil, Arlesheim, Binningen, Blauen, Diegten, Duggingen, Füllinsdorf, Hölstein, Lampenberg, Langenbruck, Laufen, Lausen, Liesberg, Niederdorf, Pfeffingen, Rothenfluh, Tecknau, Therwil, Wahlen und Zwingen.
Die wichtigsten Grabungen fanden wieder einmal in Reinach statt, wo inmitten des Dorfes, auf einer Fläche von rund 3000m 2 , weitere bedeutende Spuren des früh- und hochmittelalterlichen Dorfes erfasst werden konnten. Die neuen Grabungen zeigten vor allem, dass das mittelalterliche Dorf nicht einfach "gewandert" war, wie bisher angenommen, sondern schon in der Merowingerzeit eine beachtliche Nord-Süd-Ausdehnung aufwies. Auf der vergleichsweise grossen Grabungsfläche inmitten des heutigen Dorfes konnten mehrere zusammenhängende Strukturen ebenerdiger Häuser erfasst werden. Hinzu kommen Grubenhäuser vom 7.-12. Jh. mit teilweise bemerkenswerten Befunden. So wurden in drei Beispielen des 12. Jh. Standspuren von liegenden Webstühlen beobachtet. Reste einer verstürzten Lehmwand gaben wertvolle Hinweise zum Aufgehenden eines solchen Grubenhauses. Mit 8 x 6 m ungewöhnlich gross war ein Grubenhaus des 7. Jh. In einem weiteren Grubenhaus kam nebst dem üblichen Siedlungsmaterial eine kleine Goldmünze des 7. Jh. zum Vorschein - ein überaus seltener und wichtiger Fund! Hinzu kamen je ein spät- und ein nachmittelalterlicher Befund: eine Grube des 15. Jh. mit bemerkenswert qualitätvoller Geschirr- und Ofenkeramik sowie ein guterhaltener Steinkeller, der (mitsamt Haus) womöglich 1638 im dreissigjährigen Krieg zerstört worden war, als Truppen Bernhards von Weimar das Dorf brandschatzten.
Am Mausackerweg in Reinach konnten in mehreren Interventionen bisher 4 Urnengräber der Römerzeit dokumentiert und geborgen werden, die offenbar in umfriedeten Grabbezirken lagen. Mit einem weiteren Grabfund von 1993 liegen von dieser Fundstelle damit fünf Bestattungen vor, die allesamt in wertvollen Glasurnen dem Boden anvertraut worden waren, zusammen mit reichen Geschirrsets und weiteren Gläsern - ein ausserordentlicher Reichtum! Reinach entwickelt sich damit mehr und mehr zum Eldorado für Archäologinnen und Archäologen.
Weitere erwähnenswerte, grössere Untersuchungen waren: Pratteln (Rütscheten), mit Befunden einer prähistorischen Feuchtbodenerhaltung (mit Eiche, Weisstanne, Buche, Esche, Erle) und jungneolithischen Funden, Seltisberg (Voreichweg), wo der Abraum eines römischen Gebäudes wohl für die Wiederverwertung in einem (neuzeitlichen?) Kalkbrennofen entdeckt wurde, und Liestal (Kirchhof), wo ausser Bestattungen trotz intensivster Suche keine weiteren Spuren des frühgeschichtlichen Liestals mehr vorhanden waren.
Luftbildarchäologie
Seit 1997 betreibt die Kantonsarchäologie systematisch Luftbildarchäologie. Mit den Luftaufnahmen beauftragt ist das Ressort Prospektion der Kantonsarchäologie Zürich. Da die Luftbildarchäologen auch die Nachbarkantone Aargau, Solothurn und Baselstadt sowie die Römerstadt Augusta Raurica befliegen, ist es möglich, auch beim erforderlichen mehrfachen Überfliegen des Kantonsgebietes die Kosten, insbesondere auch die Anflugkosten, gering zu halten.
Das Luftbildarchiv der Kantonsarchäologie konnte 1998 um 38 (22) Luftbilder erweitert werden. Dabei handelt es sich in 13 (13) Fällen um neu erfasste archäologische Objekte und bei dem Rest um Dokumentationsaufnahmen bekannter archäologischer Stätten.
