1998-059_3.htm
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1998-059 vom 17. März 1997
Bewilligung der Verpflichtungskredite für den Neubau der Abwasserreinigungsanlagen in den Gemeinden Maisprach und Hersberg
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
3.5 Geprüfte Varianten
3.5.1 Ableitung/Abwasserreinigung vor Ort
Maisprach
1996/97 wurden die Varianten Ableitung nach der ARA Rheinfelden und Neubau der Anlage vor Ort in einer AIB-intern durchgeführten Studie einander gegenübergestellt, nachdem bereits früher eine entsprechende Untersuchung durch die Aufsichtsbehörde durchgeführt wurde.
Die Variante Ableitung bedingt einen ca. 2000 m langen Schmutzwasserkanal nach Magden und eine Mischwasserbehandlung vor Ort. Beim Neubau der Anlage vor Ort wurde von einer Belebtschlammanlage ausgegangen. Für die Benützung der bestehenden Kanäle und die Behandlung des Abwassers wurden Offerten eingeholt. Der Kostenvergleich sieht wie folgt aus:
| Variante | Investitionskosten | Kapitaldienst- kosten 1) |
Betriebskosten | Jahreskosten |
| Ableitung | 1 700 000.-- | 185 000.-- 2) | 112 000.-- 3) | 297 000.-- |
| Neubau ARA Maisprach | 2'200 000.-- | 212 000.-- | 64 000.-- | 276 000.-- |
1)
Zins = 5 % Kanäle a = 40 J Annuität: 0.05828
ARA a = 15 J Annuität: 0.09634
2)
beinhaltet auch Kapitaldienstkostenbeitrag an ARA Rheinfelden
3)
beinhaltet auch Beitrag an Betriebskosten für Kanäle und ARA an Gemeinde Magden, Stadt Rheinfelden und Abwasserverband Rheinfelden - Magden
Der Kostenvergleich bestätigt den schon früher gefällten Entscheid für den Ausbau der ARA Maisprach vor Ort.
Hersberg
In der Vorlage an den Landrat Nr. 88/136 vom 3. Mai 1988 betreffend Gewässerschutzmassnahmen im Einzugsgebiet Arisdörferbach/Violenbach (Gemeinden Arisdorf und Giebenach), Projektgenehmigung, Kreditbewilligung, Genehmigung der Vereinbarung und Erteilung des Enteignungsrechtes wurde die Variante Aufheben der Anlagen Arisdorf und Giebenach und Ausbau der ARA Hersberg gewählt. Im weiteren wurde vorgeschlagen, drei Mischwasserbehandlungsanlagen zu erstellen und die Mischwasserentlastungen anzupassen. Da die Abwassereinleitung der ARA Hersberg als für den Arisdörferbach von untergeordneter Bedeutung angesehen wurde, wurde vorgeschlagen, den damaligen Zustand bis auf weiteres zu belassen, d.h. die ARA Hersberg vorläufig nicht auszubauen.
Der Landrat genehmigte dieses Bauprojekt und beschloss den Kredit am 21. September 1988 gemäss Vorlage. In der Folge wurden vom AIB die Mischwasserklärbecken Arisdorf und Giebenach sowie die entsprechenden Ableitungen erstellt.
1996 wurde die Variante Ableitung zur ARA Rhein in Pratteln einer Variante Neubau der Anlage vor Ort nochmals gegenübergestellt.
Die Variante Ableitung bedingt einen 1700 m langen Schmutzwasserkanal nach Arisdorf und eine Mischwasserbehandlung vor Ort. Beim Neubau der Anlage vor Ort wurde von einer Belebtschlammanlage ausgegangen.
Der Variantenvergleich kommt zu folgendem Ergebnis:
| Variante | Investitionskosten | Kapitaldienst- kosten 1) |
Betriebskosten | Jahreskosten |
| Ableitung | 2 065 000.-- | 153 600.-- 2) | 39 400.-- 3) | 193 000.-- |
| Neubau ARA Hersberg | 1 400 000.-- | 134 900.-- | 46 000.-- | 180 900.-- |
1)
Zins = 5 % Kanäle a = 40 J Annuität: 0.05828
ARA a = 15 J Annuität: 0.09634
2)
beinhaltet auch Kapitaldienstkostenbeitrag an ARA Rhein
3)
beinhaltet auch Beitrag an Betriebskosten für Kanäle und ARA
Der Kostenvergleich bestätigt den schon früher gefällten Entscheid für den Ausbau der ARA Hersberg vor Ort.
3.5.2 Ausführungsvarianten
Die bisher ausgebauten lokalen ARA's Titterten, Bennwil, Bretzwil, Häfelfingen, Arxhof, Hemmiken, Rünenberg Nord, Wenslingen, Buus, Lampenberg und Arboldswil erreichen einen hohen Qualitätsstandard in Bezug auf Leistung, Funktionssicherheit und Bedienungsfreundlichkeit sowie Langlebigkeit.
Abb. 1: ARA Bennwil
Im Zuge der allgemeinen Anstrengungen zur Senkung der Kosten wurde an einem Erfahrungsaustausch mit den an der Planung der bisher ausgebauten Anlagen beteiligten Ingenieurbüros als Herausforderung das Ziel gesetzt, die Investitionskosten bei gleichbleibender Reinigungsqualität bei den zukünftig auszubauenden Anlagen um 20% zu reduzieren ohne die Betriebskosten dabei zu erhöhen.
Im Oktober 1995 wurde eine Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel, kostengünstigere Alternativen zu den heutigen lokalen ARA's des Kantons Basel-Landschaft aufzuzeigen.
Neben der Prüfung von Beckenkonstruktion allgemein, Betriebsgebäude, Mischwasserbehandlung und mechanischer Stufe wurden folgende Verfahren für die biologische Stufe der ARA einander gegenübergestellt:
- Einbeckenanlagen (Sequencing Batch Reactor, SBR)
- Festbettreaktor
- Tropfkörper
- Tauchtropfkörper
- Belebtschlammanlage (bisher verwendeter Anlagetyp/-Verfahren)
Dabei wurden auch unkonventionelle Bauarten wir z.B. Containeranlagen geprüft. Die aus diesem Vergleich resultierenden Jahreskosten der einzelnen Verfahren unterschieden sich interessanterweise nur unwesentlich.
Das bis heute bei den lokalen Abwasserreinigungsanlagen angewandte Belebtschlammverfahren zeigte sich als kostengünstiges und betriebssicheres Verfahren.
Im Weiteren wurde in einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeit des Baues einer Pflanzenkläranlage in Hersberg geprüft. Eine Pflanzenkläranlage hätte gegenüber einer technischen Anlage v.a. den Vorteil eines geringeren Energieverbrauchs. Demgegenüber stehen bei der technischen Anlage v.a. die Vorteile eines kleineren Flächenbedarfs und der grossen Betriebserfahrung im Vordergrund.
Der Bau einer Pflanzenkläranlage ist in Hersberg wegen des hohen Flächenbedarfs (ca. 3000 m2) und des zu steilen Geländes am Standort der heutigen ARA nicht möglich. Folgende Aufteilung der Anlage auf 2 Standorte wurde geprüft (siehe Abbildung 2 und Situationsplan in der Beilage):
- Mischwasserbehandlung und mechanische Stufe am Standort der heutigen ARA
- Filterbeete ca. 250 m südlich der heutigen ARA entlang der Strasse
Legende:
VM0 Zulaufkanal
RRS Mischwassersieb
RR0 Mischwasserbecken
MP0 Schneckenpumpwerk MV0 Vorklärbecken
MS0 Pumpbecken
SE0 Schlammstapel
FF1 - 4 Filterbeete
VA0 Auslaufkanal
Abb. 2: Pflanzenkläranlage
Der für die Filterbeete einzige mögliche und geprüfte Standort ist eine relativ ebene Fläche entlang eines Hügels. Der Boden ist sumpfig. Da die Fläche im heutigen Zustand zu schmal ist, wäre ein unverhältnismässig hoher Aufwand für
- Austauschen des Baugrundes
- Anschneiden des Hanges
- Massnahme gegen das Rutschen des Hanges
- Ableiten des Hangwassers
- Anheben des Terrains
nötig.