ELISA; Elekronisches Informationssystem Archäologie
Die seit einigen Jahren im Aufbau begriffene archäologische Fundstellendatenbank bewährt sich im Alltag mittlerweile bestens. Im Laufe dieses Jahres wurde sie mit einfachsten Mitteln zu einem Geographischen Informationssystem (GIS) erweitert. Mit dieser Eigenentwicklung, welche die Fundstellen mit den Daten der amtlichen Vermessung zusammenführt, ist es möglich, tagtägliche Arbeiten wie Baugesuchskontrollen und die allgemeine Betreuung von Fundstellen erheblich rationeller zu bewältigen. Die Entwicklungs- und Unterhaltskosten von ELISA sind verglichen mit käuflichen Produkten dieser Art zudem verschwindend klein.
10.4.5 Konservierungslabor
Für die Ausstellung "Tatort Vergangenheit" wurden diverse Objekte der archäologischen Sammlung konservatorisch-restauratorisch bearbeitet. Nebst einigen kleineren Restaurierungen wurden auch Objekte restauriert, die einen grösseren Aufwand erforderten. Speziell sei hier das eisenzeitliche Tonnenarmband von Reinach erwähnt. Verschiedene frühmittelalterliche Objekte wie eine Pressblechfibel, ein Sax (Kurzschwert) und Keramikgefässe aus den Grabungen in Aesch, Reinach und Reigoldswil wurden restauriert. Aus der Grabung Reinach Mausackerweg wurden zwei römische Glasurnen freigelegt, gefestigt und geklebt.
Die auf Ende 1997 in Betrieb genommene Eisen-Entsalzungsanlage konnte weiter ausgebaut werden. Die ersten Entsalzungsbäder mit Eisenfunden der Grabung Lausen-Gartenweg konnten in Betrieb genommen werden. In der Präventiv-Konservierung wurden verschiedene Tests der Verpackungs- und Lagerungsmöglichkeiten von archäologischen Metallfunden durchgeführt.
In der Gemälderestaurierung konnte die Restaurierung des Wandgemäldes "Mythen", aus der Gasstrasse in Liestal, zum Abschluss gebracht werden.
Als auswärtiger Auftrag wurde für das Harmonium Museum Liestal eine Terrakotta-Büste restauriert. Für das Historische Museum Basel, das Antikenmuseum Basel, das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen sowie für den archäologischen Dienst in Bern wurden Röntgenaufnahmen von Fundgegenständen hergestellt.
Übers Jahr verteilt wurden sechs Praktikantinnen und Praktikanten die Möglichkeit geboten, ein Volontariat im Konservierungslabor zu absolvieren.
10.5 Römerstadt Augusta Raurica
10.5.1 Schwerpunkte 1998
Am 8. November schloss im Römermuseum Augst die Ausstellung "Out of Rome. Augusta Raurica - Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten" ihre Tore. Sie wurde im Jahr zuvor in Budapest von 37'000 Besucherinnen und Besuchern besichtigt. Seit dem 27. März 1998 haben sie in Augst 65'000 wietere Personen gesehen, und in über 120 Zeitungsberichten wurde darauf hingewiesen. Dies ist ein schöner Erfolg für die erste grosse Sonderausstellung des Römermuseums überhaupt, der von nachhaltiger Wirkung für unsere Arbeit, aber auch für die kulturpolitische Ausstrahlung der Römerstadt Augusta Raurica ist.
Der "Vertrag über die Römerforschung" von 1975, der alle Belange der Römerstadt zwischen den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Aargau sowie der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel und der Stiftung Pro Augusta Raurica als Besitzerin römischer Denkmäler regelt, wurde erneuert und von allen Beteiligten verabschiedet, so dass er per 1.1.1999 in Kraft treten kann.
Am 2.2.1998 fand die Abteufung des "ersten Fundamentbohrlochs" im Römischen Haustierpark mit den Regierungsräten Andreas Koellreuter und Peter Schmid, Dieter Ryffel und Paul Müller von der Interkantonalen Landeslotterie sowie Showmaster und Lotterie-Vermittler Beni Thurnheer statt. Am Jahresende waren die drei neuen Oekonomiegebäude, der Informationspavillon sowie die ansprechend gestaltete Infrastruktur (Wege, Zäune, Umgebung) fertiggestellt.
Auf der bis Ende Jahr abgeschlossenen Notgrabung im Werkhofareal der Firma Ernst Frey AG kam 1997 eine Badeanlage zum Vorschein. Während der diesjährigen Kampagne brach der stellenweise eingesetzte Kleinbagger an zwei Orten unerwartet ein: Hohlräume hatten sich aufgetan und die Archäologen alarmiert! Im Laufe der Abklärungen gab sich ein System von unterirdischen Gewölben zu erkennen, das in seiner einmaligen Erhaltung sensationell ist - nicht nur für Augusta Raurica, sondern für alle römischen Provinzen nördlich der Alpen. Es handelt sich um eine Zisterne für die Badeanlage; sie soll bis Ende 2000 fertig untersucht, konserviert und fürs Publikum zugänglich gemacht werden (ausführlicher s. unten, Grabungen in Augst).
Die Kulturkonferenz verfolgte in mehreren Sitzungen ihren vom Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion erteilten Strategieauftrag zur "Neupositionierung der Römerstadt Augusta Raurica". Die Erörterungen, teils auch mit eingeladenen auswärtigen Gästen, sollen weitergeführt werden und haben zum Ziel, langfristig aus dem Dilemma Notgrabungskredite versus Landkauf herauszuführen und eine kulturpolitische Strategie zu entwickeln, welche auch "Überlegungen mit einschliesst wie Forschungsziele, Publikationen, Präsentation etc."
10.5.2 Personal
Die Augster Römer-Spezialistinnen und -Spezialisten boten aber auch nach aussen Kurse und betriebliche Weiterbildungen für externe Institutionen an, so z.B. zwei Restaurierungsseminare für Studentinnen und Studenten der Klassischen Archäologie bzw. der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Basel, eine mehrwöchige Lehrgrabung des Seminars für Ur- und Frühgeschichte innerhalb der Ausgrabung E. Frey AG und eine Einführung in die praktische Ausgrabungstätigkeit.
10.5.3 Arbeits-, Archiv- und Depoträumlichkeiten
Die unter der Federführung des Hochbauamts durchgeführte Renovation des Ausstellungssaales und des Eingangsbereichs im Römermuseum wurde im Frühling zur Eröffnung der Sonderausstellung "Out of Rome" erfolgreich abgeschlossen. Auf denselben Termin war auch der Museumsvorgarten umgestaltet worden.
Der im Dezember 1997 im ehemaligen Top-Tip-Gebäude in Muttenz als Entlastung des Grosssteinlagers zur Verfügung gestellte Depotraum konnte im Berichtsjahr bezogen werden, was die akuten Platzprobleme etwas entschärfte.
Am 10.2.1998 und 3.4.1998 stattete der EKD-Ausschuss der Geschäftsprüfungskommission des Baselbieter Landrates der Römerstadt zwei Besuche ab und liess sich über alle aktuellen Aspekte der Arbeiten in der Römerstadt informieren. Die Haupterkenntnis war jedoch, dass die Kommission die akute Platznot erkannte. In der Folge beschlossen die Vorsteherin der Bau- und Umweltschutzdirektion und der Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion, dass 1999 die Planung eines Neubaus mit Ausstellungs-, Arbeits- und Depotbereichen unter Federführung des Hochbauamtes an die Hand genommen wird.
10.5.4 Öffentlichkeitsarbeit
Marketing und Veranstaltungen
Das grosse Archäologiefest "Zeitsprünge" war das herausragende Ereignis des Jahres 1998. Mit Blick auf die beiden grossen Archäologie-Ausstellungen "Tatort Vergangenheit" und "Out of Rome" organisierten erstmals gemeinsam die Hauptabteilungen Archäologie und Kantonsmuseum sowie die Römerstadt Augusta Raurica eine Reise zurück in unsere Vergangenheit. Neben verschiedenen Fazetten des täglichen Lebens von der Steinzeit bis ins Mittelalter wurde aber auch ein Einblick in die Arbeit der beiden Hauptabteilungen geboten.
Im Rahmenprogramm der Ausstellung "Out of Rome" konnte zusammen mit einer Schulklasse aus Pratteln ein gemeinsamer Schultag mit ungarischen Jugendlichen organisiert werden, so dass ein Jugendkulturaustausch stattfinden konnte.