Folgender Vergleich zeigt, dass eine Pflanzenkläranlage auch aus Kostengründen in Hersberg nicht in Frage kommt.
| Variante | Investitionskosten | Kapitaldienstkosten | Betriebskosten | Jahreskosten |
| Pflanzenkläranlage | 1'857'000 | 179'000 | 33'000 | 212'000 |
| Belebtschlammanlage | 1'400'000 | 134'900 | 46'000 | 180'900 |
Unter den gegebenen Umständen wurde darauf verzichtet zu prüfen, ob das für die Filterbeete notwendige Areal erworben werden kann.
Die Studie zeigt, dass der Bau einer Pflanzenkläranlage in dieser Grösse an einem idealen Standort (ebenes Gelände, guter Baugrund) zu ca. 20% höheren Investitionskosten und zu etwa gleichen Jahreskosten wie eine Belebtschlammanlage, bei nicht idealer Voraussetzung - wie in Hersberg - zu wesentlich höheren Kosten führen würde.
In Maisprach kommt eine Pflanzenkläranlage neben dem grossen Flächenbedarf von 6 000 - 8 000 m2 (bestehendes Areal ca. 1 300 m2) auch aus dem Grunde, dass in der Schweiz noch keine Anlage in ähnlicher Grösse gebaut wurde (und damit noch keine entsprechenden Erfahrungen vorliegen), nicht in Frage.
Aus obigen Erwägungen kommt das Amt für Industrielle Betriebe zum Schluss, das bewährte Belebtschlammverfahren für die beiden ARAs Maisprach und Hersberg beizubehalten.
Die auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse erstellten Vorprojekte für die ARA Maisprach und die ARA Hersberg zeigen, dass das Ziel, die Investitionskosten bei den zukünftigen Anlagen im Vergleich zu den realisierten Anlagen bei den aufgezeigten Randbedingungen um 20 % zu reduzieren, erreicht wird.
3.5.3 Massnahmen am Vorfluter
Der Buuserbach ist im Bereiche der ARA Maisprach in einem natürlichen Zustand. Renaturierungs- oder Vitalisierungsmassnahmen stehen nicht zur Diskussion.
Der Auslauf der ARA Hersberg bildet, wie unter Kap. 3.2 erwähnt, zusammen mit Drainagewasser die "Quelle" des Arisdörferbaches. Dieses Bächlein ist ab Auslauf ARA über eine Strecke von ca. 900 m eingedolt. Ein natürlicher Bach hat gegenüber einem eingedolten Bach ein gewisses Selbstreinigungsvermögen. Voraussetzung für dieses Selbstreinigungsvermögen ist allerdings ein günstiges Mischungsverhältnis zwischen gereinigtem Abwasser und sauberem Bachwasser.
Wegen des Selbstreinigungsvermögens wurde die Ausdolung des oberen ca. 300 m langen Abschnittes des "Bächleins" ab Auslauf ARA in Betracht gezogen und geprüft. Die restliche Strecke des eingedolten Bächleins liegt in der Strasse und kann aus Platzgründen nicht ausgedolt werden.
Bei Einleitung der Drainagen im Bereiche der Ausdolung in den Bach beträgt der Anteil des Drainagewassers max. die Hälfte des mittleren Trockenwetteranfalles an gereinigtem Abwasser. Dies ergibt ein sehr ungünstiges Mischungsverhältnis und lässt das Selbstreinigungsvermögen des Baches nicht zum Tragen kommen.
Das Gelände, in welches der Bach zu liegen käme, ist z.T. aufgeschüttet. In diesem Bereich liegen die Drainageleitungen bis zu 4 m unter Terrain. Ein Anschluss dieser Leitungen an das offene Gerinne wäre sehr aufwendig. Aus diesen Gründen wird von einer Ausdolung des Baches abgesehen.
Für den Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen Maisprach und Hersberg wird das bewährte Belebtschlammverfahren mit aerober Schlammstabilisierung ohne Vorklärung gewählt, das eine ganzjährige Vollnitrifikation und eine maximale Abbauleistung bezüglich organischer Stoffe gewährleistet.
Die Mischwasserbehandlung besteht aus einem Mischwasserbecken und einem Sieb. Wie bereits unter Kap. 3.4.2 erwähnt, sind die verschiedenen Becken aus Kostengründen in einem Bauwerk vereinigt.