Die Beflaggung des Kantons als Werbemassnahme für die Ausstellung "Out of Rome" konnte eine hohe Werbebeachtung erreichen. Die gemeinsame Museumswerbung mit den Basler Museen wurde weiter ausgebaut.
Die Projektarbeiten am Regionalen Museumspass wurden mit der Gründung eines Vereines abgeschlossen. 1999 wird der Pass zu kaufen sein!
Presse und Medien
Im Berichtsjahr sind insgesamt 554 (298) Presseartikel über Augusta Raurica erschienen, und zahlreiche Sendungen an verschiedenen Radio- und Fernsehstationen berichteten über Neuentdeckungen und Ausstellungen in Augst. Die grösste Resonanz in den Zeitungen hatten die Ausstellung "Out of Rome" (123) und das sensationelle unterirdische Zisternengewölbe (117).
Führungen und Vorträge
Unzählige Führungen im Museum und in der Römerstadt werden seit Jahren von den Stadtführerinnen von "Basel Tourismus" übernommen, für die wir im Dezember des Vorjahres und am 25.3.1998 zwei Weiterbildungsvormittage veranstalteten. Die ab 1. Juni jeden Sonntag angeboteten Führungen waren gut besucht.
Von den 46 Führungen, die das Team der Römerstadt Augusta Raurica selber bestritt, seien folgende Gästegruppen erwähnt: Regierungsrat des Kantons Thurgau, Zuger Erziehungsdirektor und Belegschaft des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie Zug, Museologinnen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Schweizer Lebensmittelinspektoren, Direktionskonferenz der Justiz-, Polizei- und Militärdirektion, Verein zur Förderung des Bernischen Historischen Museums, Rotary Club Raurica, Basler Zirkel für Ur- und Frühgeschichte, Stiftung Pro Augusta Raurica und Vereinigung Pro Augst.
Fachbesucherinnen und -besucher, die jeweils in Archive, Funddepots oder im archäologischen Gelände geführt wurden, kamen u.a. aus Syrien, Jerusalem, Oxford, Wien, Carnuntum, München, Köln, Fribourg, Lausanne, Avenches, Neuch‰tel, Zug usw.
Insgesamt zwölf vom Team der Römerstadt vorbereitete und gehaltene Vorträge waren über Augusta Raurica zu hören, u.a. "Metalluntersuchungen an römischen Bronzen", "Die Augster Amphitheater", "Aus Fehlern lernen: Auswertung - Forschungsstrategie - Dokumentation", "Investigative Conservation zur Rettung der Eisenobjekte in der Römerstadt Augusta Raurica", "Form und Funktion spätrömischen Glases im Castrum Rauracense" oder "Ziele des Regionalen Museumspasses".
Stiftung Pro Augusta Raurica
Am 2.2.1998 fand der Spatenstich für den Bau der neuen Ökonomiegebäude statt. Die Bauten werden durch Zuschüsse des Baselbieter Lotteriefonds, der Interkantonalen Landeslotterie, der Frey-Clavel-Stiftung sowie mit dem Gewinn des Römerfestes 1992 finanziert. Im Frühjahr begannen die Bauarbeiten; sie sind durch schlechtes Wetter im Herbst allerdings stark verzögert worden.
Mit freiwilligen Kontribuentinnen und Kontribuenten konnte ein in Fronarbeit geleisteter Aufsichtsdienst während der Ausstellung "Out of Rome" aufgezogen werden.
10.5.5 Didaktische Projekte
203 (186) Gruppen und Schulklassen haben am Kurs "Römisches" Brot backen teilgenommen. Die vier Wanderkoffer wurden insgesamt 84mal (99mal) ausgeliehen. Unterlagen für Lehrpersonen wurden zur Sonderausstellung "Out of Rome" entworfen. Diese boten Anregungen für den Besuch und Arbeitsblätter, die für verschiedene Schulstufen geeignet waren.
Eine Einführung in die Ausstellung für Lehrpersonen wurde sechsmal durchgeführt. Lehrerinnen- und Lehrerfortbildungskurse zum Thema "Licht", "Das Ruinengelände einmal anders" und "Unterrichten mit Gegenständen" fanden je einmal statt.
Die Museumspädagogin organisierte und begleitete die "Archäologische Woche", eine Praktikumswoche für Jugendliche im Bereich Museum und Archäologie. Geleitet wurden die Praktikantinnen und Praktikanten von Mitarbeitenden aller Abteilungen der Römerstadt und der Kantonsarchäologie Baselland.
10.5.6 Römischer Haustierpark
Aus Platzmangel, bedingt durch den Neubau der meisten Stallungen inklusive Ökonomieteil, waren es nötig, die Geburtsrate möglichst tief zu halten. Der Tierpark verzeichnete daher im Berichtsjahr lediglich 39 (56) Geburten. Der Gesamttierbestand betrug Ende Jahr 71 (80) Individuen.
Bei den Nera-Verzasca-Ziegen wurde eine Blutauffrischung mit zwei Jungziegen aus dem Kanton Tessin nötig. Leider verlor der Tierpark durch einen Unfall eine der erst 1997 eingesetzten Wollschweinsauen.
10.5.7 EDV
Die verschiedenen Augster EDV-Projekte wurden auch im vergangenen Jahr intensiv vorangetrieben. Im Rahmen des GIS-Projektes (Geographisches Informationssystem) wurden auf der Grabung E. Frey AG erste Versuche von Digitalvermessungen - sowohl tachymetrisch als auch ab Satelliten - im Rahmen einer Diplomarbeit von zwei Studenten der Fachhochschule beider Basel unternommen.
Ein weiteres Teilstück der archäologischen Datenbank MICRO-RAURICA, die Protokollierung der Fundrestaurierungen, wurde erfolgreich in Betrieb genommen. Die Datenbank konnte somit wieter vervollständigt werden.
Der in Zusammenarbeit mit der Landeskanzlei erarbeitete Internet-Auftritt (Home-page: www.augusta-raurica.ch ) wurde aktualisiert und stark erweitert, unter anderem mit einem Bilderrundgang.
Neu wurde ein InfoPoint in Betrieb genommen, der Besucherinnen und Besucher vor dem Römermuseum interaktiv durch die Römerstadt führt. Eine CD-Version dieses Rundgangs ist im Römermuseum erhältlich.
10.5.8 Wissenschaftliche Projekte
Im Rahmen des vom Bundesamt für Strassenbau finanzierten Projektes "2. Etappe Dokumentationsarbeiten an den archäologischen Ausgrabungen im Bereich der N2 in Augst" arbeitet eine Berner Archäologin über die römische Bebauung entlang der Westtorstrasse. Wiederum für zweimal zwei Wochen weilte eine Keramikspezialistin von der Universität Leeds (GB) in Augst und bestimmte weitere 1900 Töpferstempel auf dem Importgeschirr "Terra Sigillata". Die Dissertationsprojekte "Figürliche Bronzen" und "Artefakte aus Bein" wurden abgeschlossen und publiziert. Das von Stiftungen finanzierte Forschungsprojekt "Militaria des 1. Jahrhunderts n.Chr. aus Augusta Raurica" wurde ebenfalls mit einem druckfertigen Manuskript beendet.
47 militärische Bronzeobjekte mit Nielloverzierungen (Schwarzmetalleinlagen) aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurden in Winterthur elektronenmikroskopisch untersucht.
10.5.9 Publikationen
Im Berichtsjahr sind erschienen:
- Die populäre Hauszeitschrift AUGUSTA RAURICA, Nummern 1998/1 und 1998/2.
- Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst 19, 1998. 165 Seiten mit 185 Abbildungen.
- L. Berger, Führer durch Augusta Raurica (6. überarbeitete Auflage, Basel 1998). 247 Seiten mit 230 Abbildungen.
- K. Meier-Riva, Römerstadt Augusta Raurica. Ein interaktiver Besuch (CD-ROM, deutsch/franais/english).
- D. Simko/R. Meier (in Latinum convertit B. W. Häuptli), Prisca et Silvanus. Augusta Raurica deleta. Augster Museumshefte 20 (Augst 1998). 82 Seiten, davon 52 farbige Comic-Seiten.
- MILLE FIORI. Festschr. f. Ludwig Berger. Forschungen in Augst 25 (Augst 1998). 335 Seiten mit 205 Abbildungen.
- A. Kaufmann-Heinimann, Götter und Lararien aus Augusta Raurica. Herstellung, Fundzusammenhänge und sakrale Funktion figürlicher Bronzen in einer römischen Stadt. Forschungen in Augst 26 (Augst 1998). 350 Seiten mit 635 Abbildungen von über 1400 Einzelobjekten.
- S. Deschler-Erb, Römische Beinartefakte aus Augusta Raurica. Rohmaterial, Technologie, Typologie und Chronologie. Forschungen in Augst 27 (Augst 1998). Band 1: 423 Seiten mit 386 Abbildungen und 71 Tafeln sowie 13 Tabellen; Band 2: 454 Seiten Katalog.
- 7 Beiträge von Augster Autorinnen und Autoren, in: J. Tauber (Hrsg.), "Keine Kopie an niemand". Festschrift für Jürg Ewald zu seinem sechzigsten Geburtstag. Archäol. u. Museum 39.
- 4 Beiträge von Augster Autorinnen und Autoren, in: M. Németh (ed.), The Roman Town in a Modern City. Proceedings of the International Colloquium held on the occasion of the 100 th Anniversary of the Aquincum Museum 1994 Budapest. Aquincum Nostrum 2 (Budapest 1998).
- A. R. Furger, Neue Besucherleitsysteme in der Römerstadt Augusta Raurica. In: NIKE. Nationale Informationsstelle für Kulturgüter-Erhaltung 3/1998, 29.
- J. Rychener, Entdeckungen in Augusta Raurica. In: NIKE. Nationale Informationsstelle für Kulturgüter-Erhaltung 3/ 1998, 30.
- C. Aitken, Archäologie als Exkursionsthema: Ein Beispiel aus Augusta Raurica. In: SCHULE. Volkschulunterricht - praxisnah 9, 1998, 20-22.
10.5.10 Bibliothek
Bis Ende 1998 waren 4613 (3072) Publikationen mit dem Bibliotheksprogramm LIDOS erfasst. Neuerwerbungen: 188 (180) Monographien und 75 (64) Zeitschriften-Jahrgänge. 72 dieser insgesamt 263 Werke sind der Römerstadt Augusta Raurica von 47 Tauschpartnerinnen und -partnern (wissenschaftliche Institutionen im In- und Ausland) überlassen worden.
10.5.11 Grabungen in Augst
Im Berichtsjahr 1998 mussten 24 (35) archäologische Untersuchungen im basellandschaftlichen Teil der Römerstadt Augusta Raurica durchgeführt werden. Planmässig fortgeführt wurde die im Juni 1997 begonnene Grossgrabung auf dem Werkhofareal der Firma E. Frey AG (Grabungsnr. 1998.60), für die der Landrat am 10.4.1997 einen Verpflichtungskredit von netto 1,6 Millionen Franken bewilligt hatte.
Veränderte kulturpolitische Ansichten ("Kaufen und Schützen statt teuer Ausgraben und Zerstören") haben zu einem Überdenken der an sich beschlossenen Grossgrabung (RRB 1068 vom 29.4.1997) in der Flur Obermühle (Überbauungsprojekt Ehinger/Dubler-Gessler) geführt. Über das Areal ist vom Regierungsrat mit Beschluss vom 4.8.1998 (RRB Nr. 1585) eine Planungszone von maximal 5 Jahren Gültigkeit verhängt worden.
10.5.12 Grabungen in Kaiseraugst
Die durch den Baukredit für ein Oberstufenschulhaus ausgelöste Flächengrabung auf dem Areal "Gasthof Löwen" beschäftigte die Kaiseraugster Equipe während einer zweiten Kampagne. Sie erbrachte Bauhorizonte der Kastellmauer und jüngere Einbauten über dem Südtorfundament neben älteren Strukturen.
Notgrabungen wurden im Bereich südöstlich des Kastells und in der NW-Unterstadt durchgeführt.
10.5.13 Fundinventarisierung
1998 wurden 43'035 (34'196) Funde der Grabungsjahre 1997-1998 inventarisiert. Davon stammen 34'216 (20'594) aus Augst und 8'819 (13'602) aus Kaiseraugst. Der Gesamtbestand des Römermuseums beträgt heute 1'034'136 (992'514) inventarisierte Funde (ohne Tierknochen). Im Berichtsjahr wurden ausserdem die Fundinventare der Grabungsjahre 1954 bis 1956 bereinigt und mit dem Computer erfasst. Damit sind heute mit 993'838 (945'780) Nummern 96% (95%) des Gesamtbestandes elektronisch gespeichert.
10.5.14 Römermuseum
Besucherinnen und Besucher
Das Römermuseum wurde von insgesamt 68'676 (62'858) Personen besucht. Davon waren 28'663 (27'527) Schülerinnen und Schüler aus 1'556 (1'474) Klassen.
Verkauf
Der vom Römermuseum Augst im Jahre 1998 erwirtschaftete Gesamtumsatz betrug Fr. 424'105.-- (Fr. 367'028.--).
Ausstellungen
Am 27. März konnte nach langjährigen Vorarbeiten die schweizerisch-ungarische Sonderausstellung "Out of Rome" eröffnet werden, die bis zum 8. November in den Ausstellungsräumen und im Römerhaus gezeigt wurde. Aus diesem Anlass konnten wir im Mai in den Vitrinen der Crédit Suisse am Aeschengraben in Basel für die Ausstellung werben.
Für die neue Ausstellung zur Römerstadt Augusta Raurica, die ab Ende März 1999 im Römermuseum zu sehen sein wird, wurden weitere Vorbereitungen getroffen. Am 11. Dezember 1998 konnte die Sonderausstellung "Favoriten - Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Römerstadt Augusta Raurica präsentieren Lieblingsobjekte" eröffnet werden, die bis zum 7. Februar 1999 im Ausstellungsraum des Römermuseums gezeigt werden wird.
Sammlungen und Ausleihen
Im Berichtsjahr erhielten wir wiederum von mehreren Museen Anfragen für Leihgaben. Funde aus Augusta Raurica wurden u.a. in Zürich ("Die Alamannen") gezeigt sowie in Aalen/D ("Reiter wie Statuen aus Erz") und in Biesheim/F ("Vaisselle de bronze gallo-romaine").
10.5.15 Fundkonservierung und Kopienherstellung
In den Werkstätten wurden 3217 (2547) Funde restauriert.
7 Säulentrommeln sowie ein Kapitell und eine Säulenbasis wurden abgeformt für die wetterfeste Kopie einer kompletten Säule zur Aufstellung vor dem Römermuseum.
20 Kopien eines Sandsteinreliefs (römisches "Ehepaar") wurden für den Verkauf im Museumsshop sowie eine Kopie des Dannicus-Grabsteins aus Cirencester für den archäologischen Park hergestellt.
10.5.16 Denkmalpflege und Ruinendienst
Denkmalpflege und -konservierungen
Die Arbeiten im Rahmen der Sanierung des Römischen Theaters von Augst wurden programmgemäss fortgesetzt. Die Tätigkeiten im Jahr 1998 konzentrierten sich auf den Südaditus, wo nach erfolgter archäologischer Baudokumentation die grossflächigen Mauerpartien gesichert und gegen Meteorwasser isoliert wurden. Dank sorgfältigem Vorgehen konnte praktisch der gesamte noch erhalten gebliebene antike Originalbestand gerettet werden.
Die augenfälligste Massnahme erfolgte mit einem 20x20 m grossen Schutzdach über der Curia . Der desolate Zustand hätte eine konventionelle Gesamtsanierung im Umfang von rund 2 Mio. Franken erfordert; mit dem Fr. 300'000.-- teuren Schutzdach liess sich zum Glück eine sowohl denkmalpflegerisch als auch finanzpolitisch pragmatische Minimalvariante finden.
Im Gewerbehaus Schmidmatt sowie an der römischen Stadtmauer (Liebrüti) in Kaiseraugst wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten ausgeführt.
Ruinendienst
Im Schutzbau Baptisterium in Kaiseraugst wurde die Betondecke renoviert.
Der Garten vor dem Römermuseum wurde neu gestaltet, zahlreiche Wegweiser im Ruinengelände und neue Infotafeln wurden in Augst und Kaiseraugst aufgestellt.
Im Amphitheater wurden ein von sehr langer Hand vorbereiteter WC-Container fest installiert, die Sitzstufen sowie der Zaun ausgebessert und neue Grillstellen für das Publikum gebaut.
In der unterirdischen Kloake mussten die Laufroste repariert und neu verlegt werden.